Ägypten

Auswärtiges Amt zögert mit Reisewarnung

Während die Regierungen mehrerer Länder ihre Bürger von Reisen nach Ägypten abraten, zögert das Auswärtige Amt in Berlin damit und kann sich derzeit nur zu einzelnen Hinweisen durchringen.

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Trotz starker Militärpräsenz auf den Straßen in der Hauptstadt Kairo demonstrieren die Ägypter weiter.

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Die US-Regierung und etliche EU-Staaten wie Frankreich, Österreich, Belgien und Luxemburg haben entschlossen auf die Eskalation der Gewalt reagiert – und gaben für Ägypten formale Reisewarnungen heraus. Das Auswärtige Amt in Berlin dagegen hält sich zurück.

Unnötige Reisen in das Land müssten verschoben werden, wer sich bereits in dem Land befinde, solle dringend zu Hause oder im Hotel bleiben, riet unmissverständlich das US-Außenministerium. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn rief seine Landsleute sogar persönlich im Radio dazu auf, jetzt nicht nach Ägypten zu reisen. „Die Situation ist vergleichbar mit der in Tunesien vor zwei Wochen“, sagte er dem Sender DNR. „Die Lage in Ägypten ist dabei zu eskalieren. Deshalb empfehle ich Luxemburgern wärmstens, bis auf Weiteres von Reisen nach Ägypten abzusehen.“

Im Auswärtigen Amt sah man die Lage nicht so dramatisch. „Grundsätzlich werden nur dann Reisewarnungen ausgesprochen, wenn mit einer akuten Gefahr für Leib und Leben gerechnet werden muss“, sagte eine Sprecherin. „Die Demonstrationen in den großen Städten richten sich aber nicht gegen Touristen.“ Zudem sei die Situation in beliebten Urlaubsregionen wie Hurghada, Marsa Alam und Scharm el-Scheich „weiterhin ruhig“. Deshalb belasse das Auswärtige Amt es derzeit bei einem sogenannten Reisehinweis, der aber permanent der Lage vor Ort angepasst werde.

Und so hieß es erst einmal: „Von Reisen nach Kairo, Alexandria und Suez sowie in die urbanen Zentren im Landesinnern mit Ausnahme der Tourismusgebiete am Roten Meer wird derzeit abgeraten. Reisenden in Ägypten wird dringend empfohlen, Menschenansammlungen und Demonstrationen weiträumig zu meiden und die örtliche Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen.“

Damit besteht für deutsche Touristen kein Anspruch, eine Ägypten-Reise kostenlos umzubuchen oder gar zu stornieren. Im Umfeld der Regierung wird darauf hingewiesen, dass es einen solchen Anspruch auch bei einer offiziellen Reisewarnung nicht gibt. Es habe sich nur in der Praxis so entwickelt, dass deutsche Tourismuskonzerne dann unter Verweis auf eine „höhere Gewalt“ Reisen aus Kulanz kostenlos stornierten.

Den CDU-Tourismusexperten Jürgen Klimke überzeugt diese Argumentation nicht. „Es ist nicht einzusehen, warum Touristen aus Österreich oder Luxemburg formal davor gewarnt werden, eine Reise nach Ägypten anzutreten, jene aus Deutschland aber nicht“, sagte Klimke. „Offenbar wurde bislang versäumt, hier in der EU zu einer gemeinsamen Abstimmung zu finden – aus meiner Sicht ist das aber dringend nötig“, sagte der Bundestagsabgeordnete, der Mitglied des Auswärtigen Ausschusses ist. Er werde das Auswärtige Amt jetzt auffordern, bis zur nächsten Sitzung des Gremiums einen „Sofortbericht“ zur EU-weiten Abstimmung der Reisewarnung anzufertigen.

Die großen Touristikanbieter TUI, Thomas Cook und Rewe Touristik bieten ihren Kunden bereits aus freien Stücken an, Ägypten-Reisen kostenlos umzubuchen. Das gilt zunächst für alle Reisen bis Anfang Februar. TUI bot Reisenden mit Ziel Kairo, wo inzwischen Hotels gestürmt wurden, an, die Reisen gebührenfrei zu stornieren. TUI und Rewe strichen zudem alle Tagesausflüge in die Landeshauptstadt Kairo bis Anfang Februar. Bei Nil-Kreuzfahrten würden im Anschluss vorgesehene Aufenthalte in Kairo durch solche am Roten Meer ersetzt, hieß es.

Reisen der großen Anbieter in die klassische Urlaubsregion am Roten Meer finden aber „ohne Beeinträchtigungen“ statt. „Die dortigen Gäste verbringen einen sicheren Urlaub“, hieß es bei Thomas Cook.

Wichtige Telefonnummern für Reisende

Für Touristen wird die Lage in Ägypten immer unübersichtlicher. Wer sich informieren will, kann das in der Regel im Internet, aber auch über eigens geschaltete Telefon-Hotlines tun. Nachstehend die wichtigsten Nummern und Links.

Die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes im einzelnen stehen hier.

Die Reiseunternehmen haben ihrerseits Sonderinformationen ins Netz gestellt und Telefonservice eingerichtet.

TUI – Telefon-Hotline 0511-567-8000, im Internet

REWE-Touristik, Jahn Reisen, Tjaereborg – Tel. 02203-42800 (Mo-Fr 9-20 Uhr, Sa/So 9-18 Uhr), im Internet

Lufthansa – Tel. 01805-805-805 (0,14 bis 0,42 Euro/Minute), im Internet

Air Berlin – Tel. 01805-737-800 (0,14 bis 0,42 Euro/Minute), im Internet