1. Januar 2011

Autofahren mit 17 – ein Modell wird zum Dauerrecht

Das Kabinett billigt den Gesetzentwurf und erlaubt so den Führerschein mit 17. Etwa 380.000 Jugendliche testeten seit 2004 das Modell.

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Jugendliche sollen ab dem kommenden Jahr schon mit 17 Jahren ein Auto fahren können. Das Kabinett billigte einen Gesetzentwurf von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der die bundesweite Einführung des Führerscheins schon mit 17 ermöglichen wird.

Die Regelung soll zum 1. Januar 2011 in Kraft treten. Die 17-Jährigen dürfen dann bis zum 18. Lebensjahr mit einer namentlich benannten Begleitperson fahren. Dieser Begleiter muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Er muss mindestens 30 Jahre alt sein, seit fünf Jahren den Führerschein besitzen und darf nicht mehr als drei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei haben.

Mehrere Bundesländer hatten die Fahrerlaubnis ab 17 seit dem Jahr 2004 getestet, etwa 380.000 Jugendliche nahmen daran teil. „Das Modellvorhaben hat gezeigt, das begleitete Fahren verbessert die Fahrkompetenz der Fahranfänger erheblich“, erklärte Ramsauer in Berlin. Deshalb solle aus dem Modell nun ein Dauerrecht werden. Bundestag und Bundesrat müssen dem Gesetzentwurf noch zustimmen.

Anteil der Verkehrsverstöße ist um 20 Prozent geringer

Nach einer von Ramsauers Ministerium vorgelegten Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen sind Teilnehmer des Modellversuchs nach Beginn des selbstständigen Fahrens um 22 Prozent weniger an Unfällen beteiligt als 18-Jährige, die ihren Führerschein auf die bislang übliche Art erworben haben. Der Anteil der Verkehrsverstöße ist um 20 Prozent geringer. Nach Angaben des ADAC haben Fahranfänger im Alter zwischen 18 und 24 Jahren bislang das höchste Unfallsrisiko. Dieses Risiko könne deutlich gemildert werden, wenn zuvor kontrolliert Fahrpraxis erworben werde, erklärte der ADAC.

Als „erfolgreichste Maßnahme zur Reduzierung des Unfallrisikos junger Fahrer, die es in der Bundesrepublik je gab“, lobte der Präsident der Deutschen Verkehrswacht, Kurt Bodewig, den Führerschein ab 17. Der verkehrspolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Max Lehmer, erklärte, das begleitete Fahren ab 17 sei „nicht nur sehr praktisch für junge Erwachsene“, sondern erhöhe die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer.

ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker forderte zudem weitere Reformen bei der Führerscheinausbildung. Er sprach sich für eine längere Ausbildungszeit aus. Zudem verwies Becker auf Erfahrungen aus Österreich, wo durch verkehrspsychologische Schulungen und fahrpraktische Übungen nach dem Erhalt der Fahrerlaubnis die Zahl der Verunglückten um elf Prozent gesenkt worden sei