Kommentar

Warum Sarrazins Entmachtung richtig war

Für Bargeld ist Thilo Sarrazin bei der Bundesbank künftig nicht mehr zuständig. Diese Konsquenz zog der Bankvorstand aus Sarrazins Skandal-Interview. Das war die richtige Entscheidung, meint Christine Richter - zumal Sarrazin sich auch gegenüber der Bundesbank schon mehr als diese eine Entgleisung geleistet hat.

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Zum ersten Mal bekommt er die Folgen seiner provokanten, häufig menschenverachtenden Sprüche zu spüren: Seit Dienstag ist Thilo Sarrazin, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Bundesbank, nicht mehr für drei Bereiche, sondern nur noch für Informationstechnologie und Risiko-Controlling zuständig.

Den wichtigsten, also die Zuständigkeit für die Bargeldversorgung des Landes, hat der gesamte Bankvorstand ihm entzogen. Eine richtige Entscheidung, zumal mehr nach den Regeln der Bundesbank nicht drin war. Entlassen nämlich kann der Vorstand des Geldinstituts keines seiner Mitglieder, das kann nur die Politik.


Viel ist in den letzten Wochen seit der Veröffentlichung von Sarrazins Interview in der Zeitschrift "Lettre International" gesagt, geschrieben und diskutiert worden. Wer Sarrazin aus seinen sieben Jahren als Finanzsenator in Berlin kennt, weiß, dass sich dieser Mann ohne wohl kalkulierte Provokationen nicht wohlfühlt. Mal äußerte er sich abfällig über Beamte, dann über die Berliner im Allgemeinen, am liebsten jedoch über Hartz-IV-Empfänger und nun also auch noch über Ausländer. Man mag es wenden, wie man will: Auch wenn er etliche Probleme bei der Integration von Migranten zutreffend benannt hat, so waren seine jüngsten Äußerungen doch diskriminierend und so pauschal, dass man sie nicht als "typischen Sarrazin" wegwischen oder ignorieren konnte. Erst recht nicht die Deutsche Bundesbank. Das nationale Institut ist weltweit tätig und zu seinem Geschäft zählt auch Diskretion und Taktgefühl. Nicht gerade die Stärken Sarrazins. Der Schaden, den der ehemalige Berliner Senator angerichtet hat, ist international entsprechend groß.

Für Bankchef Axel Weber gab es aber noch mehr Gründe, Sarrazin, der erst seit Mai Mitglied im Vorstand ist, zu maßregeln. Zum einen, weil der SPD-Politiker dem Magazin "Stern" ein Interview gab, das erst nach seinem Amtsantritt in Frankfurt am Main veröffentlicht wurde. Man ahnt es: Es ging einmal mehr gegen Hartz-IV-Empfänger. Zum anderen, weil Sarrazin sich schlicht nicht so verhält, wie es seiner neuen Position angemessen ist. Dazu zählt, dass man nicht vor Amtsantritt öffentlich ein bestimmtes Ressort für sich beansprucht - wie es Sarrazin getan hat, der in der Bundesbank gerne den wichtigen Bereich "Internationale Beziehungen" übernehmen wollte und dies zum Ärger von Weber auch kundtat. Dazu zählt, dass man öffentlich nicht die Prognosen des eigenen Instituts infrage stellt - auch gegen dieses Gebot verstieß der 64-Jährige. Und schließlich gilt es, Interviews, deren Veröffentlichung der Vorstandschef ablehnt, nicht doch freizugeben. Sarrazin hat diese gut gemeinte Warnung ignoriert und als Zensur verstanden.

Thilo Sarrazin ist für seine neue Situation also selbst verantwortlich. Er, der als Finanzsenator sieben Jahre lang Verantwortung in Berlin getragen hat, hat sich mit seinen Äußerungen über Migranten selbst geschadet, aber besonders auch der Debatte über Integration. Während Klaus Wowereit, als Regierender Bürgermeister Chef von Sarrazin, diesen stets gewähren ließ, hat Weber nun Konsequenzen gezogen. Ihm gebührt das Lob.