Familienpflegezeit

Das Projekt, mit dem Schröder Profil gewinnen will

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Miriam Hollstein

Foto: dpa

Die Familienpflegezeit ist das erste große Projekt von Kristina Schröder, das nicht aus dem Nachlass von Ursula von der Leyen stammt. Dass sie im Vergleich mit der Vorgängerin oft schlecht abschnitt, liegt an der Familienministerin selbst. Die junge und noch recht unerfahrene Kabinettsfrau traut sich zu selten.

Lange hat sie im Schatten ihrer Vorgängerin gestanden. Mit zwei Projekten will Familienministerin Kristina Schröder (CDU) nun endlich ein eigenes Profil gewinnen.

Das ist zum einen die Kampagne „Vollzeitnahe Teilzeitarbeit“: Gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag will Schröder in der Wirtschaft und bei den Kommunen dafür werben, dass Arbeitgeber flexibel reagieren, wenn Eltern wegen ihrer Kinder in Teilzeit arbeiten wollen. „Eine 30-Stunden-Arbeitswoche könnte für beide Partner nahezu ideal sein“, sagte Schröder dem „Focus“. „40 Stunden Arbeitszeit sind den meisten Eltern von kleinen Kindern zu viel, mit 20 Stunden katapultieren sie sich ins Karriere-Abseits.“

Zum anderen gibt es das Projekt „Familienpflegezeit“: Arbeitnehmer, die einen Angehörigen pflegen wollen, sollen künftig bis zu zwei Jahre lang ihre Arbeitszeit auf 50 Prozent reduzieren können, während sie weiterhin 75 Prozent des Gehalts bekommen. Die Lohndifferenz sollen sie ausgleichen, indem sie vor oder nach der Pflegezeit voll arbeiten, aber nur 75 Prozent des Gehalts bekommen. Schon ab Mitte 2011 soll es dafür sogar einen Rechtsanspruch geben.

Angekündigt hatte Schröder das Projekt schon im März – und prompt Kritik geerntet. Arbeitgeberverbände warnten vor einer finanziellen Mehrbelastung für Unternehmen. Sozialverbände dagegen bemängelten, dass pflegende Angehörige finanziell schlechtergestellt würden als Erziehende in der Elternzeit.

Inzwischen hat Schröder nachgebessert: So sollen Betriebe mit weniger als 250 Beschäftigten die Lohnaufstockung während der Pflegezeit als zinslosen Kredit von der KfW-Bankengruppe erhalten können. Für Arbeitnehmer, die in Pflegezeit gehen, soll es eine Pflichtversicherung geben, die einspringt, wenn sie später den Lohnvorschuss nicht zurückzahlen können. Auch sollen sie zusätzliche Rentenansprüche aus der Pflegeversicherung erwerben können. Entwickelt hat das Modell der Ex-„Wirtschaftsweise“ Bert Rürup.

Die Familienpflegezeit ist das erste große Projekt von Schröder, das nicht aus dem Nachlass von von der Leyen stammt. Dass sie im Vergleich mit der Vorgängerin oft schlecht abschnitt, hatte Schröder sich auch selbst zuzuschreiben. Die Chance, als junge und noch recht unerfahrene Ministerin auch kühnere Vorschläge zu wagen, ließ sie ungenutzt verstreichen.

Das könnte sich jetzt ändern. Zwar gibt es auch an der nachgebesserten Version der Familienpflegezeit Kritik. Doch auch von der Leyen musste für ihr Elterngeld-Modell kämpfen. Im Gegensatz zu diesem kosten Schröders Vorschläge nicht viel Geld – in Zeiten der Finanzkrise ein Vorteil.

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