Jad Vaschem

Der Papst erntet harte Kritik für seine Rede

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Es ist die bisher schwierigste Reise für den deutschen Papst. Bei seinem Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem erwarteten nicht zuletzt die Überlebenden klare Worte. Die kamen auch zum Thema Holocaust-Leugnung. Doch den Zuhörern war das nicht genug.

Nach der Rede von Papst Benedikt XVI. in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem ist in Israel erste Kritik laut geworden.


Der Direktor von Jad Vaschem, Avner Schalev, sprach unmittelbar nach dem Besuch des Kirchenoberhaupts von einem „wichtigen und positiven Besuch“ sowie „einem Schritt vorwärts“. Die Ansprache habe gezeigt, dass sich der Papst intensiv mit dem Judentum beschäftigt habe und sich dafür interessiere. Allerdings hätte er sich noch einmal eine Verurteilung des Holocaust wie am Vormittag am Flughafen erwartet, so Schalev. Zudem hätte der Papst „etwas persönlicher“ auftreten und die Täter benennen können. Insgesamt sei seine Meinung zu der Rede etwas gespalten.


Auch der Leiter der Gedenkstätte, Rabbi Meir Lau, äußerte sowohl Lob als auch Kritik. Im israelischen Fernsehen sprach er von einem positiven Aspekt, dass der Papst die Leugnung des Holocaust deutlich verurteilt habe. Zugleich äußerte sich der Rabbiner enttäuscht, dass einige Punkte in der Rede gefehlt hätten. So seien etwa die Nazis, die die Gräueltaten verübten, nicht genannt worden. Auch habe der Papst das Verb töten statt morden verwendet.

Lau sagte, ein persönliches Wort des Mitleidens, des Schmerzes habe gefehlt. Der Papst habe nicht sein tiefes Mitgefühl, sondern das der katholischen Kirche für die Opfer ausgesprochen. „Ich habe ein 'Es tut mir Leid, ich entschuldige mich' vermisst“, so der Rabbiner. Er sprach vom Gefühl einer verpassten Gelegenheit. I


Das katholische Oberhaupt hatte sich am ersten Tag seines Besuches in Israel mit klaren Worten gegen das Leugnen oder Verharmlosen des Holocausts gewandt. „Mögen die Namen dieser Opfer niemals ausgelöscht werden! Mögen ihre Leiden niemals geleugnet, verharmlost oder vergessen werden!“ sagte Benedikt.


Er sprach außerdem vom tiefen Mitleid der katholischen Kirche für die Opfer des Holocausts. Anders als von vielen Juden erhofft, ging Benedikt jedoch nicht auf die Rolle der Kirche während der Zeit der Judenvernichtung ein.

Die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem erinnert an die Ermordung von sechs Millionen Juden während der Zeit des Nationalsozialismus.

( dpa/KNA/ab )

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