Unruhen im Iran

Zehntausende kämpfen in Teheran gegen den Staat

Bei den blutigen Unruhen im Iran ist ein Mann getötet worden. Die USA zeigten Solidarität mit den Regierungsgegnern.

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Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Zehntausenden Demonstranten in Teheran ist einem Bericht zufolge ein unbeteiligter Passant getötet worden. Der Mann sei von Demonstranten in den Kopf geschossen worden, meldete die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars.

Augenzeugen berichteten, mindestens drei Demonstranten seien mit Schussverletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, Dutzende weitere seien verprügelt worden. Sicherheitskräfte setzten Augenzeugen zufolge Tränengas gegen die Menge auf dem Platz der Revolution ein.

Die Opposition hatte zu der Protestveranstaltung in der iranischen Hauptstadt aufgerufen. Die Polizei ging teils auf Motorrädern gegen die Demonstranten vor, die ihrerseits Mülleimer anzündeten. "Ein Iraner stirbt, aber er nimmt keine Demütigung hin“, rief die Menge. Andere skandierten "Tod dem Diktator“.

Wie die der Reformbewegung nahestehende Website kaleme.com berichtete, kam es in der zentraliranischen Stadt Isfahan und Schiras im Süden des Landes zu ähnlichen Kundgebungen. Fars, die den paramilitärischen Revolutionsgarden nahe steht, meldete, es sei zu Festnahmen gekommen. Die Regierung hatte die Demonstration verboten und mit Konsequenzen gedroht, sollte diese dennoch stattfinden.

Regierung geht hart gegen Opposition vor

Die Regierung verschärfte ihr Vorgehen gegen die Opposition. Wenige Stunden vor der Kundgebung in Teheran wurden die Telefonleitungen von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi gekappt und sein Haus abgeriegelt, wie kaleme.com berichtete. Offenbar wollten die Behörden Mussawi damit von der Teilnahme an der Kundgebung abhalten.

Mussawi und ein weiterer Oppositionsführer, Mahdi Karrubi, stehen seit der vergangenen Woche unter Hausarrest, nachdem sie um Erlaubnis für eine friedliche Kundgebung am 14. Februar gebeten hatten. Mehrere Oppositionspolitiker und Mitarbeiter Mussawis und Karrubis wurden in den vergangenen Tagen festgenommen.

Das Vorgehen der Behörden ruft Erinnerungen an die Niederschlagung der Oppositionsproteste nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Sommer 2009 wach. Damals gingen die Sicherheitskräfte mit äußerster Härte gegen Demonstranten vor. Seit mehr als einem Jahr konnte die Opposition keine Kundgebung mehr abhalten.

USA starten Twitter-Kanal aus Solidarität

Die USA unterstützten demonstrativ die jüngsten Proteste im Iran. Außenministerin Hillary Clinton äußerte Sympathie für die Demonstranten. Sie wünschte der Opposition gegen das Regime einen ähnlichen Erfolg wie in Ägypten.

Um die Kommunikation zwischen Regierungskritikern zu unterstützen, startete das Außenministerium einen Twitter-Kanal auf Farsi , der Sprache der Iraner. In einem ersten Tweet hieß es: "Das Außenministerium erkennt die historische Rolle der sozialen Netzwerke für die Iraner. Wir möchten an euren Gesprächen teilhaben.“ In einem weiteren Beitrag hieß es: "Die USA fordern den Iran dazu auf, seinen Bürgern dieselben Rechte auf friedliche Proteste zuzugestehen wie Ägypten.“

Nach unbestätigten Berichten kam es dabei in der iranischen Hauptstadt zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Mehrere Oppositionsanhänger wurden festgenommen.

Clinton äußerte nach Angaben der Onlinezeitung "Politico“ vor Journalisten, "klare und direkte Unterstützung für die Hoffnungen des Volkes, das im Iran auf die Straße geht“. Sie forderte die Führung in Teheran auf, ihr Regime zu öffnen und freie Meinungsäußerung zuzulassen.