Afghanistan

Isaf soll mit Raketen 52 Zivilisten getötet haben

In der Provinz Helmand sind zahlreiche Zivilisten umgekommen. Die afghanische Regierung ist überzeugt, dass die Isaf die Verantwortung trägt.

Nach dem Tod Dutzender afghanischer Zivilisten bei einem Raketenangriff in der Unruheprovinz Helmand hat die Regierung in Kabul schwere Vorwürfe gegen die Internationale Schutztruppe Isaf erhoben. „52 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, sind bei einem Angriff von Nato- und Isaf-Truppen den Märtyrertod gestorben“, heißt es in einer Mitteilung des Präsidentenpalastes.

Präsident Hamid Karsai bezeichnete die Opfer in Kabul als „unschuldige Zivilisten“. Er forderte die internationalen Truppen auf, alles dafür zu tun, dass es bei Militäreinsätzen künftig keine zivilen Opfer mehr gebe. Demnach drückte der Präsident den Familien der Opfer am Telefon sein Beileid aus und bezeichnete den Vorfall als „moralisch und menschlich inakzeptabel“.

Die Nato-geführte Isaf wies die Vorwürfe wenig später zurück und erklärte, die Berichte über den Tod von Zivilisten seien „vollkommen gegenstandslos“. Der Leiter der Kommunikationsabteilung der Isaf, Admiral Greg Smith, sagte, die gemeinsame Untersuchung der Isaf und der afghanischen Regierung habe bisher „keine Beweise für getötete oder verletzte Zivilisten erbracht“.

Am Montag hatte ein Sprecher Karsais zunächst mitgeteilt, bei dem Zwischenfall im Distrikt Sangin, der sich bereits am Freitag ereignete, seien „40 bis 45“ Menschen getötet worden. Nach Angaben der Provinzregierung war jedoch unklar, ob das Geschoss von radikal-islamischen Taliban oder Sicherheitskräften abgefeuert wurde. Beide Seiten hatten sich in der Region schwere Gerechte geliefert.

Karsai erklärte, der Nationale Sicherheitsrat untersuche den Vorfall vor Ort. Sollte die Nato nach dem Untersuchungsbericht den Abschuss der Rakete einräumen, wäre dies der schwerste derartige Vorfall seit September 2009, als bei einem von der Bundeswehr angeordneten Luftangriff nach der Entführung zweier Tanklastzüge bis zu 142 Menschen getötet wurden, darunter viele Zivilisten.

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