Markus Söder

"Union kann Guttenbergs Abgang schwer verkraften"

Die Union sei nach Guttenbergs Rücktritt geschwächt, so Bayerns Umweltminister Söder. Jetzt müsse man sich in Berlin neu aufstellen – er bleibt aber in Bayern.

Markus Söder war konfliktfreudiger Generalsekretär, Vertrauter von Edmund Stoiber und ist einer der Kronprinzen von Ministerpräsident Horst Seehofer. Karl-Theodor zu Guttenberg war dabei einer seiner stärksten Konkurrenten. Lange hielt sich Bayerns Umweltminister parteipolitisch zurück, jetzt greift Söder wieder an.

Morgenpost Online: Die CSU attackiert die CDU wegen ihrer Kritik an Karl-Theodor zu Guttenberg an. Dient das zur Behandlung der Phantomschmerzen in Ihrer Partei?

Markus Söder: Man muss unsere Enttäuschung verstehen. Karl-Theodor zu Guttenberg war nicht nur für die CSU, sondern für die ganze Union ein großer Hoffnungsträger. Daher hätten wir erwartet, dass sich gerade bei den üblen Beschimpfungen von Trittin & Co. im Bundestag alle in der Union hinter Karl-Theodor zu Guttenberg gestellt hätten.

Morgenpost Online: Waren Horst Seehofer und Kanzler Angela Merkel tatsächlich so eindeutig in ihrer Unterstützung?

Söder: Auf jeden Fall. Sie haben sich glaubwürdig und honorig hinter zu Guttenberg gestellt. Man kann ja diskutieren über die wissenschaftlichen Fragen. Dies hat zu Guttenberg auch selber gemacht. Aber die Art und Weise, wie man versuchte, ihn persönlich und charakterlich zu diffamieren, hätte gerade im Bundestag einen klaren Widerspruch vom Bundestagspräsidium verlangt. Der ist aber ausgeblieben. Das war enttäuschend.

Morgenpost Online: Berlin geht scheinbar schon wieder zur Tagesordnung über. Ist zu Guttenberg schnell vergessen?

Söder: Sicher nicht. Aber zu den Grausamkeiten des politischen Geschäfts gehört, dass es weiter gehen muss. Im Verteidigungsministerium braucht es gerade für Afghanistan schnell wieder eine klare Entscheidungsstruktur.

Morgenpost Online: Wie steht die CSU jetzt ohne ihn da?

Söder: Natürlich sind wir geschwächt. Die gesamte Union kann diesen Abgang nur schwer verkraften.

Morgenpost Online: Wie profiliert sich jetzt die CSU neu?

Söder: Wir sind profiliert, das zeigen die Umfragen. Die Sacharbeit der CSU findet immer mehr Akzeptanz. In München sind wir voll in der Spur. Jetzt mussten wir uns in Berlin neu aufstellen. Ich denke, wir haben eine gute Lösung gefunden.

Morgenpost Online: Innere Sicherheit ist der Markenkern der CSU, warum war es so schwierig einen Innenminister zu finden?

Söder: Wir haben einen guten Minister gefunden.

Morgenpost Online: Aber nur mit größten Mühen, die CSU-Kandidaten wehrten sich heftig.

Söder: Man muss die persönlichen Gründe eines jeden Einzelnen respektieren. Hans-Peter Friedrich ist ein guter Mann.

Morgenpost Online: Politiker vom Schlag eines Günther Beckstein, der als „schwarzer Sheriff galt, hätte doch sofort zugegriffen.

Söder: Ja, das hätte er.

Morgenpost Online: Der neue Innenminister Hans-Peter Friedrich hat wenig von einem Sheriff, er gilt als abwägend. Ist das an dieser Stelle im Sinne der CSU?

Söder: Politik hat immer auch mit persönlichem Temperament zu tun. Hans-Peter-Friedrich hat das Zeug dazu, das Ministerium zu führen. Mein Vertrauen hat er.

Morgenpost Online: Ist damit auch die geplante Zusammenlegung der oberen Polizeibehörden zu einer Bundespolizei vom Tisch?

Söder: Da bin ich selbst gespannt.

Morgenpost Online: Ist die CSU enttäuscht, dass Landesinnenminister Joachim Herrmann nicht zugriff?

Söder: Das muss man respektieren.

Morgenpost Online: Das Argument, ich habe Familie und kann deswegen nicht nach Berlin, wirkt bisweilen vorgeschoben.

Söder: Persönliche Argumente kann man nur persönlich bewerten und das muss der machen, um den es geht. Von außen ist das schwer zu beurteilen. Letztlich zählt nur das Ja oder Nein. Aber hier muss gesagt sein, dass Horst Seehofer die ganzen Personalfragen mit großer Geduld und viel Fingerspitzengefühl gelöst hat. Meine Hochachtung.

Morgenpost Online: Sind sie enttäuscht, dass Sie bleiben was Sie sind und nicht zum Zug kamen?

Söder: Bei mir war von vornherein klar, dass ich nicht nach Berlin gehe. Ich habe immer gesagt: Meine Zukunft liegt in Bayern. Außerdem ist jeder gute bayerische Minister immer auch ein halber Bundespolitiker.

Morgenpost Online: In Bayern hätten neue Aufgaben auf Sie gewartet, das Innenministerium.

Söder: Das ist Spekulation. Ich leite jetzt seit zweieinhalb Jahren das Umwelt- und Gesundheitsressort. Dies ist mit das größte Ministerium in Bayern. Und mir macht diese Aufgabe wirklich Freude.

Morgenpost Online: Umwelt- und Gesundheit gehört aber nicht zum Markenkern der CSU, sie selbst dagegen schon.

Söder: Umwelt- und Gesundheit sind nicht die klassischen CSU-Themen, aber sie sind gesellschaftspolitisch und für die Gewinnung der Mehrheitsfähigkeit der CSU elementar wichtig.