Plagiatsvorwürfe

Kanzlerin will von Guttenberg "ein paar Erklärungen"

Verteidigungsminister Guttenberg wollte eigentlich nach Sachsen-Anhalt zu einem Wahlkampfauftritt. Stattdessen muss er ins Kanzleramt.

Der wegen Plagiatsvorwürfen unter Druck geratene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg musste zur Bundeskanzlerin. Angela Merkel wolle bei dem Treffen im Berliner Kanzleramt von dem CSU-Politiker „ein paar Erklärungen“, berichtete das ZDF-“heute journal“.

Guttenberg sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, mehrere Passagen seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. Die Zahl der Autoren, von denen der CSU-Politiker abgeschrieben haben soll, ist inzwischen auf 15 gestiegen - darunter mit Rupert Scholz (CDU) einer seiner Amtsvorgänger. Die Universität Bayreuth forderte eine Stellungnahme von Guttenberg innerhalb von zwei Wochen.

Der Minister war eigentlich zu einem Wahlkampfauftritt in Barleben in Sachsen-Anhalt erwartet worden. Diesen hatte er kurzfristig, am Donnerstag um 18:25 Uhr absagen lassen. Der Termin war mit den Worten gestrichen worden, dass „Guttenberg in Berlin unabkömmlich ist“. Im Verteidigungsministerium war am Abend niemand erreichbar.

Das sorgte an der CDU-Basis in Sachsen-Anhalt für Enttäuschung. Mehr als 700 Menschen warteten vergeblich auf den Auftritt des Ministers. Der örtliche CDU-Kandidat für die Landtagswahl, Holger Stahlknecht, gab die Entscheidung aus Berlin bekannt. Er wirkte dabei derart enttäuscht und deprimiert, dass viele CDU-Mitglieder einen Unfall Guttenbergs befürchteten.

„Es handelt sich um eine schnelle ad-hoc-Entscheidung des Ministers“, sagt ein sichtlich enttäuschter Reiner Haseloff, der CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl am 20. März ist. „Es muss gravierende Dinge gegeben haben, die ihn in Berlin gehalten haben.“ Haseloff sagte, er habe Verständnis für eine solche Entscheidung, es gehe um „existenzielle Dinge“.

Die Veranstaltung hätte ein Höhepunkt im Landtagswahlkampf der CDU werden sollen. „Politik ist voller Überraschungen und persönlicher Schwierigkeiten.“ Bis zuletzt hatten die CDU-Mitglieder auf die Ankunft des Verteidigungsministers gehofft und geduldig in der ansonsten für Sportveranstaltungen genutzten Mittellandhalle abgewartet. Nach der Absage Guttenbergs wurde die Veranstaltung beendet.

Hier finden Sie eine Liste einiger weiterer Werke, bei denen Guttenberg sich ohne Quellen-Hinweis bedient haben soll