Ägypten

Spekulationen um Erkrankung von Husni Mubarak

Die Gerüchte über Mubaraks Gesundheitszustand mehren sich: Der zurückgetretene Präsident soll im Koma liegen. Andere sagen, er sei in den Hungerstreik getreten.

Der Kontrollposten an der von Palmen gesäumten Allee ist noch von den weithin in Ägypten gefürchteten Polizisten in Zivil besetzt. Sie riegeln die angeblich eher bescheidene Villa von Husni Mubarak ab, der nach seinem Rücktritt als Präsident vor einer Woche hierher nach Scharm al-Scheich flüchtete. Doch von Mubarak und seiner Familie ist weit und breit nichts zu sehen – ähnlich wie zu den Zeiten, als er noch Staatschef war und in dem mondänen Badeort ausländische Staats- und Regierungschefs empfing, ist der „Pharao“ für die Bewohner des Touristenmagneten unsichtbar.

Seit Mubarak und seine Familie am vergangenen Freitag fluchtartig die Hauptstadt Kairo verließen und sich zunächst nach Scharm al-Scheich zurückzogen, brodelt die Gerüchteküche. Der ägyptische Botschafter in den USA, Sameh Schukri, sagte am Montag, der 82-Jährige sei „möglicherweise in eher schlechter gesundheitlicher Verfassung“, betonte aber, er habe keine genauen Informationen. Schukri war auf Medienberichte angesprochen worden, wonach Mubarak einen Hirnschlag erlitten habe oder gar im Koma liege.

Über den Gesundheitszustand Mubaraks wird seit langem spekuliert. Der ehemalige Offizier, der sein Land 30 Jahre lang autoritär regierte und erst nach wochenlangen Protesten zurücktrat , gilt als angeschlagen. In der Heidelberger Universitätsklinik wurde Mubarak im März 2010 die Gallenblase entfernt. 2004 wurde er zudem in Deutschland wegen eines Bandscheibenvorfalls behandelt.

Vor seinem erwarteten Rücktritt war gemutmaßt worden, dass sich der ägyptische Präsident nach Deutschland begeben könnte, um sich dort in medizinische Behandlung zu begeben. Eine solche Lösung hätte den Weg für eine Neuordnung freimachen können und Mubarak die Schmach eines vom Volk erzwungenen Amtsverzicht möglicherweise erspart. Doch auch jetzt halten sich in Scharm al-Scheich Gerüchte, der kranke Mann lasse sich in Deutschland oder Saudi-Arabien ärztlich behandeln. Andere wollen wissen, Mubarak habe einen Hungerstreik begonnen.

Mubarak spukt wie ein Phantom durch Touristenort

Die Bewohner von Scharm al-Scheich sahen und sehen nichts von Mubarak. „Er traf sich immer mit denen von außerhalb Ägyptens, aber nie mit uns. Er war zugleich nah und fern“, sagt Hischam Abbas, ein 28-jähriger Tauchlehrer. Wie ein Phantom spukt Mubarak durch den Touristenort am Roten Meer. Auf Plakaten entlang der Straße, die zum Flughafen führt, prangt noch sein Konterfei, während es in anderen Teilen Ägyptens längst abgehängt ist. Ein Denkmal zeigt ihn 1996 mit Staatenlenkern wie dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton, Israels Regierungschef Schimon Peres und PLO-Chef Jassir Arafat.

„Der Polizeichef am Flughafen sagt, er liegt im Koma“, berichtet der Taxifahrer Hassan Hussein seine Version vom Verbleib des einstmals allgegenwärtigen Mubarak. „Aber ich weiß nicht, ob das stimmt. (...) Gehen Sie selbst nach ihm schauen“, fügt der Beduine lächelnd hinzu. „Er ist jetzt nur noch ein ganz normaler Bürger.“

Währenddessen geht Ägypten gegen ehemalige Minister aus der Ära des gestürzten Präsidenten Husni Mubaraks vor. Wegen des Verdachts, öffentliche Gelder verschwendet zu haben, seien die früheren Minister für Tourismus, Inneres sowie Wohnungsbau festgenommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Männer, die jede Schuld zurückweisen, sollen für 15 Tage festgehalten werden. Auch der Besitzer des Stahlkonzerns Ezz wurde festgenommen. Ahmed Ezz ist ein hochrangiges Mitglied der Partei von Mubarak.