Begnadigter Terrorist

Jubel für Lockerbie-Attentäter empört Briten

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Lockerbie-Attentäter in Libyen angekommen

Jubelnde Menschenmassen haben gestern Abend den freigelassenen Lockerbie-Attentäter in seiner Heimat Libyen empfangen. Obwohl die Rückkehr nicht von staatlichen Medien angekündigt worden war, fanden sich am Flughafen der Hauptstadt Tripolis zahlreiche junge Libyer ein. In Großbritannien löste das heftige Empörung aus.

Video: Reuters
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Jubelnde Menschenmassen haben gestern Abend den freigelassenen Lockerbie-Attentäter in seiner Heimat Libyen empfangen. Obwohl die Rückkehr nicht von staatlichen Medien angekündigt worden war, fanden sich am Flughafen der Hauptstadt Tripolis zahlreiche junge Libyer ein. In Großbritannien löste das heftige Empörung aus.

Der euphorische Empfang des krebskranken Lockerbie-Attentäters Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi am Flughafen in Tripolis sorgt für Aufregung. „Ein Helden-Empfang ist in diesem Fall vollkommen unangemessen“, sagte die Britin Pamela Dix, die ihren Bruder vor 21 Jahren bei dem Terroranschlag auf eine Maschine der US-Linie PanAm verloren hatte.

Schottische Abgeordnete kritisierten derweil, dass die schottische Flagge bei der Ankunft des 57-Jährigen geschwenkt wurde. „Ich habe mich niemals für meine Landesflagge geschämt. Aber zu sehen, wie sie dafür missbraucht wird, einen Massenmörder zu feiern, ist abscheulich“, sagte der Labour-Abgeordnete Russell Brown. Ein anderer Parlamentarier erklärte, die Szenen aus Tripolis seien „widerwärtig“ gewesen.

Al-Megrahi war 2001 für den Anschlag im Dezember 1988 lebenslang verurteilt worden. Bei dem Attentat auf die Maschine über dem schottischen Ort Lockerbie kamen 270 Menschen ums Leben, die meisten davon waren US-Amerikaner. Al-Megrahi leidet an Prostatakrebs und hat nach Angaben von Ärzten nur noch wenige Monate zu leben. Seine Freilassung war in den USA auf scharfe Kritik gestoßen. US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Entscheidung der Schotten als „Fehler“. Al-Megrahi sollte unter Hausarrest gestellt werden.

Der schottische Justizminister Kelly MacAskill verteidigte im amerikanischen Fernsehen derweil seine Entscheidung. „In Schottland gibt es im Rechtswesen Mitgefühl. Deshalb wurde ihm (al-Megrahi) gestattet, nach Hause zu gehen und zu sterben.“

Allerdings haftet dem Gnadenakt der Ruch eines Deals an. Kritische Beobachter fragen sich, ob es nur ein Zufall ist, dass hochrangige Vertreter Großbritanniens seit einigen Wochen Libyen bereisen, um den Zuschlag für die Ausbeutung gigantischer Öl- und Gasvorkommen vor der Küste des nordafrikanischen Landes zu bekommen.

( dpa/str )