Flughafen Köln-Bonn

Die Paketbombe war drei Stunden in Deutschland

Nach den verhinderten Anschlägen werden Details bekannt: Die in Köln umgeladene Bombe hätte riesige Zerstörung anrichten können.

Die Paketbombe aus dem Jemen, die auf dem Flughafen Köln/Bonn zwischengelagert wurde, war viel gefährlicher als bisher bekannt.

Die 400 Gramm Sprengstoff hätten laut Sicherheitsbehörden dazu ausgereicht, um am Boden etliche Gebäude zu verwüsten oder ein Flugzeug zum Absturz zu bringen. Die Bombe kam am vergangenen Donnerstag um 22.56 Uhr mit einem Jumbojet des US-Paketdienstes UPS in Köln/Bonn an, wurde von dem Unternehmen in seinem dort betriebenen Europa-Frachtzentrum umgeladen und am Freitag um 2.04 Uhr früh nach Großbritannien weitertransportiert.

Zehn Minuten später hatte ein in Riad stationierter Verbindungsbeamter des Bundeskriminalamtes (BKA) nach dem Hinweis eines saudi-arabischen Dienstes die deutschen Behörden gewarnt, aber da war die in einer Druckerpatrone versteckte Bombe bereits unterwegs.

Sie konnte erst auf dem Flughafen in Nottingham aus dem Verkehr gezogen werden. Die britischen Behörden haben ihren Fahndungserfolg also den Deutschen zu verdanken; insofern klappt die Zusammenarbeit. Gemeldet oder gar bedankt hatten sich die Briten dafür bis gestern aber nicht. „Das finde ich überraschend“, sagte ein hoher deutscher Sicherheitsbeamter. Die deutsche Seite würde es auch als „unglücklich“ ansehen, dass die Briten Köln/Bonn als Transferflughafen bekannt gegeben hätten. Dies hätte man selbst nicht getan, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden.

Die zweite Paketbombe, die von dem Unternehmen Fedex befördert wurde, war in Dubai abgefangen worden. Sie bestand wie die Bombe in Köln/Bonn aus dem geruchlosen Sprengstoff Nitropenta (PETN), der nur durch Beimischung anderer Materialen aufgespürt werden kann.

Der Sprengstoff wurde nicht sichtbar und nicht einfach feststellbar in den Druckertonern eingebaut. Die Bomben sollen zwar im Jemen von staatlichen Stellen per Röntgenstrahlen durchleuchtet worden sein, doch die Geräte schlugen nicht an.

Beide Bomben waren in handelsüblichen HP-Laserjet-Druckern des Typs P2055 versteckt und mit einem ausgeklügelten Zündmechanismus mit Teilen aus Mobilfunkgeräten versehen. „Die Zündvorrichtung war äußerst professionell mit sehr dünnen Drähten. Das sah fast wie ein normaler Drucker aus und war diesem in Aufbau und Gewicht weitgehend ähnlich“, sagte ein hoher deutscher Sicherheitsbeamter.

Zieladressen der Bomben sollen jüdische Einrichtungen in Chicago gewesen sein. Dass sie die HP-Drucker ausgerechnet im Jemen bestellt haben sollten, wo es solche Geräte doch preisgünstig in jedem US-Technikmarkt gibt, hätte die Sicherheitsbehörden eigentlich hellhörig werden lassen müssen.

Luftfracht für den Transitverkehr wird international bisher jedoch nur bei konkreten Hinweisen auf eine Terrorgefahr speziell kontrolliert. „Es ist bei dem jetzigen Frachtaufkommen derzeit praktisch unmöglich, die ganze Fracht zu scannen“, sagte der für den Luftverkehr zuständige Parlamentarische Verkehrsstaatssekretär Jan Mücke (FDP).

Rund 38 Millionen Tonnen Fracht wurden im vergangenen Jahr von den 190 Mitgliedsstaaten der internationalen Luftfahrtorganisation ICAO transportiert. Mindestens zur Hälfte werden Pakete als sogenannte Beiladung in Passagierflugzeuge eingeladen. Während zum Beispiel UPS, DHL oder Fedex vorwiegend eigene Flugzeuge für ihre Transporte benutzen, benötigen kleinere Versender wie TNT dazu fremde Fluglinien. Immer dann steigt auch das Risiko: Denn der Paket- oder Expressdienst gibt Teile des Versandablaufs aus der Hand und damit auch teilweise die Kontrolle über die Sendung.

Im Ausland sind der Carrier und der jeweilige Staat verantwortlich. Da die Sicherheitsstandards besonders in Drittstaaten oft wesentlich niedriger sind als in der EU, können die vorhandenen Lücken nur auf internationaler Ebene geschlossen werden.

Doch das dürfte schwierig werden: Angesichts der neuen Dimension der Terrorgefahr will die Bundesregierung denn auch erst einmal bei der belgischen EU-Ratspräsidentschaft vorstellig werden, um zumindest ein EU-einheitliches Vorgehen zu erreichen.

Die Regierung zieht nach den jüngsten Paketbombenfunden erste Konsequenzen. Luftfracht aus dem Jemen wird bis auf Weiteres nicht mehr zugelassen. Sämtliche Lieferungen wurden gestoppt. Das betrifft nicht nur die mit UPS oder Fedex, sondern auch die deutsche DHL.

Jetzt wird untersucht, ob dieses Verbot auf Fracht aus anderen Ländern ausgedehnt werden soll. Zudem darf die jemenitische Luftfahrtgesellschaft Yemenia zunächst nicht mehr nach Deutschland fliegen. Ihr wurde bis auf Weiteres die Landeerlaubnis entzogen.

Nach einem Krisentreffen im Kanzleramt tagte erstmals ein Arbeitsstab der Regierung, um weitere Konsequenzen zu beraten und alle Beteiligten an einen Tisch zu holen. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und das Luftfahrtbundesamt sind zuständig für den Frachtverkehr, Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und die Bundespolizei für den Passagierverkehr. De Maizière flog nun nach Köln/Bonn, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

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