Atommüll

Castor-Transport erreicht Zwischenlager in Lubmin

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Nach 28 Stunden Fahrt sind die Atommüll-Behälter angekommen. Der Transport musste wegen Protesten und Gleisblockaden mehrfach anhalten.

Mit rund vierstündiger Verspätung hat der Atommüll-Transport aus der stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe am Donnerstagmorgen Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Der Zug brachte fünf Castor-Behälter mit 56 Tonnen radioaktivem Abfall in das Zwischenlager Nord. Entlang der gut 900 Kilometer langen Strecke quer durch Deutschland protestierten nach Angaben der Anti-Atom-Bewegung mehrere hundert Atomkraftgegner mit Mahnwachen und Gleisblockaden gegen den Transport und gegen die Atompolitik der Bundesregierung.

Mehrere Gleisblockaden von Atomkraftgegnern verzögerten die Ankunft. Zur Absicherung des Transports waren bundesweit rund 7.000 Polizisten zum Einsatz.

Atommüll-Fahrt von Protestaktionen begleitet

Nachdem der Castor-Transport mit verglasten Flüssigabfällen nahezu störungsfrei durch mehrere Bundesländer in Richtung Norden gerollt war, kam er in Mecklenburg-Vorpommern vergleichsweise langsam voran. Bei Minustemperaturen gelang es Castor-Gegnern, mit Gleisblockaden unter anderem bei Rastow nahe Ludwigslust, in Schwerin und nahe Stralsund sowie mit einer Ankettaktion bei Ribnitz-Damgarten die Fahrt jeweils minutenlang aufzuhalten.

Gegenüber dem Atommüll-Transport im Dezember, als sich der Widerstand vor allem auf die letzte, rund 20 Kilometer lange Etappe konzentrierte, zog sich der Protest die gesamte Wegstrecke durch den Nordosten entlang. Die Polizei schritt mit einem Großaufgebot mehrfach ein, um Blockaden der Schienen zu verhindern oder aufzulösen.

Zwei Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood, die sich südlich von Halle in Sachsen-Anhalt von einer Eisenbahnbrücke abgeseilt hatten, konnten den Zug ebenfalls für einige Zeit stoppen. Zuvor hatte ein Demonstrant wenige Kilometer vor Gotha in Thüringen die Gleise blockiert. Der Transport musste daraufhin vorsichtshalber knapp fünf Minuten anhalten. Während der gesamten Überführung der 140 Glaskokillen mit etwa 60 Kubikmetern einer in Glas eingeschmolzenen, also verfestigten Plutonium-Uran-Flüssigkeit, gab es entlang der Strecke zahlreiche Protestaktionen, wie Mahnwachen, Lichterketten und sogenannte Aktionsspaziergänge neben den Schienen. Die Polizei nahm mehrere Atomkraftgegner in Gewahrsam.

Mit einigen Stunden Verzögerung war der streng gesicherte Zug mit fünf Castoren am frühen Mittwochmorgen vom Gelände der früheren Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe nach Lubmin aufgebrochen. Vor Abfahrt des Zuges musste die Polizei einige Hundert Blockierer von den Gleisen tragen.

Vorerst letzter Castor-Transport nach Lubmin

Es handelte sich um den zweiten Castor-Transport innerhalb von zwei Monaten und nach Angaben der bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN) um den vorerst letzten nach Lubmin. Mitte Dezember waren vom französischen Cadarache vier Castoren mit rund 2.500 hochradioaktiven Brennelementen aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe und vom Atomschiff „Otto Hahn“ ins 1997 in Betrieb genommene und von EWN betriebene Zwischenlager gebracht worden.

Damals war der Zug mit erheblich mehr Verzögerung am Zielort eingetroffen. Knapp neun Stunden fuhr er wegen außerplanmäßiger Stopps allein durch Sachsen-Anhalt. Zwei Robin-Wood-Aktivisten, die sich wenige Kilometer vor Lubmin mit einer Betonkonstruktion an die Schienen angekettet hatten, sorgten dann für eine weitere sechsstündige Verspätung des Zuges. Beamte der Bundespolizei waren über Stunden damit beschäftigt gewesen, die Frau und den Mann unverletzt aus dem Gleisbett zu entfernen.

( dapd/ks )