Verkehr

Potsdamer OB-Kandidatin wirbt mit Blitzer-Foto

Barbara Richstein (CDU) will "mehr Tempo". Das ist missverständlich, weil es in Brandenburg die meisten Verkehrssünder gibt.

Foto: Reto Klar

In der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam wird am 19. September ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Amtsinhaber Jann Jakobs (SPD) wird dabei von der CDU-Spitzenkandidatin Barbara Richstein herausgefordert. Während OB Jakobs die Stadt vor allem familienfreundlicher machen will, setzt Herausforderin Richstein auf „Mehr Tempo für Potsdam“.

Deshalb hat sie ein Wahlplakat mit diesem Slogan gestalten lassen, das wie das Beweisfoto aus einer Radarfalle aussieht: Die 44-jährige Richstein sitzt am Steuer eines Autos, die Augen weit geöffnet, alles in leicht unscharfen schwarz-weiß Tönen – eben genau so, wie man aussieht, wenn von der Polizei geblitzt wird. Dazu das „Beweiskennzeichen“ mit der Nummer „P-OB 2010“.

Doch das Plakat der ehemaligen brandenburgischen Justizministerin ist missverständlich: Denn in Brandenburg gibt es die meisten Verkehrssünder, wie die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen ergab.

253.000 Verkehrsdelikte wurden in dem Bundesland im Jahr 2009 verübt. Jeder zehnte der 2,5 Millionen Brandenburger hat damit einen gravierenden Verstoß begangen. Bezogen auf die Einwohnerzahl lag die Häufigkeit der Verkehrsvergehen in Brandenburg damit bei rund 100 je 1000 Einwohner. Erst mit einigem Abstand folgt Bremen auf Platz zwei (80 auf 1000), der Bundesdurchschnitt liegt bei 55 Verkehrsdelikten pro 1000 Einwohner.

Keine Aufforderung zum schnellen Fahren

In Anbetracht dieser für Brandenburg besonders schlechten Statistik erscheint das "Tempo"-Plakat von Barbara Richstein, die europa- und medienpolitische Sprecherin der CDU im Brandenburger Landtag ist, problematisch. Sie selbst kann daran jedoch nichts finden. "Dass wir Tempo bei der Enwicklung der Stadt brauchen, liegt auf der Hand", sagte Richstein zu Morgenpost Online.

Vor allem in den Bereichen Wohnungsbau und Verkehrsinfrastruktur müsse es in Potsdam Veränderungen geben. "Wie man in diesem Plakat eine Aufforderung zum schnellen Fahren sehen kann, das kann ich nicht nachvollziehen." Bei der Vorstellung der Plakate am vergangenen Sonntag hätte man "die Selbstironie durchaus verstanden". Zumal das "Radarfallen-Foto" nicht echt, sondern gestellt sei.

Dass es in Brandenburg im bundesweiten Vergleich pro Einwohner die meisten Verkehrsdelikte gebe, sei zudem logisch. "Verkehrsdelikte sind Kontrolldelikte", sagt Richstein. "Wenn man keine Geschwindigkeitsmessungen vornimmt, erwischt man auch keinen. In Brandenburg wird am meisten kontrolliert." Ihre 26 "Tempo"-Großplakate lässt Barbara Richstein deshalb im Laufe der Woche wie geplant in Potsdam aufhängen.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen