Exekution in Iran

Fall Bahrami – Hinrichtung entsetzt Niederlande

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Foto: privat / privat/Islam in Europe Blog

Die Niederlande sind erzürnt über die Exekution einer Landsfrau im Iran. Der Außenminister spricht von der ,,barbarischen Tat eines barbarischen Regimes".

Vor etwas mehr als einer Woche wurde Sahra Bahrami im Iran exekutiert . Die Frau mit niederländischem und iranischem Pass wurde beschuldigt, mit Drogen zu handeln. Das wurde jedoch nie vor einem unabhängigen Gericht bewiesen. Auch ließ es der islamische Gottesstaat nicht zu, dass die 45-jährige Mutter Hilfe von einem Anwalt ihres Vertrauens oder vom niederländischen Konsulat bekam. Der Iran erkennt die doppelte Staatsbürgerschaft nicht an. Zudem wurde sie gezwungen, im iranischen Staatsfernsehen ein Bekenntnis abzulegen.

Diplomatischer Konflikt mit Teheran – Den Haag zieht Botschafter ab

Mittlerweile ist ein ernsthafter diplomatischer Konflikt zwischen Den Haag und Teheran entstanden. Der niederländische Außenminister Uri Rosenthal spricht von der ,,barbarischen Tat eines barbarischen Regimes“. Gleich zwei Mal hat er den iranischen Botschafter in Den Haag einbestellt. Der hatte am 28. Januar abgewiegelt, der Prozess laufe noch, obwohl Bahrami schon am nächsten Tag hingerichtet wurde. Einmal erschien der Diplomat einfach nicht, als der Minister ihn einberief. Nun möchte die islamfeindliche Freiheitspartei PVV von Geert Wilders, die die liberalkonservative Regierung unter Premier Mark Rutte toleriert, den Iraner gar ,,aus Holland rausschmeißen“. Teheran erklärte nur, Einmischungen in die Innenpolitik des Iran seien inakzeptabel.

Rosenthal, dessen jüdische Eltern im Zweiten Weltkrieg aus dem besetzten Holland in die Schweiz flüchteten, hat seinen Botschafter in Teheran in die Heimat zurückgeordert. Der hatte mehrmals ergebnislos beim iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad interveniert.

Bahrami hatte in der Vergangenheit Drogen geschmuggelt

Laut ihrer Familie war Sahra Bahrami 2009 an den Protesten gegen die gefälschte Wiederwahl Ahmadinedschads beteiligt. Im Dezember wurde sie verhaftet. Sie saß im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran. Erst wurde Bahrami wegen „staatsfeindlicher Propaganda“ angeklagt. Dann wurde die Anklage um den angeblichen Besitz von 450 Gramm Kokain und 420 Gramm Opium erweitert.

Ihre Tochter bestreitet jedoch, dass ihre Mutter irgendetwas mit Drogen zu tun gehabt habe. „Mama hat nicht einmal geraucht“, sagt sie. Niederländische Fernsehjournalisten fanden jedoch heraus, dass Bahrami 2003 wegen Drogenhandels in Holland zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Sie hatte 16 Kilo Kokain aus der Karibik eingeschmuggelt. Vier Jahre später wurde sie erneut wegen Passfälschung verurteilt. Das ändert jedoch nichts am Zorn der Niederländer auf den Iran. Offiziell wurde Bahrami gehängt. Es gibt jedoch Berichte, aus denen hervorgeht, sie sei zu Tode gefoltert worden. Außenminister Rosenthal wirft die Haager Opposition vor, er habe zu langsam und zu lasch gehandelt.

Juristin setzte sich für Bahrami ein und ist jetzt ebenfalls in Haft

Die iranischen Behörden haben der Familie nicht einmal den Leichnam ausgehändigt, sondern ihrerseits begraben lassen – 400 Kilometer von Teheran entfernt. Die Familie kam so zu spät zur Beerdigung. Rosenthal weißt darauf hin, dass dieses Verfahren bei politischen Gefangenen gängig sei – um Demonstrationen bei der Beerdigung zu verhindern. Afshin Ellian, Kommentator des rechtsliberalen Magazin „Elsevier“ erklärt die Mischung aus Politik und Verbrechen so: ,,Bahrami war das perfekte Opfer“, so der iranischstämmige Hochschullehrer. „Das Regime wusste, dass Bahrami in Holland ein Drogendelikt begangen hatte.“

Auch die EU hat offiziell beim Iran protestiert. Einer der Juristen, die sich für Bahrami einsetzten, war die bekannte Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh. Ende August vergangenen Jahres gab es eine Razzia in ihrem Büro. Seitdem ist auch die Anwältin im Evin-Knast. Auch sie wurde wegen staatsfeindlicher Propaganda verurteilt, zu elf Jahren Haft. Sotoudeh darf den Iran außerdem 20 Jahre nicht verlassen. Tschechiens Ex-Präsident Václav Havel, Amnesty International und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi haben bislang ergebnislos ihre Freilassung gefordert.

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