Balkan

Mehr als 50 mutmaßliche Kriegsopfer in See entdeckt

Die Toten am Boden des Stausees im Grenzgebiet von Bosnien und Serbien wurden wahrscheinlich während des Krieges in den 90er-Jahren ermordet.

Foto: REUTERS

Aus der Perucac-Talsperre im serbisch-bosnischen Grenzgebiet sind bei Reparaturarbeiten mehr als 50 Leichen geborgen worden. Das bestätigte die Sprecherin der Internationalen Vermisstenkommission, Jasmina Mameledzija. Es handle sich wahrscheinlich um Muslime, deren Leichen am Anfang des Bürgerkrieges (1992-1995) von serbischen Verbänden im Drina-Fluss versenkt wurden. Ihre genaue Identität werde nach Analysen in einigen Tagen feststehen.

Demgegenüber erklärten die serbischen Ermittler, auf ihrer Seite des Stausees trotz zweitägiger Suche nach dem Ablassen des Wassers keine menschlichen Überreste entdeckt zu haben. Allerdings sagte der Untersuchungsleiter Gvozden Gagic den Medien: „Das war mehr eine visuelle Untersuchung, weil wir nicht über eine moderne technische Ausrüstung verfügen, mit der wir entdecken könnten, was sich im Schlamm verbirgt.“

Im Jahr 1999 war vom Boden dieser Talsperre ein Kühlwagen an die Wasseroberfläche gespült worden, in dem 50 bis 60 albanische Leichen entdeckt wurden. Das war von der serbischen Regierung aber erst zwei Jahre später mitgeteilt worden.

Bei einem zweiten vermuteten Massengrab sind die Ermittlungen zunächst ohne Ergebnis geblieben. Das bei der serbischen Stadt Raska (250 Kilometer südlich von Belgrad) von Zeugen bezeichnete Grab bleibe trotz monatelanger Untersuchung geschlossen, berichteten die Medien in Belgrad. „Sie haben an der falschen Stelle gegraben“, kritisierte die serbische Zeitung „Danas“. Nicht näher bezeichnete politische „Machtzentren“ wollten die Öffnung dieses Massengrabes um jeden Preis verhindern, hieß es in den Medien.

Die EU-Rechtsstaatskommission im benachbarten Kosovo (Eulex) hatte die serbischen Behörden nach der Vernehmung von Augenzeugen auf das Grab hingewiesen. In ihm sollen rund 250 Albaner liegen, die von serbischem Militär und Paramilitär in den Jahren 1998/99 getötet worden sein sollen. Es soll sich um ein sogenanntes Sekundärgrab handeln, in dem Teile ursprünglich im Kosovo begrabener Leichen verscharrt worden sein sollen. Damit wurde versucht, Spuren zu verwischen.

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