Plagiatsvorwurf

Guttenberg kämpft an zwei Fronten

Während Deutschland über seine Dissertation diskutierte, war Karl-Theodor zu Guttenberg zu einem Blitzbesuch in Afghanistan. Am Abend besuchte er dann nicht wie geplant eine CDU-Veranstaltung, sondern das Kanzleramt.

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Innerhalb von zwei Wochen soll sich Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zu Plagiatsvorwürfen gegen ihn äußern. Diese könnten nach Ansicht von Meinungsforschern für Guttenberg gefährlicher werden als alle bisherigen Anschuldigungen.

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Einen Tag nach Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe gegen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) werden weitere Fundstellen für Unregelmäßigkeiten in der Doktorarbeit bekannt. Zahlreiche Internetnutzer haben sich zusammengeschlossen und durchforsten online Guttenbergs Dissertation. In einem Forum haben sie bis zum Donnerstagnachmittag immer mehr unzureichend gekennzeichnete Textpassagen zusammengetragen. Rund 30 der 475 Seiten starken Arbeit wurden inzwischen markiert, weil zu Guttenberg dort nicht wissenschaftlich zitiert habe. Ziel der Internetgemeinde sei es, „die wissenschaftliche Integrität eines Doktortitels in Deutschland zu sichern“ und der Prüfungskommission an der Universität Bayreuth die Arbeit zu erleichtern. Zudem wollen einige Nutzer dort erreichen, dass Wissenschaftler in einem gemeinsamen Aufruf Minister zu Guttenberg zu einer öffentlichen Stellungnahme auffordern.

Die Universität Bayreuth, die sich mit ihrem prominenten „Summa cum laude“-Doktoranden sehr gerühmt hat, will sich in diesem Fall „nicht unter Zeitdruck setzen“ lassen, wie Präsident Rüdiger Bormann betont. Die Kommission zur Selbstkontrolle der Wissenschaft hat den CSU-Politiker am Donnerstag zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert. „Wir gehen davon aus, dass er das Schreiben am Montag bekommt“, sagte Frank Schmälzle, der Sprecher der Universität. Anschließend habe der Betroffene gemäß den Regularien der Deutschen Forschungsgemeinschaft zwei Wochen Zeit, sich zu den Plagiatsvorwürfen zu äußern. Erst wenn diese Einlassung vorliege, werde die vierköpfige Kommission noch einmal tagen und beschließen, welche weiteren Schritte nötig seien. Zu Einzelheiten über den Prüfungsprozess vor und nach Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe wollte die Universität keine Stellung nehmen. Bestätigt wurde nur, dass Guttenbergs Doktorvater, der emeritierte, vielfach ausgezeichnete und derzeit schlecht erreichbare Verfassungsrechtler Peter Häberle, nicht der Prüfungskommission angehört.

Wegen des Namens zu Guttenberg sei dieser Fall schon ein besonderer, sagte Schmälzle, „aber wir gehen hier mit derselben Ordentlichkeit und Professionalität vor, wie wir es in jedem anderen Fall auch tun würden“. In der Amtszeit des jetzigen Präsidenten Bormann, die bald zwei Jahre betrage, sei ein solcher Fall allerdings noch nicht vorgekommen.

Politische Reaktionen auf die Vorwürfe gab es am Mittwoch nur wenige. Die Web-Seite der „Tagesschau“ zitierte Außenminister Guido Westerwelle mit dem knappen Satz: „Ich äußere mich nicht zu Dissertationen oder Abiturzeugnissen.“ Der Außenminister gilt als ein Rivale Guttenbergs um die Deutungs- und Gestaltungshoheit der deutschen Außenpolitik. Westerwelles eigene juristische Doktorarbeit aus den Neunzigerjahren, die der Morgenpost Online vorliegt, enthält in der Einleitung zwei korrekt ausgewiesene Fußnotenverweise und keine Textübernahmen.

Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi, sagte gemäß der „Tagesschau“ über Guttenbergs Dissertation: „Das ist geschummelt, und zwar in einer unangenehmen Art und Weise. Ich hoffe, dass das nicht stimmt, aber wenn, sind seine Tage als Bundesminister gezählt.“ Gysi hat seine eigene juristische Doktorarbeit von 1976, „Zur Vervollkommnung des sozialistischen Rechtes im Rechtsverwirklichungsprozess“, bislang nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Direktor der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, aus deren Publikation Guttenberg eine Passage übernommen haben soll, sagte Morgenpost Online: „Es freut uns, dass der Verteidigungsminister auch zu den Lesern der ,Informationen zur politischen Bildung‘ gehört, die in allen Gymnasien der Republik Basislektüre sind. Allerdings ist das Zitieren ohne Quelle kein Kavaliersdelikt. In solchen Auseinandersetzungen stehen wir immer auf der Seite unserer Autoren.“

Karl-Theodor zu Guttenberg flog unterdessen am Mittwochmittag nach Afghanistan. Dort besuchte er von Mittwochabend bis Donnerstag früh deutsche Soldaten in einem Vorposten nahe der Stadt Char Dah, wo die Taliban eine merkliche terroristische Aktivität entwickeln. Der Besuch dort war vom Verteidigungsministerium seit einigen Wochen geplant.

Am Abend suchte der Verteidigungsminister das Kanzleramt zu Gesprächen auf. Das berichtete das ZDF-„heute journal“. Einen Auftritt bei einer CDU-Veranstaltung in Barleben (Sachsen-Anhalt), sagte er ab. Der Minister sei in Berlin „unabkömmlich“, hieß es bei der Veranstaltung. Guttenberg hatte dort vor Mitgliedern des CDU-Kreisverbandes Börde über die Neugestaltung der Bundeswehr sprechen wollen.