Ostsee

Fehmarnbelt-Brücke ist für Dänemark wichtiger

Bis 2018 soll eine Brücke Deutschland und Dänemark verbinden. Das finanzielle Risiko für den rund 5 Milliarden Euro teuren Bau trägt allein der dänische Staat. Er wird deshalb auch Eigentümer der Verbindung.

Foto: DPA

Nach jahrelangen Diskussionen haben sich die deutsche und die dänische Regierung darauf geeinigt, dass eine Brücke über den Fehmarnbelt gebaut werden soll, um Norddeutschland besser mit Kopenhagen und Südschweden zu verbinden. Die Verbindung soll 2018 öffnen und Zügen und Autos erlauben in gut zwanzig Minuten von Puttgarden auf der deutschen Insel Fehmarn nach Rødby auf der dänischen Seite zu fahren. Bisher werden die beiden Städte nur durch eine Fähre der Reederei Scandlines verbunden, die Überfahrt dauert rund 45 Minuten.

„Diese völkerverbindende Brücke soll nicht nur die Fahrzeit zwischen Kopenhagen und Hamburg deutlich verkürzen, sie hat auch für die gesamteuropäischen Transportwege einen großen Stellenwert. Deswegen ist das heute auch ein guter Tag für Europa“, sagte der deutsche Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee in Berlin. Sein dänischer Amtskollege Flemming Hansen äußerte sich noch enthusiastischer: „Das ist ein großer Sieg für die dänische Regierung“; sagte er. „Ich bin sehr stolz darüber, dass es gelungen ist, über ein so visionäres internationales Projekt einig zu werden.“ Für Dänemark ist der Brückenbau stets wichtiger gewesen als für Deutschland.

Das finanzielle Risiko für den rund 5 Milliarden Euro teuren Brückenbau trägt allein der dänische Staat, der mit

Staatsgarantien die komplette Finanzierung der eigentlichen Brücke absichert und deshalb Eigentümer der Brücke sein wird. Die Kosten sollen durch Mautgebühren wieder eingespielt werden. Die beiden Länder wollen für den Bau einen Zuschuss durch die Europäische Union beantragen, die 20 Prozent der gesamten Kosten übernehmen könnte. Deutschland steht nur für die Hinterlandanbindung auf deutscher Seite, die auch aus EU-Mitteln co-finanziert werden soll. Es ist geplant, bis zur Eröffnung der Brücke die Autobahn E 47 zwischen Heiligenhafen (Nord) und Puttgarden vierspurig auszubauen und die bestehende eingleisige Bahnstrecke nach Puttgarden zu elektrifizieren, bis 2025 soll ein weiteres Gleis gebaut werden. Viele Bewohner der Insel Fehmarn, auf der Puttgarden liegt, fürchten um die Naturlandschaft der Insel und den Tourismus, wenn die Brücke gebaut wird.

Die Exportindustrie Dänemarks verspricht sich davon, dass die Strecke von Kopenhagen nach Deutschland auf dem Landweg zukünftig um 160 Kilometer schrumpft einen erheblichen Vorteil. HTS, die dänische Vereinigung der Unternehmen aus dem Handels- und Dienstleistungssektor, hat denn auch nichts dagegen einzuwenden, dass die dänische Seite bei der Finanzierung höhere Garantien leisten muss. „Es handelt sich um eine wirklich gute Investition, die auf einem soliden ökonomischen Fundament aufbaut, wo die Nutzer der Brücke die gesamte Investition zahlen. Deshalb ist es eine kluge Entscheidung, dass Dänemark die Schuldgarantie für die ganze Brücke übernommen hat. Die gesamtgesellschaftlichen Gewinne durch die Brücke sind sehr groß und je eher wir die Brücke bekommen können, desto schneller können wir von den ganzen Vorteilen profitieren“, so Michael Svane, für die Wirtschaftspolitik des Verbandes zuständiger Direktor von HTS.

Dänemark hat Erfahrung im Brückenbau

Dänemark erwirtschaftet derzeit solide Haushaltsüberschüsse und hat die Verschuldung in den vergangenen Jahren drastisch reduziert. Eine Staatsgarantie wie die für die Fehmarnbrücke wird deshalb auch von der Bevölkerung nicht als allzu große Bürde gesehen.

Zudem hat Dänemark sehr positive Erfahrungen mit der Brücke über den Öresund gemacht, die Kopenhagen mit dem benachbarten schwedischen Malmö verbindet. Nachdem die im Sommer 2000 eröffnete Brücke zunächst nicht so gut genutzt wurde, wie erwartet, hat das Bauprojekt mittlerweile dazu geführt, dass die zwei Städte nahezu zu einem Wohnungs- und Arbeitsmarkt zusammengewachsen sind. Viele Dänen sind nach Schweden gezogen, um der hohen Einkommensteuer von bis zu 63 Prozent in ihrem Land zu entkommen und die günstigeren Immobilienpreise in Malmö zu nutzen. Gleichzeitig pendeln zahlreiche Schweden jeden morgen nach Kopenhagen, weil es dort mehr und besser bezahlte Jobs gibt. Rund 14 000 Pendler benutzen mittlerweile täglich die Öresundbrücke, dazu kommen Transportfahrten und Reisende. Alleine mit dem Zug queren jeden Tag 20 000 Menschen die Meerenge. Kritiker weisen allerdings daraufhin, dass eine Brücke über den Fehmarnbelt ein solches Potenzial nicht habe, weil Kopenhagen und Hamburg immer noch über 300 Kilometer voneinander entfernt sind, denn die Brücke verbindet die Kleinstädte Rødby und Puttgarden, nicht die Metropolen.

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