Anklägerin

Die Frau, die Berlusconi zur Strecke bringen will

Foto: AFP

Ilda Boccassini ist die treibende Kraft der Anklage gegen Italiens Premierminister. Vor Berlusconi stellte sie Mafia-Mörder vor Gericht.

Sollte Silvio Berlusconi gelegentlich noch von Frauen träumen, wird wohl nicht Karima „Ruby“ al-Mahroug, Nicole Minetti, Noemi Letizia oder eine andere seiner Gespielinnen vor ihm auftauchen, sondern die wilde Ilda – und es wird ein Angsttraum sein. Denn Ilda Boccassini ist die treibende Kraft im Team des Staatsanwalts Edmondo Bruti Liberati, der nun dem Premier wegen Amtsmissbrauchs und der Begünstigung von Prostitution mit Minderjährigen den Prozess machen will.

Sie ist die Jägerin Berlusconis, seit Jahren schon. Ein rot gelockter Feuerkopf, ein skeptischer Mund, hin und wieder ein ungläubiges Kopfschütteln über unglaubliche Äußerungen mancher Angeklagter, eine markante Brille, die ihr wohl das nächtelange Studium der dicken Aktenbündel abverlangt, hinter denen sie oft zu verschwinden scheint, das ist fast alles, was von ihr bekannt ist. Sie ist eine der öffentlichsten Figuren Italiens, doch außerhalb des Mailänder Gerichtssaals tritt sie so gut wie nicht in Erscheinung, in keiner Talkshow, in keinem Interview.

Die Neapolitanerin ist 61 Jahre alt, von ihrem Mann getrennt und hat zwei erwachsene Kinder. Politisch aktiv war sie nie, erst recht nicht bei den Kommunisten, wie Silvio Berlusconi es ihr gern unterstellt, für den sie weniger die wilde als die „rote“ Ilda ist, als Inbegriff der „roten Roben“, die ihn seit Jahren – wie jetzt in diesem „ekligen“ Fall – am Willen des Wählers vorbei zur Strecke bringen wollen. Bevor sie nach Mailand kam, hat sie in Sizilien gearbeitet, allein gegen die Mafia, wo sie die Mörder der Richter Falcone und Borsellino fand und vor Gericht brachte.

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