Polemik aus Libyen

Gaddafi brüskiert China mit Tiananmen-Vergleich

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Johnny Erling

Foto: picture alliance / landov / picture alliance / landov/landov

Diktator Gaddafi hat China mit einer Äußerung über das Tiananmen-Massaker verärgert. Peking macht die Evakuierung von 30.000 Chinesen zur Chefsache.

Muammar al-Gaddafi hat mit der Drohung, er werde ein Massaker anrichten "so wie einst auf Pekings Tiananmen-Platz“, Chinas Regierung brüskiert. Gaddafi bezog sich auf die Militäraktion, mit der Peking am 4. Juni 1989 Studenten- und Massenproteste blutig niederschlug.

Keines der offiziellen Medien in China durfte die Äußerung wiedergeben. Jede Erinnerung an den Juni 1989 wird in China tabuisiert. Umso hämischer griffen Blogger das Thema auf: Auf „Twitese“ schrieben sie, bei Gaddafis Rede hätten „sich sicher alle unsere neun Mitglieder des Ständigen Politbüroausschusses auf die Zunge gebissen“. Andere höhnten: Das sei der bisher einzige „Werteexport, der China gelungen ist“.

Massenevakuierung von 30.000 chinesischen Bürgern

Angesichts der weltweiten Verdammung geht Peking auf Distanz zu Gaddafi. Sie haben Vorbereitungen zur Massenevakuierung zur Chefsache gemacht. Präsident Hu Jintao und Premier Wen Jiabao ordneten an, „alles zu unternehmen, um die Sicherheit von Leben und Eigentum der chinesischen Bürger zu garantieren“, und setzten einen Krisenstab ein.

Nach Angaben der chinesischen Botschaft in Tripolis, die die „Volkszeitung“ auf ihrer Webseite meldete, halten sich etwa 30.000 chinesische Arbeiter, Ingenieure, Geschäftsleute und Studenten in dem nordafrikanischen Land auf.

Plünderungen, Brandstiftung und Übergriffe auf Bauarbeiter durch „Gangster“ hätten nter Chinesen 15 Schwer- und zahlreiche Leichtverletzte gefordert. Die Nachrichtenagentur Xinhua meldete, dass etwa 13.000 chinesische Arbeiter an der libysch-ägyptischen Grenze gestrandet seien. Chinas Botschaft in Ägypten schickte 50 Busse zur Grenze.

Enge Geschäftsbeziehungen zwischen China und Libyen

Die ersten 83 chinesischen Mitarbeiter einer Bauingenieurfirma gelangten vom libyschen Tobruk aus nach Ägypten. Peking hat inzwischen auch Griechenland um Hilfe gebeten, notfalls Flüchtlinge aufzunehmen. Pekings Sprecher für Taiwan-Angelegenheiten sagte: „Wir werden keine Mühe scheuen, um in Libyen gestrandeten taiwanesischen Landsleuten zu helfen.“

Chinas Handel mit Libyen hat sich in den vergangenen Jahren intensiviert und stieg zwischen 2005 bis 2008 um durchschnittlich 80 Prozent pro Jahr. Wegen Chinas rasant wachsender Ölnachfrage erhöhten sich besonders Libyens Exporte. Von China bezieht das Land Maschinen, Textilien, Autos und Elektrogeräte.

Chinesische Unternehmen arbeiten an Großprojekten in einem Wert von umgerechnet etwa zwölf Milliarden Euro, vor allem im Wohnungs- und Eisenbahnbau, Ölgewerbe und Telekommunikationsbereich. Der damit verbundene Arbeitskräfteexport erklärt auch die hohe Zahl chinesischer Arbeiter in Libyen.

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