Röttgen-Nachfolger

Altmaier will geistige Landschaftspflege in CDU

Er wurde sogar als EU-Kommissar gehandelt. Nun ist Peter Altmaier der neue Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion. Seiner Ansicht nach, wurde genug über Wirtschaftspolitik geredet. Es sei an der Zeit, sich um die geistige Landschaftspflege der CDU insgesamt zu kümmern. Ein Porträt.

Foto: picture-alliance / picture-alliance/dpa

Peter Altmaier gehört zu den wohl höchstens 20 Menschen in Deutschland, die an einer gut arbeitenden Verwaltung ein ästhetisches Vergnügen haben. Der Jurist, der jetzt anstelle des Umweltministers Norbert Röttgen Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion wurde, liebt Bücher über die Gründerzeit, („Deutschlands glücklichste Zeit“) in der ebendiese deutsche Verwaltung, die Sozialpolitik, Architektur, Jugendstil und Technik eine Blüte sondergleichen erlebten. Noch mehr reizt ihn aber der Gedanke, sich um die Fraktion und um die geistige Landschaftspflege der CDU insgesamt zu kümmern.

Warum nicht auf einem Parteitag mal eine pointierte Rede eines intellektuellen Konservativen hören? Warum nicht im Adenauer-Haus einmal eine Bibelarbeit mit der Kanzlerin machen? „Wir haben in den vergangenen Jahren zu viel über Wirtschaftspolitik und Geld, zu wenig über anderes gesprochen“, meint Altmaier. Gemeinsam mit dem neuen CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe will er das ändern.

Von den beiden darf man für das Profil der CDU in den nächsten Jahren einiges erwarten. Sie waren beide in den Neunzigerjahren „junge Wilde“ – zusammen mit Ronald Pofalla, Norbert Röttgen, Eckart von Klaeden und anderen, die dann auch in der „Pizza Connection“ Kontakte zu den Grünen aufnahmen. „Wir haben damals mit denen auch über ein neues Staatsbürgerschaftsrecht gesprochen“, sagt Altmaier. „Aber vorwärts getrieben haben wir es dann mit der FDP.“

Altmaier hat zwar nichts dagegen, auf die „Pizza-Connection“ angesprochen zu werden. Dem Eindruck aber, in der gerade frisch konstituierten schwarz-gelben Regierung werde schon die nächste, die Jamaika-Koalition vorbereitet, will er entgegentreten. „Meine erste Aufgabe ist es, diese schwarz-gelbe Koalition so mitzuorganisieren, dass sie ein Erfolg wird. Da müssen menschliche Bindungen entstehen. Mit so was hab ich Erfahrung.“

Peter Altmaier kommt aus einer Arbeiterfamilie in Ensdorf an der Saar. Sein Vater war Bergarbeiter, seine Mutter Krankenschwester. „Aber es war kein bildungsferner Haushalt“, erinnert sich der 51-Jährige. Seine Eltern lasen den „Spiegel“ und die „Zeit“, sogar die Satirezeitschrift „Pardon“ lag auf dem Tisch.

In die CDU ist er in der Ära Brandt eingetreten, eigentlich mehr aus Trotz. Die Partei galt damals vielen als nicht mehrheitsfähig. Das Gefühl, man sei die natürliche Regierungspartei, hatte sich weitgehend verflüchtigt. Der Europa- und Völkerrechtler Altmaier, der im Alter von 30 Jahren den prestigeträchtigen „Concours“ der Europäischen Union gewonnen hatte und dann als EU-Beamter nach Brüssel gegangen war, wurde erst Mitte der Neunzigerjahre vom damaligen saarländischen Landesvorsitzenden Klaus Töpfer überredet, in den Bundestag zu gehen.

Altmaier spricht und schreibt fließend Englisch, Französisch und Niederländisch. Es lag auf der Hand, ihn mit rechts- und europapolitischen Themen zu betrauen. Einige Monate lang galt er sogar als Kandidat für das Amt des EU-Kommissars, das nun Günther Oettinger bekleiden wird. „Es freut mich für Günter Oettinger, und mein neues Amt ist doch auch ganz schön“, meint Altmaier.

Es war nicht einfach in der Fraktion, in den vier Jahren nach dem Ende der Ära Kohl, von 1998 bis 2002. Die gefallenen Regierungsmitglieder mussten versorgt werden, die jungen Wilden mussten zurückstehen. Die Stimmung war nach der Spendenaffäre denkbar schlecht.

Die Fraktionsvorsitzende Angela Merkel betraute Altmaier dann 2002 mit einer delikaten Aufgabe: den sogenannten Lügenausschuss gegen gebrochene Wahlversprechen des SPD-Kanzlers Schröder, der auf Betreiben Roland Kochs, Friedrich Merz’ und Edmund Stoibers, aber gegen die Instinkte der Kanzlerin ins Leben gerufen worden war, auf möglichst ehrenhafte Weise zu Ende zu bringen. Sie hat ihn dafür mit dem Posten des Justiziars belohnt.

Altmaier kocht gern. Seine Wohnung sei zwar klein, 60 Quadratmeter Deutschland, aber am Tisch könnten bis zu 16 Leute sitzen. In der Logistik des gleichzeitigen Bedienens, Kochens und Unterhaltens habe er es zu einiger Meisterschaft gebracht. Der Fraktion dürfte das künftig zugutekommen.

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