Grünen-Vorsitz

Ratzmann kandidiert gegen Özdemir

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Foto: nid / DDP

Im Kampf um den Parteivorsitz steigt jetzt auch der Berliner Grünen-Politiker Volker Ratzmann in den Ring. Ratzmann rechnet mit guten Chancen, hatte doch sein Konkurrent Cem Özdemir in der Vergangenheit einen empfindlichen Karriereknick hinnehmen müssen.

Der Berliner Grünen-Politiker Volker Ratzmann hat seine Kandidatur für das Amt des Bundesvorsitzenden seiner Partei offiziell angekündigt. Er habe dies dem Vorstand mitgeteilt, sagte der 48-jährige Rechtsanwalt und Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus dem Magazin „Spiegel“.

Vor zehn Tagen hatte bereits der Grünen-Europaabgeordnete Cem Özdemir (42) seine Kandidatur als Nachfolger von Reinhard Bütikofer angemeldet. Bütikofer (55) hat nach drei Amtsperioden auf eine Wiederwahl verzichtet und will sich um einen Sitz im Europaparlament bewerben. Seine Mit-Vorsitzende Claudia Roth will dagegen wieder antreten. Gewählt wird beim Bundesparteitag im November in Erfurt.


Für Ratzmann hat sich öffentlich bereits die Grünen- Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast, stark gemacht. Er galt früher als Linker, zählt sich aber inzwischen wie Özedemir zu den Reformern bei den Grünen, die früher Realos genannt wurden. Der Reformerflügel will sich bei einer Klausur am kommenden Wochenende mit den Kandidaturen auseinandersetzen. Claudia Roth wird der Linken zugerechnet. Ihre Wiederwahl gilt als unumstritten.


Nachdem Bütikofer im März seinen Rückzug ankündigte, taten sich die Reformer zunächst mit der Aufstellung eines Kandidaten schwer. Jüngere Politiker wie Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (36) und der Fraktionsvorsitzende im hessischen Landtag, Tarek Al-Wazir (37), winkten ab.


Ratzmann kündigte im „Spiegel“ an, seine Partei müsse ihr Profil schärfen und sich von der SPD lösen. „Wir werden uns neu orientieren müssen; in alle Richtungen öffnen und mit allen demokratischen Parteien sprechen müssen“, sagte er. Vor der Kür des Vorsitzenden auf dem November-Parteitag solle es „keine parteiinternen Vorwahlen“ geben, aber er könne sich Parteiveranstaltungen zusammen mit Cem Özdemir vorstellen.

Özdemir war 1994 als erster Bundestagsabgeordneter türkischer Herkunft in den Bundestag eingezogen. Im Sommer 2002 stolperte er allerdings über die private Nutzung von Vielflieger-Rabatten und einen zinsgünstigen Kredit von 80.000 Mark (40.903 Euro) des PR-Beraters Moritz Hunzinger. Er verzichtete auf ein neues Bundestagsmandat. Aber nach einem Stipendiat beim German Marshall Fund in den USA und der Heirat mit seiner argentinischen Lebensgefährtin Pia Maria Castro zog es Özdemir wieder zurück in die Politik. Seit 2004 ist er außenpolitischer Sprecher der Grünen- Fraktion im Europaparlament.

Die Landesvorsitzende der Berliner Grünen, Irma Franke-Dressler, unterstützte die Kandidatur Ratzmanns. Damit habe der Bundesverband einen weiteren guten Kandidaten, hieß es in einer Mitteilung. Der Landesverband sehe diese Kandidatur mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Einerseits bekomme die Bundespartei mit Ratzmann einen qualifizierten und Politik erfahrenen Kandidaten, andererseits verliere Berlin unter Umständen einen profilierten grünen Fachpolitiker.

( AP/mim )

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