Sauerland-Prozess

Gehirnwäsche war für Gelowicz gar nicht nötig

Zwei Mitglieder der Sauerland-Gruppe haben zusammen in einem Terror-Camp in Pakistan trainiert. Das sagte der Angeklagte Fritz Gelowicz in seinem Geständnis vor Gericht. Während der "Ausbildung" im Camp hätten er und Adem Yilmaz sich entschieden, Anschläge in Deutschland vorzubereiten.

Foto: REUTERS

„Ich war ziemlich schnell von der Idee überzeugt“, sagte der mutmaßliche Rädelsführer Gelowicz vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. „Wir waren uns einig, dass es unsere Pflicht sei, diese Möglichkeit zu nutzen.“ Der 29-Jährige sagte als erster Angeklagter umfassend aus.

Ursprünglich seien sie in das Lager im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet gefahren, um sich in der Region am Dschihad zu beteiligen, betonte Gelowicz: „Es war unsere Absicht, dort zu kämpfen.“

Doch sei es dort weit schwieriger, einen Anschlag zu begehen, bei dem Amerikaner zu Schaden kämen: „Dahinter stecken viel Aufwand und Opfer auf der eigenen Seite.“ Daher sei ihnen von einem der Anführer die Rückkehr nach Europa nahegelegt worden: „Mit weniger Aufwand könnten wir einen viel größeren Schaden erreichen.“ Man habe ihn aber nicht überreden müssen, räumte Gelowicz ein: „Er hat mich keiner Gehirnwäsche unterzogen.“

Zwar seien Yilmaz und er nicht sicher gewesen, ob sie zu den Anschlägen in der Lage seien: „Wir haben uns aufgrund unserer Fähigkeiten eigentlich nicht als geeignet gesehen.“ In dem Lager sei ihnen jedoch Unterstützung versprochen worden – man habe ihnen gesagt: „Wir können euch alles beibringen, was nötig ist.“ Gelowicz saß bei seiner Aussage anders als sonst nicht hinter einer Glasscheibe, sondern am Zeugentisch mitten im Saal.

Gelowicz hatte zunächst seine erste Begegnung mit Yilmaz geschildert, den er zusammen mit dem Mitangeklagten Atilla Selek 2005 in Mekka traf. Er schilderte danach ohne jedes Zögern oder Stocken die komplizierte Anreise zu dem Lager im Jahr 2006 - demnach flogen er und Yilmaz mit einem Weggefährten über die Türkei in den Iran, ließen sich nach Pakistan einschleusen und kamen nach einer mehrtägigen Reise mit Bussen und Autos schließlich in dem Lager an. Dort lernten sie alles Nötige für den bewaffneten Kampf: „Alles in allem dauerte die Ausbildung drei Monate.“

Begonnen habe man mit Waffenunterricht, sagte Gelowicz. Der Ausbilder habe „einfache Übungen“ mit der Kalaschnikow gezeigt, etwa das Zusammenbauen und die Handhabung, „ohne zu schießen“. Danach erhielten die Männer Sicherheitsunterricht, bei dem es unter anderem um sichere Kommunikation und die Tarnung ging.

Schon dabei habe er den Eindruck gehabt, dass einige Inhalte sich speziell für Terror-Anschläge eigneten, sagte Gelowicz. Auch Sprengstoffunterricht und Elektronikunterricht hätten er und Yilmaz erhalten.

Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling hatte am Morgen noch einmal den Umfang der Geständnisse aller vier Angeklagten gelobt: „So etwas habe ich in meiner richterlichen Zeit noch nicht erlebt.“ Man habe den Eindruck, „dass die Karten ungezinkt auf den Tisch gelegt worden sind“. Er betonte erneut, dass sich solche Geständnisse auch auf das Strafmaß auswirken werden.

Die Angeklagten hatten im Juni überraschend Geständnisse angekündigt und wurden seitdem in ihren Haftanstalten ausführlich von BKA-Beamten vernommen. Die Männer sollen eine deutsche Zelle der Islamischen Dschihad-Union (IJU) gegründet und Anschläge mit Autobomben in Deutschland geplant haben. Die Anklage gegen sie lautet unter anderem auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags.

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