Runder Tisch

Katholische Kirche bietet Missbrauchs-Opfern Geld an

Die Deutsche Bischofskonferenz hat Geldzahlungen an Opfer sexuellen Missbrauchs angekündigt. Diese seien aber keine Entschädigungen.

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Die katholische Kirche bietet den Opfern sexuellen Missbrauchs eine Geldzahlung an. Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, sagte der Würzburger "Main-Post", die Kirche sei offen für eine solche Zahlung, spreche jedoch bewusst nicht von Entschädigung, sondern von der "Anerkennung erlittenen Leids". Kriterien und Größenordnungen müssten am Runden Tisch festlegt werden, den die Bundesregierung eingerichtet hat. "Das wird ein schwieriges Thema werden, aber wir müssen uns dem stellen“, sagte Ackermann.

Die Betroffenen müssten die materielle Anerkennung zunächst vom Täter erhalten, sagte Ackermann weiter. Erst danach trete die Institution ein, in der sie geschädigt wurden. Er betonte, dass die vorgeschlagene Zahlung Teil eines Gesamtkonzeptes sei, das die Kirche am Runden Tisch vorgelegt habe.

Dazu gehörten ein Präventionsfonds sowie die Übernahme von Kosten für Therapien und eine Härtefallregelung. Laut Ackermann hat die Hotline der Bischofskonferenz bis Ende November über 3500 Gespräche mit Opfern und ihren Angehörigen geführt. Dabei seien 432 Sexualdelikte benannt worden, die durch Priester oder Ordensleute begangen wurden.

Hinsichtlich der Missbrauchsfälle forderte die Reformbewegung "Wir sind Kirche" eine Debatte über Strukturveränderungen innerhalb der katholischen Kirche. "Jetzt müssen die tiefergehenden Probleme angepackt werden“, sagte Initiator Christian Weisner. Darunter fielen Machtmissbrauch, ein verkrampfter Umgang mit Sexualität und die Pflicht der Priester zum Zölibat, aber auch die fehlende Gleichberechtigung von Mann und Frau. "All diese Dinge müssen jetzt auf den Tisch“, sagte Weisner. "Diese Aufarbeitung muss sein, sonst wird der Vertrauensverlust weitergehen.“ Die Bischöfe dürften nicht hoffen, dass die Missbrauchsfälle schnell in Vergessenheit gerieten: "Da wächst kein Gras drüber.“