Nahost-Reise

Papst bekräftigt Versöhnung von Juden und Kirche

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Einen Tag nach seiner kritisierten Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem hat Benedikt XVI. sich für eine dauerhafte Versöhnung zwischen Juden und Christen ausgesprochen. Der vom Zweiten Vatikanischen Konzil eingeschlagene Weg sei unumkehrbar. Gleichzeitig ermutigte er die in Israel lebenden Christen zum Bleiben.

Papst Benedikt XVI. hat den wenigen Christen im Heiligen Land Mut zugesprochen. Er forderte sie auf, trotz aller Schwierigkeiten zu bleiben und für den Frieden zu wirken. „Die Christen im Nahen Osten tragen zusammen mit anderen Menschen guten Willens dazu bei, „ein Klima des Friedens in Diversität zu fördern und zu festigen“, sagte Benedikt in Jerusalem bei einem Mittagsgebet gemeinsam mit den katholischen Bischöfen der Region.

Er wolle die Bischöfe ermutigen und darin unterstützen, den Christen in dem Land ihrer Vorfahren zu helfen und so zum Bleiben zu bewegen, sagte der Papst. Die Christen weltweit forderte das Kirchenoberhaupt auf, für ihre Brüder und Schwestern im Heiligen Land und im ganzen Nahen Osten zu beten. In Israel sind nach statistischen Angaben etwa zwei Prozent der Bevölkerung Christen.

Nachdem es über eine Rede des Papstes am Montag in Israel einige Verstimmungen gegeben hatte, sprach er am Dienstag deutliche Worte zur Versöhnung zwischen katholischer Kirche und Judentum. Bei einem Treffen mit den israelischen Oberrabbinern bekräftigte er seinen Willen zur Vertiefung der Verständigung und Zusammenarbeit des Vatikans mit dem israelischen Oberrabbinat und Juden in aller Welt: „Ich habe heute die Gelegenheit zu wiederholen, dass die katholische Kirche unwiderruflich dem Weg verpflichtet ist, der während des Zweiten Vatikanischen Konzils gewählt wurde, nämlich eine ehrliche und dauerhafte Versöhnung zwischen Christen und Juden.“

Christen wie Juden seien gleichermaßen daran interessiert, den Schutz des menschlichen Lebens, die zentrale Bedeutung der Familie, die Erziehung der Jugend sowie die Religionsfreiheit zu sichern, sagte Benedikt XVI. Als weitere Themen des Dialogs nannte der Papst den moralischen Relativismus.

Bei seinem Besuch in Jerusalem schreib Benedikt XVI. Geschichte: Als erstes katholisches Kirchenoberhaupt betrat der 82-Jährige den von Muslimen als Heiligtum verehrten Felsendom in der Altstadt von Jerusalem. Der Pontifex zog – wie bei muslimischen Gläubigen üblich – vorher seine Schuhe aus.

Der achteckige Felsendom mit seiner vergoldeten Kuppel wurde im siebten Jahrhundert unter dem Kalifen Abd al-Malik erbaut. Das Meisterwerk der islamischen Baukunst markiert die Stelle, wo der biblischen Überlieferung nach Abraham bereit war, seinen Sohn Isaak zu opfern. Von diesem Felsen ist der Prophet Mohammed nach islamischer Überzeugung auf dem Pferd „Burak“ (Blitz) in den Himmel geritten. Muslime erkennen auf dem Felsen noch den Hufabdruck.

Jerusalem ist für Muslime nach Mekka und Medina in Saudi-Arabien der drittheiligste Ort. Der Felsendom steht auf dem Tempelberg, der von Muslimen Haram al-Scharif (edles Heiligtum) genannt wird. Zweites Heiligtum ist dort die Al-Aksa-Moschee, deren bleigraue Kuppel im Kontrast zum gold-leuchtenden Felsendom steht.

Der Papst besuchte zudem die Klagemauer. An der wichtigsten religiösen Stätte der Juden verharrte er lange in stillem Gebet und steckte der Tradition gemäß einen Zettel in die Wand. Den Text des Gebets können Sie hier nachlesen.

Bei seinem Besuch auf dem Tempelberg sagte Benedikt in seiner Ansprache an Großmufti Mohammed Hussein, an diesem ältesten islamischen Sakralbau „kommen die Wege der drei großen monotheistischen Religionen zusammen, was uns an unsere Gemeinsamkeiten erinnert“.

( dpa/KNA/AFP/cn )

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