Nach Interview-Skandal

Bundesbankchef plant Sarrazin-Entmachtung

Für Berlins Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin wird es nach seinen umstrittenen Aussagen über Migranten immer enger. Sein jetziger Arbeitgeber, die Bundesbank, hatte ihm bereits den Rücktritt nahe gelegt. Doch Sarrazin verweigert dazu weitere Erklärungen. Nun soll er wichtige Zuständigkeiten als Bundesbankvorstand verlieren.

Foto: ddp / ddp/DDP

Bundesbankpräsident Axel Weber will nach Informationen von Morgenpost Online dem umstrittenen Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin wesentliche Kompetenzen entziehen. Eine Vorlage für die Sitzung des Bundesbank-Vorstandes am Dienstag sehe vor, dass Sarrazin die Zuständigkeit für Bargeldumlauf und Risiko-Controlling verliert. Das vertrauliche Schreiben ist den Bundesbank-Vorstandsmitgliedern am Dienstag zugegangen. Sarrazin wird demnach nur noch für den Bereich Informationstechnologie verantwortlich bleiben.

Bereits kurz nach Bekanntwerden abfälliger Äußerungen des früheren Berliner Finanzsenators über Ausländer hatte Weber Sarrazin den Rücktritt aus dem Vorstand der Bundesbank nahegelegt. Sarrazin lehnte diesen Schritt ab.

In einem Ende September erschienenen Interview über Berlins wirtschaftliche Zukunft hatte der Sozialdemokrat Sarrazin unter anderem gesagt: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ Die Berliner Staatsanwaltschaft überprüft nach Aussage eines Sprechers, ob Sarrazin mit seinen Äußerungen die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten hat.

Er werde am Montag wie üblich in seinem Büro in Frankfurt am Main arbeiten, wo ein Stapel von Akten auf ihn warte, sagte Sarrazin am Freitag nach einem Auftritt bei einem Kongress in Berlin. Der Zentralrat der Juden in Deutschland warf ihm wegen der abwertenden Äußerungen Nähe zum Nationalsozialismus vor.

„Ich habe den Eindruck, dass Sarrazin mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler große Ehre erweist“, sagte der Generalsekretär des Zentralrates, Stephan Kramer. „Er steht in geistiger Reihe mit den Herren.“ Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, forderte mehrfach den Rücktritt Sarrazins von seinem Posten.

.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen