Einzeltäter Arid R.

Frankfurt ist der erste islamistische Anschlag

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Der Anschlag auf US-Soldaten am Frankfurter Flughafen mit zwei Toten ist offenbar die Tat eines radikalisierten islamischen Einzeltäters. Der 21 Jahre alte Kosovare wollte US-Soldaten töten, berichtete der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU). Das ergibt sich aus den ersten Vernehmungen des Mannes. Hinter Arid U. sei aber bislang kein terroristisches Netzwerk erkennbar. Der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hält eine Anhebung der bundesweiten Sicherheitsstufe nicht für notwendig.

Die tödlichen Schüsse stellen nach Meinung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine neue Dimension des Terrorismus dar. „Wenn sich bisherige Hinweise bestätigen, hat erstmalig ein islamistischer Terroranschlag auf deutschem Boden nicht verhindert werden können und Todesopfer gefordert“, sagte der GdP-Vorsitzende Bernhard Witthaut.

Dies sei der erste Fall eines in Deutschland aufgewachsenen terroristischen Einzeltäters, der möglicherweise im Internet durch Dschihad-Propaganda motiviert worden sei, „ein sogenannter Homegrown-Terrorist“. Den deutschen Sicherheitsbehörden war der Täter nicht als potenziell gefährlich bekannt. Nach Polizeiangaben hat sich der in Frankfurt lebende junge Mann innerhalb weniger Wochen radikalisiert. Die Bundesanwaltschaft hat inzwischen die Ermittlungen an sich gezogen.

Der Täter hat den Anschlag gestanden. Er war wenige Minuten nach dem Anschlag festgenommen worden. Arid U. hatte nach Angaben des Ministers erst vor wenigen Tagen den Kampfnamen „Abu Reyyan“ angenommen und zumindest über das Netzwerk Facebook Kontakt zu dem marokkanischen Hassprediger Sheik Abdellatif gehabt. Dieser wird schon länger von der Polizei beobachtet und predigte zuletzt in einer Frankfurter Moschee. Im Frankfurter Stadtteil Sossenheim wurde die Wohnung des Todesschützen durchsucht. Er soll bei seinen Eltern gewohnt haben und sich seit 1991 in Deutschland aufhalten.

Nach Angaben des Innenministers erschoss der Täter einen Soldaten bereits vor dem Bus und stürmte dann in den Wagen, wo er als Nächstes den Busfahrer tötete. Es fielen weitere Schüsse, die noch zwei Soldaten verletzten. Einer davon schwebt noch in Lebensgefahr. Erst eine Ladehemmung in der Pistole beendete das Blutbad. Der Täter wurde auf seiner Flucht von Bundespolizisten im Flughafenterminal festgenommen. Die Soldaten hätten zum Teil Uniform getragen, die Waffen lagen im Gepäck.

Am größten deutschen Airport wurden unterdessen die Sicherheitsvorkehrungen wieder verschärft: Die Bundespolizei ging in den Terminals erneut mit Schutzwesten und Maschinenpistolen Streife und setzte verdeckte Ermittler ein.