Spielshow

TV-Streit zwischen Juden und Muslimen

| Lesedauer: 5 Minuten

Foto: Islam Channel

Ein britischer Sender lässt in der TV-Spielshow "Faith Off" zwei Religionen gegeneinander antreten. Moderiert wird die Sendung vom britisch-pakistanischen Comedy-Star Jeff Mirza. "Die Idee ist, dass wir alle zusammenbringen und sie vielleicht sogar einmal gemeinsam lachen können." Ob das klappt?

Die Klingel schrillt: Die Muslimin hat schneller gedrückt. Dabei ging es bei der Frage um ein jüdisches Fest, da hätte eigentlich das jüdische Team besser Bescheid wissen müssen. Die Frage war: „Was bedeutet Chanukka?“ Die junge Frau mit dem Kopftuch sagt „Fest des Lichts“ und erhält dafür drei Punkte. Wäre sie eine Jüdin gewesen, hätte sie nur einen Punkt bekommen. Es gilt die Regel, dass richtige Antworten zur fremden Religion höher bewertet werden.

Die Szene wird am übernächsten Samstag im britischen Fernsehen ausgestrahlt, bei der ersten interreligiösen Spielshow der Welt. Sie heißt „Faith Off“, wird nicht von den großen britischen TV-Stationen wie BBC oder Sky gesendet, sondern von dem kleinen Sender Islam Channel. „Wir wollen vor allem ein Gegenbild zu dem entwerfen, was in anderen Medien über Religionen gesagt wird“, sagt Abrar Hussain, Produzent des Programms, Morgenpost Online. „Die Kandidaten sollen deshalb aus allen Teilen der Gesellschaft kommen – wir richten uns bewusst nicht an Wissenschaftler oder Geistliche.“

Pro Sendung werden zwei Religionsgruppen antreten: zum Beispiel Muslime gegen Juden, Christen gegen Buddhisten oder Sikhs gegen Hindus. Im Studio sieht es so grell und glitzernd aus wie in jeder anderen TV-Spielshow-Kulisse – nur dass die Kandidaten Turban und Kippa tragen. Die einzelnen Spiele erinnern an das „Familienduell“ aus dem deutschen Mittagsprogramm. Da müssen die Kandidaten das verschwommene Bild des Papstes oder des Dalai Lama erkennen. Oder sie müssen die Unterschiede zwischen „Haram“ („verboten“) oder „Halal“ („erlaubt, rein“) erklären.

Moderiert wird die Sendung vom britisch-pakistanischen Comedy-Star Jeff Mirza. „Die Idee ist, dass wir alle zusammenbringen und sie vielleicht sogar einmal gemeinsam lachen können“, sagt er. Die Show sei bewusst irgendwo zwischen Unterhaltung und Bildung angesiedelt und solle die Gemeinsamkeiten betonen. „Schließlich stammen sowohl Juden als auch Muslime von Abraham ab, oder?“

Moscheebau, Hindu-Proteste, Holocaust – nichts wird ausgeklammert

Jeff Mirza, der Kaya Yanar Großbritanniens, erhielt erst kürzlich für seine Stand-up-Comedy den britischen Fernsehpreis Emma. Er erzählt, dass er schon als Kind lachen musste, als sich andere noch über solche Witze ärgerten: „Warum sind Asiaten so schlecht im Fußball“ – „Weil sie jedes Mal, wenn sie eine ‚Ecke' bekommen, einen Laden eröffnen.“ Seine Eltern hätten bei seiner Erziehung sehr auf Toleranz geachtet. Als in den 90er-Jahren Salman Rushdie wegen des Buches „Die Satanischen Verse“ mit einem religiösen Gutachten (Fatwa) belegt wurde, das seine Ermordung forderte, habe sein Vater unbedingt das Buch lesen wollen. „Nur kaufen wollte er es nicht“, sagt Mirza. „Also hat er es sich kopiert – und damit ungefähr den fünffachen Preis bezahlt.“ Kopien kosteten damals noch ein Vermögen.

Auch in der Gameshow werden durchaus kritische Fragen zur Sprache kommen: Die Hindu-Proteste in Südengland nach der Schlachtung einer heiligen Kuh und die gewalttätigen Ausschreitungen beim Bau der ersten Moschee in Großbritannien werden ebenso in Fragen verpackt wie der Holocaust. In einer Sendung stellt Jeff Mirza einem 80-jährigen Juden die Frage, was das Größte sei, das er bisher erreicht habe. Der Mann, ein KZ-Überlebender, antwortet ruhig: „Dass ich immer noch hier bin.“

Es sind solche Momente, die Abrar Hussain mit dieser Sendung provozieren will. Und der Islam Channel habe ihn dabei von Anfang an unterstützt: „In den sechs Monaten vor der ersten Show gab es nicht einmal den Moment des Zweifelns.“ Schon in früheren Shows ist er spielerisch mit dem sonst so sensiblen Thema Religion umgegangen: In der „Model Mosque Show“ ging es darum, Großbritanniens schönste Moschee zu finden. „Natürlich soll es auch in ‚Faith Off' sehr respektvoll zugehen“, sagt Hussain. Zudem solle es nicht primär um den Wettbewerb oder das Gewinnen des Hauptpreises gehen. Bewusst ist dieser ohnehin eher gering ausgefallen: entweder 200 Britische Pfund oder einen iPod.

Vielmehr geht darum, dass sich unvergessliche Szenen ergeben: Gegen Ende der Sendung soll ein jüdischer Kandidat erraten, wie hoch das „Zakat“ in muslimischen Gesellschaften ist. Die traditionelle Spende an Bedürftige ist eine der fünf Säulen des Islams. Der jüdische Kandidat überlegt. „20 Prozent? Das ist zu hoch“, sagt er und entscheidet sich für: „Zwei Prozent“. Moderator Mirza schüttelt seinen Kopf: „Es tut mir leid, aber die korrekte Antwort ist 2,5 Prozent.“ Der Kandidat ist fassungslos: „Was? Ich kann nicht glauben, dass sich Juden und Muslime hier wegen eines halben Prozents streiten“ Und dann lachen alle.

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