Israel

Papst richtet klare Worte an Holocaust-Leugner

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Mit eindrücklichen Worten hat Papst Benedikt XVI. in Israel davor gemahnt, den Holocaust zu verharmlosen. Während seines Besuches in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem sprach er das tiefe Mitgefühl der Katholiken für die Opfer aus. Auf die Rolle der Kirche während der Judenvernichtung zur NS-Zeit ging er allerdings nicht ein.

„Mögen die Namen dieser Opfer niemals ausgelöscht werden! Mögen ihre Leiden niemals geleugnet, heruntergespielt oder vergessen werden“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirchen heute während seines Besuches der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem. Benedikt rief außerdem zu einem weltweiten Kampf gegen den Antisemitismus sowie einer friedlichen Lösung des Nahost-Konfliktes auf. Anders als von vielen Juden erhofft, ging der deutsche Papst jedoch nicht auf die Rolle der Kirche während der Judenvernichtung zur NS-Zeit ein.

Im Januar hatte die Aufhebung der Exkommunikation von vier traditionalistischen Bischöfen, zu denen auch der Holocaust-Leugner Richard Williamson gehört, das Verhältnis des Vatikans zu Israel schwer belastet.

Der Besuch in Jad Vaschem zählte zu den heiklen Höhepunkten der einwöchigen Reise ins Heilige Land. Im historischen Museum der Gedenkstätte, das Benedikt nicht besuchte, wird sein Vorgänger Pius XII. (Papst von 1939 bis 1958) als Oberhirte dargestellt, der nicht genügend gegen die Judenverfolgung getan hat.

Benedikt verfolgte die Zeremonie tief ergriffen und in sich gekehrt. Er entzündete die ewige Flamme, sprach mit sechs Holocaust-Überlebenden und legte einen Kranz mit gelb-weißen Blumen an jener Stelle nieder, an der die Asche von ermordeten Juden aufbewahrt wird. „Mögen alle Völker guten Willens wachsam bleiben, indem sie aus dem Herzen der Menschen das tilgen, was zu solchen Tragödien führen könnte“, sagte der Pontifex.

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, äußerte sich „vorsichtig optimistisch“ zum Papst-Besuch in Israel. Er hoffe, dass Benedikt „die offenen Wunden“ heile, die der Vatikan in jüngster Zeit aufgerissen habe. Es wäre beispielsweise ein „positives Zeichen“, wenn sich der Papst „für die Verfolgung der Juden durch die Kirche entschuldigen würde“. Aus Sicht von Kramer ist der Papst nicht wie von diesem immer wieder betont auf einer „Pilgerreise“ im Heiligen Land, sondern auf einer „hoch politischen Tour“.

Schwierige Klippe

Benedikt umschiffte gleich zu Beginn seines fünftägigen Aufenthaltes eine politisch schwierige Klippe. Er sprach sich nicht direkt für einen unabhängigen Palästinenserstaat aus, sondern plädierte dafür, dass „beide Völker in Frieden in ihrer jeweiligen Heimat innerhalb sicherer und international anerkannter Grenzen leben können“. Er bete täglich für „eine Rückkehr des Friedens und der Gerechtigkeit ins Heilige Land und die ganze Region“, sagte der Papst. „Frieden ist ein wirkliches Geschenk.“

Der deutsche Papst erinnerte während der Empfangszeremonie auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv an das tragische Schicksal des jüdischen Volkes. Benedikt wies dabei auf die „fürchterlichen Folgen“ von Ideologien hin, die die grundsätzliche Würde eines jeden Menschen verneinten. „Traurigerweise erhebt der Antisemitismus in weiten Teilen der Welt weiterhin sein hässliches Haupt. Das ist völlig inakzeptabel. Jede Anstrengung muss unternommen werden, um den Antisemitismus zu bekämpfen, wo immer er auftritt“, sagte das Kirchenoberhaupt.

Der Papst war ganz in weiß gekleidet und trug ein großes goldenes Kreuz auf der Brust. Benedikt wurde auf dem roten Ehrenteppich vom israelischen Präsidenten Schimon Peres und von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit militärischen Ehren empfangen. „Ich sehe Ihren Besuch im Heiligen Land als eine wichtige spirituelle Reise im höchstem Auftrag: Eine Reise im Dienst des Friedens“, sagte Peres. Diese solle dazu dienen, die Saat der Toleranz zu streuen und den Fanatismus samt seiner Wurzeln auszureißen.

Anschließend flog Benedikt mit einem Hubschrauber der israelischen Luftwaffe nach Jerusalem. Bürgermeister Nir Barkat schenkte dem Papst eine Karte Jerusalems, auf der die Stadt als Mittelpunkt der Welt dargestellt wird. Ein für Israel bislang einmaliges Aufgebot von 80000 Polizisten und Sicherheitskräften soll das Kirchenoberhaupt in den fünf Tagen seines Besuchs schützen. Zuletzt hatte Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. Israel im März 2000 besucht.

Am Nachmittag stand ein Empfang in der Präsidenten-Residenz in Jerusalem auf der Tagesordnung. Die Polizei drängte rechtsgerichtete Demonstranten, die gegen den Besuch des Papstes protestieren wollten, in Seitenstraßen ab. Das spirituelle Oberhaupt der streng religiösen Schas-Partei Rabbi Ovadia Josef wies die vier Minister seiner Partei zu einem „leisen Boykott“ des Papstes an. Eine Organisation von Nachfahren von Holocaust-Opfern rief Autofahrer dazu auf, um 18.00 Uhr Ortszeit aus Protest gegen Benedikt anhaltend zu hupen. Zu diesem Zeitpunkt besuchte Benedikt XVI. gerade die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem.

( dpa/str )

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