Konkurrenz in der CSU

Herr Söder, leiden Sie unter Guttenbergs Erfolg?

Markus Söder galt als CSU-Politiker mit den besten Zukunfsperspektiven, bis ihn Karl-Theodor zu Guttenberg in wenigen Monaten parteiintern überholte. Im Morgenpost Online-Interview beschreibt Söder sein Verhältnis zum Wirtschaftsminister und fordert die Grünen im Saarland zu einer Grundsatzentscheidung auf.

Foto: pa/dpa (2) / dpa

Morgenpost Online : Herr Söder, sind Sie jemand, der verlieren kann?

Markus Söder : Ehrlich gesagt, gewinne ich lieber.

Morgenpost Online : Und was empfinden Sie, wenn Karl-Theodor zu Guttenberg karrieretechnisch an Ihnen vorbeizieht?

Söder : Diese Art von Wettbewerb wird doch vor allem von den Medien heraufbeschworen. Wir sind sicher keine uralten Schulfreunde. Aber ich verstehe mich mit ihm wesentlich besser, als immer geschrieben wird.

Morgenpost Online : Sie haben sich hie und da einen offenen Schlagabtausch geleistet. Sie beschönigen doch die Lage!

Söder : Das stimmt nicht. Guttenberg und ich haben unterschiedliche Aufgaben. Dabei kommen wir uns nicht in die Quere. Er macht seine Arbeit in Berlin – und ich meine in München. Das ist gut für die CSU.

Morgenpost Online : Wie erklären Sie die hohe Popularität des Wirtschaftsministers?

Söder : Guttenberg macht einen ausgezeichneten Job. Er hat einen klaren Kompass, und er steht auch dazu.

Morgenpost Online : Sie loben den Wirtschaftsminister – in der Debatte über Quelle in Nürnberg haben Sie mit ihm heftig gestritten. Guttenberg stand einer Staatshilfe sehr kritisch gegenüber.

Söder : Wir waren hier unterschiedlicher Auffassung. Aber das muss in einer Sachfrage möglich sein. Ich bin von Hause aus kein Ordoliberaler. Als Nürnberger habe ich einfach ein ganz besonderes Interesse am Erhalt der Arbeitsplätze in der Region.

Morgenpost Online : Sie kommen im Gegensatz zu Guttenberg aus eher einfachen Verhältnissen. Aber auch Ihnen ist eine steile Karriere geglückt. Was war dafür entscheidend?

Söder : Meine Eltern haben immer hart gearbeitet und ihren Kindern viel gegeben. Ich glaube, in jedem Beruf geht es auf Dauer nur mit viel Einsatz, Disziplin und Fleiß – und sicher auch einem Quäntchen Glück.

Morgenpost Online : Hat Ihnen jemand beim Aufstieg besonders geholfen?

Söder : Außer Edmund Stoiber hatte ich nie einen politischen Mentor. Ich musste mir vieles hart erarbeiten und Mehrheiten in der Partei finden. Da wird einem nichts geschenkt. Mein Stimmkreis in der Nürnberger Südstadt war früher von der SPD dominiert. Inzwischen habe ich ihn vier Mal direkt gewonnen.

Morgenpost Online : Ist Stoiber für Sie heute noch wichtig?

Söder : Von ihm habe ich viel gelernt. Auch heute hole ich mir manchmal Rat. Wir reden dabei aber nicht nur über Politik, sondern auch über Fußball.

Morgenpost Online : Auf dem letzten CSU-Parteitag haben Sie mit Ihrem Vorstoß zu einem ökologischeren Donau-Ausbau viel riskiert – und wurden nicht belohnt. Bei der Vorstandswahl gab es zudem ein schlechtes Ergebnis. Haben Sie diesen Tag schon verdaut?

Söder : Natürlich. Beim Donau-Ausbau bleibe ich aber bei meiner Überzeugung. Man muss für seine Meinung eintreten – auch wenn man weiß, dass man noch keine Mehrheit hat. Im Übrigen haben wir auf Parteitagen schon öfter unsere Beschlüsse weiterentwickelt. Denken Sie an die Kopfpauschale!

Morgenpost Online : Guttenberg ist deutlich beliebter als Sie. Leiden Sie unter Ihrem schlechten Image?

Söder : Jeder hat seine Aufgabe und Vita. Ich bearbeite die Lebensthemen der Zukunft: Umwelt und Gesundheit. Das wird in Bayern sehr wohl wahrgenommen. Viele in Deutschland haben aber sicher noch einen starken Eindruck aus meiner Zeit als Generalsekretär.

Morgenpost Online : Haben Sie damals zu viel geholzt?

Söder : Dieses Amt hat mich enorm gefordert. Ich habe es sehr klassisch interpretiert, wie seinerzeit Edmund Stoiber oder Heiner Geißler. Im Rückblick würde ich die eine oder andere Sache vielleicht nicht mehr so machen. Man wird ja altersmilde.

Morgenpost Online : Wollen Sie bayerischer Ministerpräsident werden?

Söder : Horst Seehofer ist die Nummer eins – in Bayern und in der CSU. Zum Glück. Und das für lange Zeit.

Morgenpost Online : Sind Sie der Zweitbeste?

Söder : (lacht) Der Zweitbeste ist offiziell sein Stellvertreter Joachim Herrmann. Was in vielen Jahren sein wird, kann ich nicht sagen. Die CSU ist für mich immer mehr als nur ein Karriereweg. Ich bin jetzt seit 26 Jahren in der CSU – ein echtes Kind dieser Partei. Ich habe an vielen Stellen gearbeitet, schon in jungen Jahren Flugblätter verteilt und Plakate geklebt. Dabei sind sehr viele Freundschaften gewachsen. Die CSU gehört für mich zu meiner Identität.

Morgenpost Online : Würden Sie sagen, dass Sie ein besserer Umweltminister wären als Sigmar Gabriel?

Söder : Das könnten viele besser machen als Gabriel. Er hat unterm Strich wenig erreicht. Und in Wahrheit interessiert ihn die Sache kaum.

Morgenpost Online : Ist das eine Bewerbung?

Söder : Meine Zukunft liegt in Bayern – wenn es nach mir geht.

Morgenpost Online : Früher waren die Grünen Ihr Feindbild. Gilt das noch?

Söder : Es gibt bei den Grünen nach wie vor Menschen wie Jürgen Trittin, denen das ideologische Weltbild wichtiger ist als eine moderne Umweltpolitik. Doch es gibt auch vernünftige Kollegen, mit denen man sachlich diskutieren kann. Ich selbst trage zwar immer noch keine Birkenstock-Schuhe. Allerdings unterliegt man Reifeprozessen: Der Klimawandel erfordert nach meiner vollen Überzeugung eine andere Politik, als wir sie noch vor einigen Jahren gemacht haben. Das haben wir erkannt – und unsere Politik weiterentwickelt.

Morgenpost Online : Im Zweifel würden Sie auch mit den Grünen koalieren?

Söder : Die Grünen müssen klären, wohin sie gehören. Man kann nicht um bürgerliche Wähler buhlen und gleichzeitig Rot-Rot-Grün beschließen. Im Saarland müssen die Grünen jetzt Flagge zeigen. Im Bund wollen wir eindeutig Schwarz-Gelb – mit viel Schwarz und ein bisschen Gelb.

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