Doktorarbeit

Guttenberg - 270 Seiten mutmaßliche Plagiate

Die Initiatoren des Internet-Projekts "GuttenPlag" - hier werden mutmaßliche Plagiate in der Guttenberg-Doktorarbeit ausgewiesen - wollen Montag einen Zwischenbericht abgeben: Bislang gibt es angeblich Fundstellen auf 68 Prozent der Textseiten. Unterdessen machen Zehntausende Guttenberg-Unterstützter auf Facebook mobil.

Foto: AP / AP/DAPD

Zur Suche nach mutmaßlich aus Veröffentlichungen anderer Autoren kopierten Textpassagen in der Doktorarbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) soll es am Montag einen Zwischenbericht geben: Die bislang anonymen Initiatoren der Internet-Plattform „Guttenplag“ wollen über den bisherigen Stand der Plagiatssuche berichten. Auf der Website – ein „Wiki“, dessen Inhalte von Nutzern gelesen und auch bearbeitet werden können – werden angeblich kopierte Passagen aus zu Guttenbergs Dissertation und die mutmaßlichen Originale gegenübergestellt.

Am Montagabend soll der Zwischenbericht veröffentlicht werden. „Die Überprüfung dieser Textstellen ist sehr aufwendig“, sagte der Betreiber von Guttenplag. Rund 30 Freiwillige beschäftigten sich inzwischen intensiv mit der Kontrolle. Darunter seien allerdings keine Juristen, betonte der Sprecher, der als Doktorand an einer deutschen Hochschule namentlich nicht genannt werden wollte.

Seit dem Start der Seite in der vergangenen Woche sind die Inhalte bei Guttenplag kontinuierlich angewachsen. Für den schnellen Einstieg wurde ein Bereich mit „Herausragenden Fundstellen“ angelegt, in dem solche Textstellen gesammelt wurden, die besonders deutlich als Kopie zu erkennen sein sollen und teilweise bereits in verschiedenen berichten genannt wurden. In einer Auswertung der bislang abgeglichenen Textstellen weisen die Bearbeiter mit Stand Sonntagabend auf der Plattform eine Quote von mehr als 68 Prozent aus: Auf 68,7 Prozent der Seiten der zu Guttenbergschen Dissertation finden sich demnach Inhalte von angeblich zweifelhafter Originalität. Nicht einbezogen in die Auswertung wurden Inhalts- und Literaturverzeichnis der 475-Seiten-Doktorarbeit, insgesamt also 77 Seiten. Ob ein Abschnitt der Arbeit, wie das Magazin "Der Spiegel" berichtet , tatsächlich aus Inhalten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages übernommen wurde, konnte bislang nicht verifiziert werden, die Quelle ist nicht öffentlich.

Angesichts des großen Inhalte-Umfangs sind inzwischen auch mehrere Visualisierungen der Guttenberg-Dissertation und der darin möglicherweise enthaltenen Plagiate entstanden. Bei Guttenplag wird eine Art Strichcode benutzt , um die unterschiedliche Bewertung von Teilen der Arbeit zu kennzeichnen und einzuordnen. Einen anderen und sehr übersichtlichen Ansatz mit Verlinkung zu den einzelnen Fundstellen gibt es bei vis.net .

Die kollaborative Netz-Recherche habe "nichts mit politischer Ausrichtung, persönlicher Schmutzkampagne oder ähnlichem zu tun", heißt es dort weiter. Ziel ist demnach "die wissenschaftliche Integrität eines Doktortitels in Deutschland zu sichern". Zugleich wird gewarnt, die Sammlung von Zitaten aus der Guttenberg-Dissertation und ihren Abgleich mit angeblichen Fundstellen überzubewerten. "Diese Zusammenstellung basiert in Teilen auf Berichten aus zweiter Hand. Es kann sein, dass Textstellen nicht korrekt wiedergegeben wurden".

Die einzelnen Einträge werden dabei von den Machern der Website kontrolliert und kommentiert. Gleichzeitig diskutieren Nutzer des Wikis die Fundstellen - jeder Eintrag ist kommentierbar - und bringen teilweise eigene Erfahrungen mit Promotionsverfahren und –ordnungen ein.

Unterstützer des Verteidigungsministers haben unterdessen unter anderem bei Facebook mobil gemacht. Dort existiert eine Seite mit dem Titel „Gegen die Jagd auf Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg“ – 120.000 Facebook-Nutzer hatten bis zum Montagmittag auf den „Gefällt mir“-Button der Seite geklickt. Initiator ist der Mainzer Medienunternehmer Tobias Huch (29) ins Leben gerufen worden, der auch Altersverifikationssysteme für Erotik- und Porno-Seiten im Web anbietet. „Ich war verärgert darüber, dass die Plagiats-Vorwürfe gegen zu Guttenberg im Netz eine so große Welle erzeugt haben, obwohl es viel wichtigere Themen gibt, etwa die Nachricht von den in Afghanistan gefallenen Soldaten“, sagte Huch. „Deshalb habe mich entschlossen, diese Seite einzurichten und ein paar Freunde darauf hinzuweisen.“

In den Kommentaren der Seite unterstellen viele Facebook-Nutzer den Guttenberg-Kritikern unlautere Motive: „Erfolg erzeugt Neid! Wo führt uns Deutsche das noch hin? Ich bin stolz, dass es einen Menschen wie KTv.G gibt, der selbst mit kleinen Fehlern Deutschland noch hoffen lässt“, schreibt ein Guttenberg-Fan. Auf der Pro-Guttenberg-Seite kommen aber auch umfangreich Gegner des Verteidigungsministers zu Wort: „Unglaublich! Worauf soll man da bitte neidisch sein? Ererbter Adelstitel, erschlichener Dr.-Titel...“, lautet die Antwort eines Facebook-Nutzers.