Irak-Reise

Dirk Niebel wehrt sich nach Regeln des Rugbys

Entwicklungsminister Niebel ist in Bagdad am Weiterflug gehindert worden, was Unmut auslöste. Er griff zur Selbsthilfe – nach Rugby-Art.

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Den gefährlichsten Teil seiner Irak-Reise hatte Dirk Niebel schon hinter sich gebracht. Unbeschadet überstand der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Fahrten vom Flughafen Bagdad ins Zentrum und zurück.

Die Route gilt als heikel: Immer wieder kommt es zu Anschlägen durch Sprengfallen oder Selbstmordattentäter. Der FDP-Politiker aber hatte sich von der für deutsche Staatsbürger geltenden Reisewarnung nicht abschrecken lassen und in der Hauptstadt Gespräche mit Staatspräsident Dschalal Talabani und Ministerpräsident Nuri al-Maliki geführt.

Die Treffen, bei denen es um die deutsche Beteiligung am wirtschaftlichen Aufbau des vom Krieg geschundenen Landes ging, sollen in „sehr konstruktiver und freundlicher Atmosphäre“ stattgefunden haben.

Tower verweigerte Starterlaubnis

Das allerdings hatte sich nicht bis zu den Sicherheitskräften am Airport herumgesprochen. Denn die behandelten den Minister vor seinem Weiterflug nach Erbil im Nordirak keineswegs freundlich. Erst musste er samt Delegation aus Wirtschaftsvertretern, Abgeordneten und Journalisten zweimal durch den Sicherheitscheck

. Dann sollten die Pässe kontrolliert werden, dummerweise waren die dafür vorgesehenen Schalter nicht besetzt. Als schließlich noch eine dritte Sicherheitskontrolle anberaumt wurde, ersetzte Niebel diplomatische Zurückhaltung durch die Regeln seines Lieblingssports: Rugby.

An der Spitze seiner Reisegruppe bahnte er sich den Weg an Bord der auf dem Rollfeld wartenden Transall. Dort erfuhr der aufgebrachte Minister, dass der Tower die Starterlaubnis verweigere – angeblich sei die Landegebühr, 2500 Dollar, nicht bezahlt worden.

„Unterirdisch“ sei eine solche Behandlung, sagte Niebel der „Bild“-Zeitung und kündigte, im Rugby-Jargon, ein „Nachspiel“ an. Tatsächlich blieben die diplomatischen Konsequenzen überschaubar: Das Büro des Ministerpräsidenten al-Maliki bedauerte den um zwei Stunden verspäteten Abflug und wünschte eine weiterhin angenehme Reise.