Gipfeltreffen

Ban fordert von G 20 und UN bessere Zusammenarbeit

Die G-20-Staaten werden mächtiger. Warum die Vereinten Nationen trotzdem wichtig bleiben, erklärt ihr Generalsekretär Ban Ki-moon.

Foto: AFP

Morgenpost Online : Herr Generalsekretär, sind Sie besorgt darüber, dass die Vereinten Nationen Einfluss und Legitimierung verlieren könnten, wenn die G 20 an Macht gewinnen?

Ban Ki-moon: Ich habe keine Sorge, dass die Vereinten Nationen ihren einzigartigen und nachhaltigen Einfluss einbüßen. Genau genommen habe ich mich im Vorfeld des Gipfeltreffens mit den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen beraten: Diejenigen, die nicht G-20-Mitglieder sind, haben die Zusammenarbeit zwischen den 20 größten Industrie- und Schwellenländern und der UN vor allem begrüßt – zumindest für den Fall, dass diese Foren nicht miteinander konkurrieren, sondern sich gegenseitig ergänzen. Auch für die Akzeptanz der G 20 ist das sehr wichtig.

Morgenpost Online: Ist Afrika in der G-20-Runde ausreichend vertreten?

Ban Ki-moon: Wir wissen alle, dass die UN die einzige internationale Vereinigung ist, in der alle Mitgliedsstaaten vertreten sind. Deswegen hat sie auch ihre Legitimierung. Darüber hinaus gibt es viele verschiedene informelle Gruppierungen von Mitgliedsstaaten, die zusammenzukommen, um gemeinsame Absichten zu verhandeln. Die G 20 ist eine davon. Es ermutigt mich zu sehen, dass sich Korea als Gastgeber des Gipfels bemüht, die Hand auch nach der breiten Gruppe der Nichtmitglieder auszustrecken und sich mit ihnen zu beraten. Dazu zählen auch die afrikanischen Nicht-G-20-Mitgliedsstaaten.

Morgenpost Online: Lässt sich der Einfluss der G-20-Staaten allein mit ihrer wirtschaftlichen Macht rechtfertigen?

Ban Ki-moon: Es ermutigt mich auch, dass sich die G 20 zum ersten Mal entwicklungspolitischer Fragen annehmen. Für mich hat das höchste Priorität. Die mächtigsten und die schwächsten Staaten müssen zusammenkommen, um die Nöte der Ärmsten und Schwächsten anzugehen. Wir alle können viel gewinnen, wenn wir an einem starken, nachhaltigen und gemeinsamen Wachstum arbeiten.

Morgenpost Online: Reicht es aus, dass Kanada und Südkorea als Gastgeber der G 20 in diesem Jahr Nicht-G-20-Nationen zu den Treffen eingeladen haben? Oder denken Sie, dass noch mehr getan werden muss, um auch die Stimmen der Staaten, die nicht in den G 20 repräsentiert sind, mit einzubeziehen?

Ban Ki-moon: Das ist ein guter Anfang und ich bewerte die Bemühungen der G-20-Gastgeber, die UN Mitglieder vor und nach den G-20-Gipfeln zu informieren, als positiv. Solche Praktiken sollten fortgesetzt werden. In Anbetracht der bereits gut ausgebauten Arbeitsabläufe wird es viele Gelegenheiten für die G-20-Mitglieder geben, ihre Zusammenarbeit mit den Nicht-G-20-Mitgliedern zu vertiefen. Es ist auf alle Fälle ein guter Weg, Fragen weiterhin an die Vereinten Nationen heranzutragen, um sie zu besprechen und sich zu einigen, damit auch alle Stimmen gehört werden.

Morgenpost Online: Welche Maßnahmen ergreifen die Vereinten Nationen, um die globalen Anti-Armutsziele zu erreichen, die als „Millennium Entwicklungs-Ziele“ (MDGs) bekannt sind?

Ban Ki-moon: Wie Sie wissen, war ich im September Gastgeber eines internationalen Gipfeltreffens in New York, um nachdrücklich auf die Umsetzung der MDGs in den kommenden fünf Jahren zu drängen. Ich bin fest dazu entschlossen, die Staats- und Regierungschefs dieser Welt zu drängen, alles dafür zu tun, um diese Ziele bis 2015 zu erreichen. Ist der dazu notwendige politische Wille vorhanden, können wir bei der Erfüllung der Ziele weit kommen.

