"Eine Farce"

Westerwelle fordert Absage des Fernsehduells

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Foto: dpa

Weil weder er selbst, noch ein anderer Vertreter der Oppositionsparteien am Fernsehduell teilnehmen darf, fordert Guido Westerwelle die Sender zur Absage der Debatte auf. Eine Sendung nur mit Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier sei ein "Selbstgespräch der Regierungsparteien".

Kurz vor dem mit Spannung erwarteten Fernsehduell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier hat FDP-Chef Guido Westerwelle die Absage des Spektakels gefordert. „Das TV-Duell am Sonntag darf so nicht stattfinden. Es muss in eine Sendung mit allen Spitzenkandidaten umgewidmet werden“, sagte Westerwelle der „Passauer Neuen Presse“. Das Duell am Sonntagabend wird zeitgleich und live auf vier Fernsehsendern übertragen und gilt als Höhepunkt des Wahlkampfs.

Westerwelle kritisierte: „Es wird ein Selbstgespräch der Regierungsparteien. Das ist kein Duell, sondern eine Farce. Demokratie ohne Opposition funktioniert nicht.“ Die Oppositionsparteien stünden in Deutschland für 35 bis 40 Prozent der Wähler. Über deren Argumente hinwegzugehen, sei ein schwerer Fehler der gebührenfinanzierten Fernsehsender. „Das ist undemokratisch und unfair.“

Auch CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla rechnet offenbar mit keinem großen Schlagabtausch: „Dass es da zu einem Zusammenstoß kommen wird, ist nicht zu erwarten“, sagte er in N24.

Trotzdem gilt das Duell, das am Sonntag um 20.30 Uhr live aus einem Studio in Berlin-Adlershof gesendet wird, als ein Höhepunkt im Wahlkampf. Die Anhänger von Merkel und Steinmeier haben im ganzen Land Public Viewings organisiert. An den Universitäten in München und Hohenheim werden die Reaktionen von Zuschauern gestestet, in Berlin treffen sich die Leitartikler großer Zeitungen, um das Ereignis, das zeitgleich in ARD, ZDF, RTL und Sat.1 übertragen wird, live zu kommentieren.

Für Merkel und Steinmeier steht zwei Wochen vor der Wahl einiges auf dem Spiel. In der Endphase des Wahlkampfes wird es für Schwarz-Gelb knapp, wenige hunderttausend Stimmen können die Wahl entscheiden.

Fast 21 Millionen Zuschauer saßen 2005 vor den Bildschirmen, als Merkel als Herausforderin gegen Kanzler Gerhard Schröder antrat. Die Demoskopen glauben bis heute, dass Schröders Auftritt Merkel damals die schwarz-gelbe Mehrheit gekostet haben könnte.

Ob das Fernsehduell am Ende tatsächlich die Wahl entschieden hat, ist unter Experten umstritten. Als sicher gilt jedoch, dass ein gelungener Auftritt vor allem unentschiedene Wähler beeinflusst. Und von diesen gibt es noch viele: In einer Forsa-Umfrage für „Stern“ und RTL gaben vergangene Woche 56 Prozent der Zuschauer an, das Duell habe zumindest einen gewissen Einfluss auf ihre Wahlentscheidung.

Nach Ansicht des Kommunikationswissenschaftlers Frank Brettschneider ist Merkel im Vorteil, da in Krisenzeiten Wähler auf Zuverlässigkeit, Bekanntes abonniert seien. „Da ist der Wunsch nach Wandel gering.“ Merkel könne also auf Abwehr spielen. Steinmeier sei dagegen in Zugzwang. Brettschneider machte das Dilemma des Herausforderers deutlich: „Die Regierung kann er nicht angreifen, aber er kann auch nicht ihre Leistungsbilanz für sich beanspruchen.“

Für Steinmeier dürfte es also schwer werden. Der SPD-Herausforderer, der in Umfragen weit abgeschlagen liegt, muss in die Offensive gehen, wenn er punkten will. Die erste Frage geht an ihn, das letzte Wort soll dafür Merkel haben.

Moderiert wird die 90-Minuten-Sendung von Maybrit Illner, Frank Plasberg, Peter Kloeppel und Peter Limbourg. Alle Sender planen eine ausführliche Vor- und Nachberichterstattung zu dem Schlagabtausch.

( AP/ks )

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