Plagiatsaffäre

Guttenberg soll Doktortitel zu früh geführt haben

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Foto: dpa / dpa/DPA

Verteidigungsminister Guttenberg weiter unter Druck: Ihm droht eine Strafanzeige, weil er sich früher als befugt "Dr." genannt haben soll.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) muss sich nicht nur den Vorwurf gefallen lassen, Teile seiner Dissertation abgeschrieben zu haben. Nun steht er einem Bericht der „Berliner Zeitung“ zufolge auch unter Verdacht, seinen Doktortitel geführt zu haben, bevor er dazu befugt war.

Der Berliner Chemiker und ehemalige Bundeswehroffizier Markus Kühbacher kündigte eine Strafanzeige gegen ihn wegen Titelmissbrauchs an.

Nach Kühbachers Angaben trat der Politiker im Bundestag bereits ab Mai 2007 als Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg auf, obwohl die Doktorarbeit vom Verlag Duncker und Humblot erst Anfang 2009 gedruckt worden sei.

„Und auch das wahrscheinlich von ihm persönlich verfasste Vorwort zu seiner Dissertation hat Guttenberg erst 2008 geschrieben, aber zu dem Zeitpunkt führte er schon seinen Doktortitel“, sagte Kühbacher.

Wie das Blatt weiter meldet, wird die Urkunde über die bestandene Doktorprüfung, deren Aushändigung zum Führen des Titels berechtigt, gemäß Promotionsordnung aber erst nach Abgabe von Pflichtexemplaren der Dissertation ausgestellt.

Unterdessen hat der Verlag, der die von Guttenberg verfasste Promotionsschrift vertreibt, angekündigt, sie solle künftig nicht mehr ausgeliefert und auch nicht neu aufgelegt werden. Der Geschäftsleiter des Berliner Wissenschaftsverlags Duncker & Humblot, Florian Simon, sagte: "In der vorliegenden Form bleibt die Dissertation dauerhaft aus unserem Angebot gestrichen“.

Ob der Verlag Schadenersatzansprüche gegen den Minister geltend machen will, ließ Simon offen. „Vor einer Entscheidung der Universität Bayreuth stellt sich die Frage rechtlicher Schritte für uns nicht“, sagte er der dem Tagesspiegel. Guttenberg soll Texte mehrerer Autoren für seine Promotion verwendet haben, ohne dies ausreichend gekennzeichnet zu haben. Nachdem er die Plagiatsvorwürfe zunächst als „abstrus“ zurückgewiesen hatte, räumte er später „gravierende Fehler“ ein und bat die Universität Bayreuth um die Rücknahme seines Titels. Am Mittwoch soll sich Guttenberg im Bundestag zu den Vorwürfen äußern.

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