Ägypten

Ehemaliger Füchse-Trainer flieht nach Berlin

Jörg-Uwe Lommel, Ägyptens Handball-Nationaltrainer, coachte einst die Füchse Berlin. Wegen der unsicheren Lage in Kairo kehrte er jetzt zurück und blickt in eine ungewisse Zukunft.

Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Bereits seit Wochen beobachtet er die Situation in Kairo sehr genau: Jörg-Uwe Lommel, Ägyptens Handball-Nationaltrainer, sieht, wie sich der Frust einer jungen Generation aufstaut, wie er sich nach und nach entlädt: Autos und Mülleimer brennen, vermummte Protestanten stürmen das Regierungsviertel. Dicke Rauchschwaden steigen in Downtown auf. „Das eskaliert jetzt hier, ich muss zurück“, denkt Lommel. Als plötzlich Telefon- und Internetverbindungen gekappt werden, nimmt er den nächsten Flug zurück. Mit dreistündiger Stunden Verspätung landet Egypt Air am Sonnabend in Berlin-Schönefeld, entlässt Lommel und die anderen Passagiere auf sicheres Terrain.

Am Flughafen warten Berliner Ägypter, Palästinenser, Jemeniter. Angehörige von Urlaubern, die von ihrer Pauschalreise aus Hurghada oder Scharm el-Scheich zurückkehren. Mittendrin: Franca Lommel, die versucht, den zwanzig Monate alten Sohn Leander zu beruhigen. Dann öffnet sich die Tür, sie schließt ihren Ehemann in die Arme.

Seit 2009 lebt der ehemalige Trainer der Handballer von Füchse Berlin in Kairo. Er hat einen Drei-Jahres-Vertrag mit Ägypten, soll den Handballnachwuchs zum nächsten Sieg führen. Jetzt blickt Lommel in eine ungewisse Zukunft. „Ich hoffe, dass das Land nicht im Chaos versinkt“, sagt er. Er ist sich nicht sicher, wie es weiter geht, er würde gerne sagen, dass alles gut wird. Doch da sind diese Eindrücke der letzten Tage: „Die Stadtpolizei ist zerschlagen, das Militär dominiert das Straßenbild“, sagt er. Panzer rollen durch die Stadt, mit bewaffneten Männern an Bord.

„Ich wünsche es dieser Jugend sehr, dass die Zeiten bald besser werden“, sagt er. Die letzten Monate hatte Lommel viel mit jungen Ägyptern zu tun. Das Frustpotenzial sei immens, wegen der wirtschaftlich schlechten Aussichten. „Es sind vor allem die gut ausgebildeten Studenten, die sich wehren“, sagt er. Eine an Facebook orientierte Generation, die auf demokratische Länder schaut. „Sie sind weniger religiös und sie wollen mehr Chancengleichheit“, sagt Lommel.

In Berlin landen auch Gabriele und Sven Zedlick. Das Ehepaar war mittendrin, als die Situation in Luxor eskalierte. Nach dem Mittagsgebet, berichten sie, entschlossen sich die Regimegegner zum Angriff. „Wir sahen die Protestbarrikaden, niemand kam mehr nach Luxor rein“, sagte Sven Zedlick. „Ich hatte Angst, dass einer querschießt“, fügt seine Frau an. Über Schleichwege durch die Wüste ging es zurück ins Hotel.

Wichtige Telefonnummern für Reisende

Für Touristen wird die Lage in Ägypten immer unübersichtlicher. Wer sich informieren will, kann das in der Regel im Internet, aber auch über eigens geschaltete Telefon-Hotlines tun. Nachstehend die wichtigsten Nummern und Links.

Die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes im einzelnen stehen hier.

Die Reiseunternehmen haben ihrerseits Sonderinformationen ins Netz gestellt und Telefonservice eingerichtet.

TUI – Telefon-Hotline 0511-567-8000, im Internet

REWE-Touristik, Jahn Reisen, Tjaereborg – Tel. 02203-42800 (Mo-Fr 9-20 Uhr, Sa/So 9-18 Uhr), im Internet

Lufthansa – Tel. 01805-805-805 (0,14 bis 0,42 Euro/Minute), im Internet

Air Berlin – Tel. 01805-737-800 (0,14 bis 0,42 Euro/Minute), im Internet