Italien

Berlusconi kann Proteste gegen sich nicht verstehen

Hunderttausende protestieren gegen Berlusconis Frauenbild. Der Premier ist perplex – er habe immer dafür gesorgt, dass sich Frauen "besonders" fühlten.

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Hunderttausende protestieren in vielen Städten Italiens gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

Video: Reuters
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Der wegen einer Sex-Affäre in Bedrängnis geratene italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat die Massenproteste für ein besseres Frauenbild in der Gesellschaft als „aufrührerisch“ verurteilt. In einem Telefoninterview mit dem Fernsehsender Canale 5, der zu seinem Konzern Mediaset gehört, sagte Berlusconi am Montag, er sehe in den landesweiten Protesten eine „aufrührerische Mobilmachung durch einen linken Flügel, der jeden Vorwand nutzt, um einen Gegner zu schlagen, den man nicht demokratisch an einer Wahlurne besiegen kann“.

Hunderttausende Italienerinnen hatten am Sonntag angesichts der Callgirl-Affäre um Berlusconi gegen ein sexistisches Frauenbild in der italienischen Gesellschaft protestiert.

In dem Interview versicherte der Regierungschef, Frauen mit Respekt zu behandeln. „Jede Frau, die Gelegenheit hatte, mich kennen zu lernen, weiß um meine Achtung für sie: Ich habe mich ihnen gegenüber immer mit der größten Aufmerksamkeit und mit Respekt verhalten“, sagte er. „Ich habe immer dafür gesorgt, dass sie sich – wie soll ich sagen – besonders fühlen.“

Dem Regierungschef droht derzeit ein Prozess, weil er die minderjährige Marokkanerin Ruby für Sex bezahlt haben soll. Er soll zudem sein Amt missbraucht haben, um Rubys Freilassung zu erwirken, als diese im Mai wegen Diebstahlverdachts in Polizeigewahrsam war. Die Mailänder Staatsanwaltschaft beantragte vergangene Woche deshalb ein Schnellverfahren, über das die zuständige Richterin Cristina Di Censo vermutlich noch diese Woche entscheidet.

Nur noch knapp jeder dritte Italiener bewertet Berlusconis Regierungsarbeit positiv. Und jeder vierte Berlusconi-Gegner ist nach einer Umfrage dafür, den Regierungschef jetzt auf dem „ägyptischen Weg“ mit anhaltenden Demonstrationen zum Rücktritt zu zwingen. Die römische Tageszeitung „La Repubblica“ veröffentlichte am Montag diese Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Demos – sie zeigen Berlusconi auf einem Tiefstand in der Wertschätzung wie seit sechs Jahren nicht.

Nach der Demos-Umfrage geht eine Mehrheit der 1027 Befragten davon aus, dass sich Berlusconi ungestraft aus dieser jüngsten juristischen Affäre um seine Person ziehen wird. Allerdings scheint auch das Vertrauen der Wähler in seine Partei PdL (Volk der Freiheit) nach der Umfrage stark geschrumpft. Allein noch 27,2 Prozent wollten für Berlusconis Partei votieren – bei Wahlen 2008 und 2009 waren es noch jeweils mehr als 35 Prozent. Dass er die Wähler hinter sich habe, war bisher für den Regierungschef das stärkste Argument zur Abwehr seiner Gegner.