Schweden

Minister geht – wegen Kindern oder Prostituierter?

Der schwedische Arbeitsminister Littorin soll eine Prostituierte angeheuert haben. Bei seinem Rücktritt schob er aber seine Kinder vor.

Foto: dpa

Strahlende Dauer-Sonne über den Stockholmer Schären, Sauregurkenzeit in den Medien, ein Sex-Skandal, und das auch noch vor den Wahlen. Diese bunte Mischung bietet den Schweden seit dem Wochenende ihr frisch zurückgetretener Ex- Arbeitsminister Sven Otto Littorin in unfreiwilligem Zusammenspiel mit der Zeitung „Aftonbladet“: Der 44-jährige Parteifreund von Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt soll nach Angaben des Blattes die Dienste einer Prostituierten gekauft haben – was in Schweden seit 1999 verboten ist und bis zu sechs Monate Haft nach sich ziehen kann.

Tränenerstickte Rücktrittsankündigung

„„Mein Rücktritt hat drei Gründe. Sie heißen Emma, Gustav und Arvid“, verkündete Littorin Mitte letzter Woche. Mit tränenerstickter Stimme klagte er Medien an, bei Recherchen über den andauernden Streit um das Sorgerecht mit seiner Ex-Frau die Kinder in brutaler Weise bedrängt zu haben. Mit keinem Wort erwähnte derPolitiker, dass der wirkliche Grund für den plötzlichen Abgang vielleicht eher Anna heißt und schon 30 ist: Die Ex-Prostituierte mit einem in Wirklichkeit wohl anderen Namen behauptete gegenüber „Aftonbladet“, dass ihr Littorin vor vier Jahren 2000 Kronen (gut 200 Euro) für zweistündigen Sex bezahlt habe.

Am Tag vor der tränenreichen Rücktrittserklärung hatten Reporter den kinnbärtigen Minister auf dem Flugplatz von Visby auf Gotland abgefangen. Sie konfrontierten ihn mit dem angeblich „gut dokumentierten“ Vorwurf: „Stimmt es, dass du Sex von einer bestimmen Person gekauft hast?“ „Nein, aber hört bitte auf“, stammelte Littorin und versuchte vergeblich, den Journalisten zu entkommen. „Aftonbladet“ legte das Video mit der Demütigung und dem in Skandinavien üblichen Du auf seiner Internetseite aus.

"Respekt und Verständnis" für Sorge um Kindeswohl

Littorin musste nun seinem Chef Reinfeldt beichten, was da am Kochen war. Dass er unmittelbar danach bei seiner Rücktrittserklärung den Vorwurf des strafbaren Sex-Kaufs verschwieg und den verzweifelt um das Wohl seiner Kinder kämpfenden Vater gab, brachte ihm zunächst Pluspunkte ein. Reinfeldt äußerte „Respekt und Verständnis“, Zeitungen brachten nachdenkliche Kommentare über den gnadenlosen Medien-Druck auf Politiker.

Auch die sozialdemokratische Oppositionschefin Mona Sahlin, die bei den Wahlen am 19. September Reinfeldt ablösen will, setzte auf den Mitleidseffekt für den Abgetretenen, der auch über Depressionen und psychiatrische Hilfe berichtet hatte: „Ich empfinde da nur Respekt und Sympathie.“ Einige Beobachter fanden es aber doch widersinnig, dass Littorin ohne Not die Namen seiner Kinder nannte, die er angeblich vor gierigen Medien schützen wollte. Die Versuchung war wohl unwiderstehlich: Alle brachten das prima Zitat ganz oben.

"Feuer frei" nach dem Bekanntwerden des Sex-Kaufes

Als danach der Vorwurf des strafbaren Sex-Kaufes publiziert wurde, stand der Ex-Minister umso einsamer da. „Feuer frei“ gegen Littorin, hieß es jetzt von allen Seiten und vielleicht vor allem aus den eigenen Parteikreisen. Am 19. September sind Reichstagswahlen. Littorin sei psychisch schon länger total am Ende, habe zeitweise nur noch im Dienstzimmer des Ministeriums übernachten können und sich eingestandenermaßen an Sex-Chats beteiligt, zitierte „Expressen“ am Sonntag „gut informierte Kreise“.

Noch vor einer Woche hatte er zum engsten Führungskreis um Reinfeldt gehört und gern über neues privates Glück mit einer 17 Jahre jüngeren Parteisprecherin der Konservativen Auskunft gegeben. Deren oberster Chef Reinfeldt muss nun erklären, warum er den ihm bekannten Vorwurf des Sex-Kaufs gegen Littorin mitverschwiegen hat. In Schweden kein Kavaliersdelikt, sondern eine strafbare Handlung, für die viele männliche Normalbürger, aber auch Prominente, schon Bußgelder bezahlt haben und in Einzelfällen in Haft gekommen sind.

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