Morgenpost Online: Erst kürzlich haben Sie Ihre Vision einer stärkeren UN für eine bessere Welt skizziert. Können Sie Ihre Ziele präzisieren und darlegen, wie die UN den Frieden in die Welt tragen wollen?

Ban Ki-moon: Ich stelle mich auf ein arbeitsreiches und ausgefülltes Jahr ein. Wir werden die neue Abteilung UN Women gründen, ein historisches Ereignis, und wir werden sie zum Laufen bringen. Wir werden unsere neue globale Strategie in Bezug auf Gesundheit von Kindern und Frauen fortsetzen. Außerdem werden wir unsere Klima-Agenda vorantreiben. Wir werden daran arbeiten, die Erholung der globalen Wirtschaft zu stärken und zu festigen, die Schaffung von Arbeitsplätzen vorantreiben und uns auf die Nöte der Ärmsten und Schwächsten konzentrieren. Wir werden unsere Arbeit für den Frieden, für Sicherheit und Menschenrechte auf jedem Fleck dieser Erde fortsetzen. Und wir drängen weiter auf die Reform der Vereinten Nationen - für Mobilität, Effizienz, Zusammenhalt und Wirtschaftlichkeit. Die Weltöffentlichkeit möchte schließlich wissen, dass ihr eingesetztes Geld auch Ergebnisse zeigt.

Morgenpost Online: Lassen Sie uns über zwei beunruhigende Konflikte reden: Die UN haben gegen Nordkorea wegen seiner Atomwaffentest Sanktionen verhängt. Allerdings ohne Wirkung. Wie geht es jetzt weiter?

Ban Ki-moon: Die koreanische Halbinsel soll atomwaffenfrei werden. Für uns hat das absolute Priorität und ist eine der schwierigsten Herausforderungen, der wir gegenüberstehen. Es gibt bewährte Mechanismen, die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Streitfragen zu lösen. Wir haben die Sechs-Parteien-Gespräche. Ich werde alle Bemühungen, diese Gespräche bald möglichst fortzusetzen, sehr unterstützen. Es versteht sich von selbst, dass die Teilnehmer sich an ihre jeweiligen Verbindlichkeiten und Verpflichtungen halten müssen, um dabei erfolgreich zu sein. Ich bin überzeugt davon, dass es wichtig ist, die inter-koreanischen Beziehungen zu verbessern und ihren Dialog zu fördern, um eine Denuklearisierung der Halbinsel zu ermöglichen. Als der UN-Generalsekretär stehe ich gegebenenfalls zur Verfügung, um dabei zu helfen.

Morgenpost Online: Sie haben die israelische und palästinensische Führung nochmals aufgefordert, die Hürden in ihren Friedensgesprächen zu überwinden. Was können die UN dafür tun?

Ban Ki-moon: Die Vereinten Nationen haben bereits alles in ihrer Macht stehende getan, um die Hürden in den Friedensverhandlungen zu überwinden, in dem sie sich in das Gesprächsquartett eingebracht haben. Ich stehe in regelmäßigem Kontakt mit der israelischen und palästinensischen Führung und dränge sie, mit ihren direkten Verhandlungen voranzukommen. Ich glaube sehr fest daran, dass sich diese einmalige Gelegenheit für einige Zeit nicht mehr so schnell bieten wird, wenn sie jetzt ungenutzt verstreichen sollte.

Morgenpost Online: Eine letzte Frage: Ihre Amtszeit als UN-Generalsekretär endet im nächsten Jahr. Werden Sie nochmals für den Posten kandidieren?

Ban Ki-moon: Ich konzentriere mich lieber auf die Arbeit, die ich während meiner jetzigen Amtszeit zu erledigen habe. Diese nimmt all meine Zeit in Anspruch. Über die Frage nach einer zweiten Amtszeit werde ich später nachdenken, dann, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Das Interview führten die im Press-20-Club vertretenen Zeitungen

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