TV-Dreikampf

Bei einem Thema hatten sich die drei Kleinen lieb

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Mariam Lau

Foto: dpa

Wie man einen Streit zwischen Politikern organisiert, ohne dass sich journalistische Mätzchen in den Vordergrund drängen – das konnte man beim "TV-Dreikampf" zwischen Westerwelle (FDP), Lafontaine (Die Linke) und Trittin (Grüne) beobachten. Der Schlagabtausch der Kleinen wurde bei einem Thema unterbrochen.

Einen Tag nach dem „Duell“ zwischen den beiden Kanzlerkandidaten sollten „die Kleinen“ zu Wort kommen, die bei der Wahl am 27. September mit großer Wahrscheinlichkeit eine entscheidende Rolle spielen werden.

Die beiden Moderatoren, Jörg Schönenborn und Siegmund Gottlieb, verloren keine Zeit mit Kinkerlitzchen, sie wollten nicht wissen, wer sich duzt und wer sein Geld wo anlegt; sie stiegen gleich mit einem aktuellen Aufregerthema ein: der Fall des Mannes, der sich am Wochenende in einer Münchener U-Bahn schützend vor ein paar Kinder gestellt hatte und deshalb von zwei Jugendlichen erschlagen worden war.

Sofort hatte man ein Miniaturporträt dreier Parteien, auch wenn sich alle drei Herren einig darüber waren, dass mehr Polizei auf den Strassen gebraucht werde. Ein Hauch von Jamaika wehte durch die Kulissen, als Trittin und Westerwelle gegen den Einsatz von Überwachungskameras verwahrten (Westerwelle will an „Gefahrenzonen“ welche zulassen); Lafontaine verband seine Forderung nach mehr Polizisten prompt mit einer nach dem Abzug aus Afghanistan. Nachdem beim TV-Duell die beiden Spitzenkandidaten ständig unterbrochen und mit Häme bedacht worden waren, ließ man hier ausreden, verfolgte Themen und gab dem Dreikampf zwischen den Beteiligten Raum.

Alle heiklen Themen kamen zu Wort: die Steuerentlastungen, die Guido Westerwelle verspricht; Rente mit 67 (die letzte der Arbeitsmarktreformen, an dem die große Koalition noch festgehalten hatte – hier rückte sogar Guido Westerwelle davon ab), Gesundheitsreform, Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Westerwelle und Lafontaine zeigten dabei am ehesten Nerven.

Als man ihn auf seinen herannahenden 66. Geburtstag ansprechen wollte, sprach Lafontaine patzig von „Altersrassismus“ – „aber Adenauer haben Sie doch bestimmt verehrt?, was“ fragte er verschnupft den Moderator. Guido Westerwelle erschien häufig beleidigt („wenn ich das einmal ausführen dürfte“). Trittin hingegen pflügte sich kühl und geschliffen durch die Themenberge, und schien sogar ein wenig Spaß zu haben.

Beim Thema Opel, das Westerwelle wegen der staatlichen Hilfen neuerdings öfter „VEB Opel“ nennt, geriet der FDP-Vorsitzende allerdings in Bedrängnis. Warum denn die FDP in den Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen oder Hessen den Staatshilfen für ihre Opel-Standorte zugestimmt hätte? „Da sollten Sie sich mal nicht so aufblasen!“, hatte Trittin dem FDP-Vorsitzenden entgegengehalten. „So schlimm kann ich ja wohl nicht sein, Herr Trittin“, versetzte Westerwelle beim Thema Koalitionsoptionen, „denn schließlich wollen Sie ja irgendwie doch mit mir regieren“. Er selbst schloss Jamaika ohne Wenn und Aber aus.

Auf die Vorhaltung des Moderators, was denn dann Wähler denken würden, deren Stimme verloren sei, wenn er dann in die Opposition müsste, erklärte Westerwelle, seine Glaubwürdigkeit hänge an diesem gegebenen Wort. Das habe schon Schröder erfahren müssen, der 2005 um ihn geworben hat. Jürgen Trittin seinerseits schloss zwar Verhandlungen mit der FDP aus – aber nicht mit der CDU. „Ich bin Realpolitiker“, grinste er.

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