Ostsee

Brücke über Fehmarnbelt soll gebaut werden

Rund anderthalb Jahrzehnte war über die riesige Brücke über den Fehmarnbelt diskutiert worden. Jetzt haben sich Deutschland und Dänemark auf den Bau der Verbindung in Richtung Kopenhagen geeinigt. Kritiker bezeichnen das aber als Luftnummer.

Foto: ua hpl / DPA

Deutschland und Dänemark haben sich auf den Bau einer Brücke über den Fehmarnbelt geeinigt. Das meldete die dänische Nachrichtenagentur Ritzau. Das sei das Ergebnis eines Treffens von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und seinem dänischen Amtskollegen Flemming Hansen in Berlin. Die 19 Kilometer lange Brücke zwischen Puttgarden auf der Ostseeinsel Fehmarn und Rødby auf der dänischen Insel Lolland soll 5,5 Milliarden Euro kosten. Über den Bau war anderthalb Jahrzehnte diskutiert worden. Baubeginn könnte 2010, Fertigstellung 2015 sein.


Über die Meerenge zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland führt mit rund 20 Kilometern der kürzeste Weg zwischen Skandinavien und dem kontinentalen Westeuropa. Der Fehmarnbelt unterbricht die direkte Landverbindung zwischen dem Großraum Kopenhagen/Südschweden im Norden sowie der Region Hamburg/Lübeck im Süden. Hier sind im Halbstunden-Rhythmus auf der so genannten Vogelfluglinie Fähren im Einsatz, die für eine Überfahrt jeweils 45 Minuten benötigen.


Über den Bau der festen Querung wurde seit anderthalb Jahrzehnten diskutiert. Das Vorhaben wurde 2005 auch in die Koalitionsverträge auf Landes- und Bundesebene aufgenommen. Die ungeklärte Finanzierung hatte bisher trotz zahlreicher Treffen eine positive Entscheidung verhindert.




Positive Reaktionen aus Schleswig-Holstein


Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU) bezeichnete die Einigung zwischen Dänemark und Deutschland als „Durchbruch für das größte Infrastrukturprojekt Nordeuropas“. Wie Austermann nach dem entscheidenden Treffen mit seinem dänischen Amtskollegen Flemming Hansen und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) in Berlin sagte, sei der Erfolg nach jahrzehntelanger vergeblicher Planung vor allem der Unterstützung der beiden großen Koalitionen in Berlin und Kiel zu verdanken. „Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Ministerpräsident Peter Harry Carstensen haben äußerst zielstrebig auf dieses positive Verhandlungsergebnis hingewirkt.“

Laut Austermann wird der Bund unter Beteiligung von Schleswig- Holstein die Kosten für die Hinterlandanbindung auf deutscher Seite übernehmen, während Dänemark die finanzielle Verantwortung für die Brücke selbst und die Hinterlandanbindung auf dänischer Seite übernimmt und dies aus den Maut-Einnahmen finanziert.

Nach Erwartung Austermanns bringt die Brücke erhebliche wirtschaftliche Vorteile für Schleswig-Holstein und den gesamten norddeutschen Raum. „Allein die voraussichtlich siebenjährige Bauzeit der Brücke wird rund 2000 Arbeitsplätze entstehen lassen und langfristig zur Ansiedlung von neuen Gewerbegebieten und damit weiteren Arbeitsplätzen entlang der neuen Trasse führen“, sagte Austermann. Durch die künftige Neuausrichtung des Skandinavien- Verkehrs erwarte er auch erhebliche positive Impulse für den Tourismus in Schleswig-Holstein.

Die Regierungen Schleswig-Holsteins und Dänemarks sowie die Wirtschaft in beiden Ländern hatten den Brückenbau gefordert. Wegen des deutlich geringeren deutschen Interesses erklärte Dänemark sich zur Übernahme der kompletten Baukosten bereit. Naturschützer und ein Großteil der Bewohner Fehmarns lehnen eine feste Querung dagegen ab. Sie haben ökologische Bedenken und die Sorge, dass die Insel Urlauber verlieren könnte. Zudem befürchtet die Fährwirtschaft in Schleswig- Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Einbußen.

Naturschützer lehnen das Projekt ab

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bezeichnete das Ministertreffen allerdings als Luftnummer. Die dänische und deutsche Regierung könnten sicherlich eine politische Willensbekundung für den 5,5 Milliarden teuren Bau einer festen Querung über den Fehmarnbelt äußern. Eine Entscheidung sei deswegen noch lange nicht gefallen. Die politisch Beteiligten könnten zwar das Verfahren anschieben, im Endeffekt mangele es ihnen aber schlichtweg an Mitteln, das Projekt ohne die Beteiligung anderer Behörden wie dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) auch umzusetzen zu können. Das BfN sei bisher noch überhaupt nicht in die Planungen mit einbezogen worden und wolle zunächst alle Optionen für die Verbindung zwischen Fehmarn und Rödby eingehend prüfen. Zudem sei für die internationale Seegewässer die Seeschifffahrtsorganisation IMO zuständig.

Der Nabu lehnt das Projekt unter anderem mit Verweis auf ein erhöhtes Kollisionsrisiko für Tanker und den damit verbundenen ökologischen Risiken für die Ostsee ab. “Wir werden jede Möglichkeit ausnutzen, um das aberwitzige Projekt mit juristischen Mitteln zu verhindern“, sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

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