Fehmarnbelt

Dänen bauen längsten Tunnel der Welt

Die geplante Röhre durch die Ostsee verkürzt die Fahrzeit zwischen Kopenhagen und Hamburg deutlich - harte Konkurrenz für die Fährgesellschaften. Und auch Anlieger sind von dem Mammutprojekt zwischen Rødby und Puttgarden nicht begeistert.

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Oben oder unten – diese Frage ist nun geklärt. In Dänemark gibt es eine politische Mehrheit dafür, eine Tunnellösung für die Fehmarnbeltquerung zu wählen. Das meldete der öffentlich-rechtliche Rundfunk Danmarks Radio (DR) nach einer Anhörung in der Nähe der künftigen Baustelle. „Wir sehen bei der Tunnellösung entscheidende Vorteile, was Umweltschutz, Sicherheit und Bau angeht“, so Ajs Dam, Sprecher von Femern A/S, dem Unternehmen, das indirekt zum dänischen Transportministerium gehört und Bau und Betrieb der Fehmarnbeltquerung abwickelt.

In zehn Jahren soll der derzeitige Fährverkehr zwischen dem dänischen Rødby und Puttgarden auf der deutschen Insel Fehmarn durch einen 17,6 Kilometer langen Tunnel ersetzt werden. Fahrten zwischen Hamburg und Kopenhagen sollen sich ab 2020 um eine Stunde verkürzen. Statt gigantischer Brückenpfeiler über den Fehmarnbelt wollen die Skandinavier damit den längsten Absenktunnel der Welt mit vorgefertigten Betonröhren bauen: Jeweils 5200 Meter lang und mit 70.000 Tonnen so schwer wie ein Tankschiff sind die Elemente.

Der Verkehrsausschuss des dänischen Parlaments tritt in der kommenden Woche zusammen, um eine entsprechende Absichtserklärung zu verabschieden. Weil Dänemark für die Finanzierung steht, hat Deutschland kein Mitspracherecht. Die endgültige formelle Entscheidung über das 5,1-Milliarden-Euro-Bauprojekt wird aber erst nach der Umweltverträglichkeitsprüfung im Frühjahr 2013 getroffen, bei der auch Deutschland mitreden darf. Doch es ist unwahrscheinlich, dass dann doch die Brücke statt Tunnel gewählt wird. „Wenn der Tunnel erst einmal gebaut ist, dauert es nur zwei Jahre, und dann ist der Meeresboden wieder wie vorher. Längerfristig hat der Tunnel anders als die Brücke keine Auswirkungen auf die Meeresbiologie und die Vogelwelt“, so Dam.

Durch die feste Fehmarnbeltquerung wird Deutschland und damit auch der zentraleuropäische Markt für Exporteure aus Dänemark und Schweden deutlich einfacher zu erreichen sein als bisher. Noch müssen die Lkws, um von Kopenhagen oder Südwestschweden etwa nach Hamburg zu kommen, entweder die wegen zweier Brücken mit Maut teure und rund 160 Kilometer längere Verbindung über das dänische Festland und Flensburg wählen oder den Fehmarnbelt mit der Fähre queren. Der Tunnel bedeutet harte Konkurrenz für die Fährgesellschaft Scandlines, deren Haupteinnahmequelle derzeit der Betrieb der Verbindung über den Fehmarnbelt ist. Scandlines war 2007 vom dänischen und deutschen Staat an eine Investorengruppe verkauft worden.

Auf der Insel Fehmarn gibt es heftigen Protest gegen die feste Querung. Die Bürger haben Angst um die Umwelt und fürchten, dass die Autofahrer wegen der Fahrtzeitverkürzung nun erst recht nicht auf der Insel Pause machen, sondern diese nur durchqueren, statt dem Tourismus Umsatz zu bescheren. So kämpfen zahlreiche Organisationen im „Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung e.V.“ gegen den Bau.

mit dpa