Tote und Verletzte

Anschlag an Flughafen Moskau - drei Verdächtige

Mindestens 30 Menschen sind bei einem Anschlag am Moskauer Flughafen ums Leben gekommen, Dutzende verletzt worden. Die Polizei sucht bereits drei verdächtige Männer. Der russische Präsident kritisierte in einer ersten Reaktion zu laxe Sicherheitsvorschriften.

Nach dem Selbstmordanschlag mit mindestens 30 Toten auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo suchen die russischen Sicherheitskräfte nach drei verdächtigen Männern. Der Selbstmordattentäter stammt vermutlich aus dem Konfliktgebiet Nordkaukasus, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf Sicherheitskreise. Im Nordkaukasus liefern sich Terroristen, kriminelle Banden und kremltreue Einheiten fast täglich Gefechte. Islamisten haben immer wieder gedroht, den Terror auch in die russische Hauptstadt zu tragen.

Auch der Russische Präsident Dimitri Medwedew sprach von einem terroristischen Anschlag. Die Behörden bestätigten nach Angaben der Agentur Interfax, dass die Detonation am Montag eine Sprengkraft von mindestens sieben Kilogramm TNT gehabt habe. Die Explosion ereignete sich gegen gegen 14.30 Uhr MEZ.

Medwedew sagte kurz nach dem Anschlag, diejenigen, die dahinter steckten, würden gefasst und bestraft. Medwedew kam kurz nach dem Anschlag zu einem Krisentreffen mit dem Chef der russischen Ermittlungsbehörden, dem Generalstaatsanwalt und dem Transportminister Igor Levitin. Seine Reise zum Weltwirtschaftsforum nach Davos verschob der Präsident.

Die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete unter Berufung auf Sicherheitskreise 31 Tote und 130 Verletzte. Die Agentur Interfax berichtet ebenfalls von 31 Toten. Medienberichten zufolge hat sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Die Behörden bestätigten nach Angaben von Interfax den Terroranschlag. Die Verletzten wurden in verschiedene Krankenhäuser gebracht.

Die Detonation habe sich an der Gepäckausgabe im internationalen Ankunftsbereich des Flughafens ereignet, berichtete Interfax unter Berufung auf die Polizei. Augenzeugen berichteten von grauenhaften Szenen am Flughafen Domodedowo. „Es gab eine Explosion. Dann habe ich einen Polizisten gesehen, der mit Körperteilen und Blut bedeckt war“, sagte ein Mann dem Radiosender Russkaja Sluschba Nowostei. Der Beamte habe nur geschrien: „Ich habe überlebt, ich habe überlebt.“

Ein weiterer Augenzeuge sagte der BBC, zum Zeitpunkt der Explosion seien Tausende Menschen in dem Terminal gewesen. Sie seien aus dem Gebäude geströmt, einige seien blutverschmiert gewesen. „Ein Mann hatte zerrissene Jeans an, zwischen der Leiste und dem Knie war sein Oberschenkel blutüberströmt.“ Ein weiterer Zeuge berichtete dem Sender Rossija 24 von schreienden Menschen und herunterfallenden Plastikpaneelen. Rettungskräfte hätten blutende Menschen aus dem Gebäude getragen.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte am Montag in Berlin, es gebe noch keine verlässlichen Angaben zur Herkunft der Toten und Verletzten, aber auch keine Hinweise auf deutsche Opfer. Mitarbeiter der deutschen Botschaft seien aber bereits am Flughafen und im Kontakt mit den russischen Behörden. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte den Anschlag: „Dieser barbarische Akt ist durch nichts zu rechtfertigen“, sagte Westerwelle in Berlin. „Wir empfinden tiefes Mitgefühl mit den Angehörigen und Freunden der Opfer.

Russland ist in Alarmbereitschaft

Medwedew ordnete nach dem Anschlag für die Verkehrsknotenpunkte im ganzen Land Alarmbereitschaft an. Auf Flughäfen und Bahnhöfen gelte von sofort an die erhöhte Sicherheitsstufe, sagte er im Staatsfernsehen. Zugleich kritisierte er, dass offenbar zu laxe Sicherheitsvorkehrungen zu dem Anschlag geführt hätten. Er teilte mit, dass die Sicherheitsvorkehruengen an großen Drehkreuzen verschärft würden.

Auch Landungen von Maschinen aus Deutschland wurden zunächst nicht erlaubt. Die deutschen Gesellschaften Air Berlin und Lufthansa fliegen den Airport an. In Berlin wurde am Nachmittag ein Flug vom Airport Domodedowo erwartet, am späten Abend sollte ein Flug direkt nach Moskau gehen. Die Sprecherin der Fluggesellschaft Air Berlin, Tina Birke, sagte Morgenpost Online, etwa zum Zeitpunkt des Anschlags seien in Moskau vier Air-Berlin-Maschinen aus Berlin, Wien, München und Düsseldorf gelandet. Alle seien relativ pünktlich wieder gestartet und in der Luft. Die Berliner Maschine wird gegen 19.05 in Tegel erwartet. Zurzeit gibt es keine Hinweise, dass Passagiere von Air Berlin von dem Anschlag betroffen sind. Eine in Düsseldorf gestartete Maschine der Lufthansa musste auf halber Strecke umkehren. Die Maschine hatte 59 Passagiere an Bord, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Montag. Sie sei bereits sicher in Düsseldorf gelandet.

Auch die Polizei in Moskau ist nun in erhöhter Alarmbereitschaft, die Sicherheitsvorkehrungen in der U-Bahn verstärkt, wie mehrere Agenturen berichteten. In Moskau hatten tschetschenische Selbstmordattentäterinnen im vorigen Jahr in der Moskauer Metro 40 Menschen in den Tod gerissen. Der russische Aktienindex MICEX fiel nach Bekanntwerden des Anschlags um fast zwei Prozent .

Der internationale Flughafen Domodedowo ist der modernste und größte Airport der russischen Hauptstadt Moskau. Im Jahr 2009 wurden hier 18,7 Millionen Passagiere abgefertigt. Nach Angaben der Eigentümer-Gruppe East Line wird Domodedowo im Osten der Zehn-Millionen-Metropole gegenwärtig von 77 Airlines angeflogen, 36 davon sind ausländische Fluggesellschaften. Außerdem gibt es in Moskau die beiden anderen internationalen Flughäfen Scheremetjewo und Wnukowo. In den vergangenen Jahren wechselten mehrere internationale Airlines zu dem komplett renovierten Airport Domodedowo. Wie bei den beiden anderen Flughäfen gibt es eine Direktanbindung per Schnellzug, mit der Reisende die Moskauer Innenstadt in 40 Minuten erreichen können.

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