Unruhen in Bangkok

Aus dem Balkan-Exil dirigiert Thaksin die Anarchie

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Thomas Roser

Foto: dpa

Thaksin Shinawatra hat die Rothemden über Wochen angestachelt, dirigiert die Proteste aus dem Exil und lästert auf allen Kanälen. Für die thailändische Regierung ist der Ex-Premier der Inbegriff des Bösen. Mit dem umtriebigen Milliardär gerät auch seine neue Heimat Montenegro ins Zwielicht.

„Ich bin jetzt Montenegriner“, versichert Thailands ehemaliger Regierungschef Thaksin Shinawatra. Doch der reichste Montenegriner bleibt trotz seiner vermehrten Blitzbesuche in dem kleinen Adria-Staat für seine neuen Landsleute ein Phantom.

Kaum wird das Idol der thailändischen „Rothemden“ beim Shopping oder Restaurant-Besuch im Badeort Budva gesichtet, steuert der Privatjet des rastlosen Exilanten vom Adria-Flughafen Tivat aus bereits wieder die nächste Wahlheimat des Mannes mit den vielen Pässen an.

In Bangkok fechten seine Anhänger für mehr Demokratie und mehr Rechte, im Exil ordnet ihr Hoffnungsträger seine Geschäfte. Für die thailändische Regierung ist der 60-jährige Milliardär der Inbegriff des Bösen. Er hat die Rothemden über Wochen angestachelt, dirigiert die Proteste aus dem Exil und lästert auf allen Kanälen gegen die aktuelle Führung.

Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva ist überzeugt, dass Thaksin den friedlichen Kompromiss, der vergangene Woche schon zum Greifen nahe war, höchstpersönlich platzen ließ. „Wir stehen am Abgrund zur Anarchie, und das alles wegen des Stolzes, der Gier und Rachsucht eines Mannes“, schrieb die Zeitung „Bangkok Post“ und meinte Thaksin.

Die weltweiten Verflechtungen des schillernden Geschäftsmanns bleiben indes für seine neuen Mitbürger genauso mysteriös wie der Grund für seine Einbürgerung im Land der Schwarzen Berge. In Großbritannien und Deutschland wurde der kapitalkräftige Flüchtling nach seiner Verurteilung zu einer zweijährigen Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs in seiner Heimat zwar zum unerwünschten Gast. Doch zumindest bei der Regierung des kriselnden Touristen-Mekkas Montenegro erfreut sich der von Interpol gesuchte Ex-Premier, der auch Diplomatenpässe und Staatsbürgerschaft Nicaraguas und Ugandas besitzt, ungebrochener Wertschätzung.

Sein Land habe Thaksin „wahrscheinlich Mitte 2009“ die Staatsbürgerschaft erteilt – vor Ausstellung des Interpol-Haftbefehls und „zum Nutzen der Wirtschaft“, ließ Vizepremier Igor Luksic im April in London wissen. Der Neubürger ziehe nicht nur „neue Investoren an“, sondern plane in Montenegro auch selbst Investitionen.

Herrn Thaksin Shinawatra sei mitgeteilt worden, dass er Montenegro nicht für seine politischen Aktivitäten nutzen dürfe, beteuert derweil Außenminister Milan Rocen. Thaksin sei vielmehr interessiert an „bedeutenden Projekten“ und „die Verleihung der Staatsbürgerschaft bessert das Bild Montenegros in der Welt auf“.

Tatsächlich wird der EU-Anwärter am Mittelmeer mit der Einbürgerung des umtriebigen Thaksin eher wieder seinem zweifelhaften Ruf als Eldorado für zwielichtige Geschäftsleute, Mafiosi und Geldwäscher gerecht. Schon seit langem werfen nicht nur die Oppositionsparteien, sondern auch heimische Bürgerrechtsgruppen der Regierung des langjährigen Premiers Milo Djukanovic eine allzu enge Verquickung mit der Organisierten Kriminalität vor. Enge Kontakte soll Thaksin mit der Machtclique in Podgorica pflegen.

Die Tageszeitung „Dan“ berichtet von „unbestätigten Gerüchten“, dass er sowohl zum Premier-Bruder Ace Djukanovic als auch dem von Interpol aufgrund eines serbischen Haftbefehls gesuchten Tabak-Tycoon Stanko Subotic „gute Beziehung“ pflege. Mit beiden plant der Thailänder offenbar millionenschwere Geschäfte: Montenegrinischen Medienberichten zufolge will er sowohl in die angeschlagen Prvi Bank des Djukanovic-Clans als auch in die Nobel-Insel Sveti Stefan des Wahlschweizers Subotic investieren.

Die Mittelmeer-Insel Sveti Nikola soll ihm bald gehören, 100 Millionen Euro sind für das zwei Kilometer lange und 36 Hektar große Eiland im Gespräch. Er liebe die Menschen, das Essen und das Wetter in Montenegro – und sei in ständigen Kontakt mit der thailändischen Opposition, berichtete der sonst in einer angemieteten Villa völlig abgeschottete Thaksin, als ihn heimische Reporter Ende April beim Verlassen einer Sprachschule in Podgorica endlich einmal zur Rede stellen konnten.

Doch Thaksins Sympathie-Erklärungen für sein neues Heimatland stoßen dort nicht nur auf Gegenliebe. Im Mai 2009 fragte die Anti-Korruptions-Organisation „Mans“ bei der Regierung an, aufgrund welcher Rechtsbasis das Innenministerium Thaksin die Staatsbürgerschaft erteilt habe. Eine Antwort steht bis heute aus. Mans versucht mittlerweile, von der Regierung per Gericht eine Offenlegung der Hintergründe der Einbürgerung zu erzwingen. „Leider gibt es Indizien, dass hinter der Einbürgerung private Finanz-Interessen stehen“, begründet Mans-Direktorin Vanja Calovic die Klage ihrer Organisation.

Mit der Erfolgsformel „Staatsbürgerschaft für Geld“ könne man sicherlich auch Kirgistans gestürzten Präsidenten Kurmanbek Bakijew oder andere „Investoren“ aus Kolumbien, dem Sudan oder dem Tschad ins Land locken, schreibt bitter das Wochenmagazin „Monitor“. Sarkastisch schlägt das Blatt Neubürger Thaksin gar als idealen Nachfolger für den nach eigener Auskunft amtsmüden Premier Djukanovic vor. In seiner Heimat sei der Thailänder schließlich für Machtmissbrauch im Familieninteresse verurteilt worden: „Das ist das gleiche Regierungsmodell, das hier seit 20 Jahren an der Macht ist.“

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