Nach dem Rücktritt

Demo-Chaos bei Fans von zu Guttenberg

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In Berlin wollen am Sonnabend Guttenberg-Anhänger demonstrieren. Eine Kundgebung wurde angemeldet - zugleich sagen hyperaktive Guttenberg-Fans bei Facebook Veranstaltungen ab. Es herrscht Verwirrung.

Für Sonnabend ist nach Angaben der Berliner Polizei von der „Initiative Pro Guttenberg“ eine Demonstration in Berlin angemeldet. Von 13 bis 16 Uhr wollen die Anhänger des über seine großteils kopierte Doktorarbeit gestürzten CSU-Politikers demonstrieren, „Für die Wiedereinsetzung von Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister Deutschlands“. Die Initiatioren der Kundgebung, die auch die Anmeldung besorgt haben, rechnen mit bis zu 1000 Teilnehmern.

Ursprünglich waren zwei Veranstaltungen zur Unterstützung des in der Plagiats-Affäre um seine Doktorarbeit zurückgetretenen Verteidigungsministers geplant: Die Kundgebung am Pariser Platz und ein Protestzug vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor. Die zweite, als „Pro-Guttenberg-Demo“ angemeldete Veranstaltung mit Startpunkt am Hauptbahnhof wurde dann abgesagt – man hat sich mit den anderen Demonstranten zusammengetan.

Zugleich ist bei Facebook zu lesen , dass "aufgrund der mangelnen Organisatoren" zahlreiche geplante Demonstrationen abgesagt worden seien. Hier kommen sich die netzaffinen Guttenberg-Fans selbst ins Gehege. Denn der Demo-Aufruf mit Demo-Absage, den der 25 Jahre alte Sebastian C. bei Facebook angelegt hat, ist ein anderer als der von Marius S., 22 Jahre alt und Gründer der Facebook-Seite „Wir wollen Guttenberg zurück“ . Die kommt inzwischen auf mehr als eine halbe Million Facebook-„Likes“ und verweist auf eine Seite mit Demonstrationsterminen in 25 Städten, darunter Berlin und – Guttenberg, Stammsitz der zu Guttenbergs. Auf der Demo-Seite allerdings fanden sich bislang lediglich knapp 1000 „Likes“.

Der Mainzer Medienunternehmer Tobias Huch wiederum hat eine Facebook-Seite mit dem Titel „Gegen die Jagd auf Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg“ eingerichtet. Diese Seite hatte am Freitag mehr als 400.000 „Likes“. Laut Huch hat es Gespräche "mit dem Betreiber unserer Partnergruppe ('Wir wollen Guttenberg zurück') und mir als Gründer der Gruppe ('Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg') " gegeben. Man sei der Meinung, dass die Demonstrationen "zwar ein kleines Signal sind, aber sicher nicht kurzfristig zur Rückkehr von zu Guttenberg führen werden". Darum soll nun gespendet werden, an das Soldatenhilfswerk der Bundeswehr und an das Bundeswehr-Sozialwerk, "mit dem Überweisungsbetreff 'Guttenberg'". So werde man "der Person Karl-Theodor zu Guttenberg am gerechtesten".

Und dann existieren es bei Facebook - vor allem in Reaktion auf die Pro-Guttenberg-Seiten - zahlreiche "Wir wollen"-Seiten. Etwa:

Der Branchendienst Meedia hat eine ganze Reihe solcher Seiten gesammelt.

Am vergangenen Sonnabend hatten Guttenberg-Gegner mit Schuhen - ein Verweis auf Protestformen im Nahen Osten - gegen Karl-Theodor zu Guttenberg demonstriert. Einem Aufruf des Bloggers Frank Rieger waren laut Polizeiangaben rund 300 Menschen gefolgt. Nach seinem Rücktritt als verteidigungsminister und seinem Verzicht auf alle politischen Ämter steht Guttenberg vor einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hof. Er soll für seine Doktorarbeit zum großen Teil Texte anderer Autoren kopiert haben, ohne dies auszuweisen.

( dpa/dapd/Reuters/dino )