Bildungspolitik

Europarat will Kreationismus nicht verdammen

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Christina Neuhaus

Foto: pa/kpa

Ein Bericht fährt gegen die Vertreter des Kreationismus' schwere Geschütze auf: Die auf der Bibel basierende Theorie gefährde Menschenrechte und die Demokratie. Diese Aussagen will der Europarat so aber nicht verabschieden. Jetzt muss das Papier überarbeitet werden.

"Wenn wir nicht aufpassen, könnte der Kreationismus eine Bedrohung der Menschenrechte werden" – so steht es in einem Bericht des Europarats-Ausschusses für Kultur, Wissenschaft und Bildung. Maßgeblich verfasst wurde das Papier vom französischen Sozialisten Guy Lengagne.

Er lässt keinen Zweifel daran, für wie gefährlich er die Theorie hält, nach der die Erde sich nicht durch die Evolution zu dem entwickelte, was sie heute ist, sondern von Gott geschaffen wurde – wie in der Bibel beschrieben. Darauf deutet schon der Titel des Papiers hin: "Die Gefahren des Kreationismus' in der Bildung".


Der Kreationismus, egal in welcher konkreten Ausprägung oder Glaubensrichtung, sei "nicht faktenbasiert", schreibt Lengagne in dem Bericht. Dagegen gebe es aus wissenschaftlicher Sicht "absolut keinen Zweifel" daran, dass die Evolutionstheorie zentral sei "für unser Verständnis des Universums und des Lebens auf der Erde".


Lengagne warnt insbesondere davor, den Kreationismus im Biologieunterricht zu vermitteln, quasi als Alternative zur Evolutionstheorie. Wenn überhaupt, so dürfte darüber nur im Religionsunterricht gesprochen werden.

Konservative finden Kritik unausgewogen

Für eine Mehrheit der Mitglieder des Europarats ist Lengagnes Bericht zu unreflektiert ausgefallen. Eigentlich sollte der Rat das Papier noch in dieser Woche debattieren. 63 der 119 Mitglieder jedoch lehnten dies ab und verwiesen den Bericht zurück an den zuständigen Ausschuss. Der Vorsitzende der konservativen Fraktion im Europarat, der Belgier Luc van den Brande, erklärte, die Kritik an den kreationistischen Vorstellungen sei unausgewogen.

Berichterstatter Lengagne, der Mathematik an der Universität von Amiens lehrt, bringt in dem Papier drastische Beispiele dafür, was passieren könnte, würden die Anhänger des Kreationismus mehr Einfluss erhalten. So würde die Suche nach einem Heilmittel für tödliche Krankheiten wie AIDS gebremst, Fundamentalismus und Extremismus würden gestärkt.

Explizit warnt Lengagne vor der engen Verbindung zwischen religiösem Extremismus, der oft hinter der Ablehnung der Evolutionstheorie stecke, und rechtsgerichteter Politik. Wer den Kreationismus konsequent vertrete, wolle die Demokratie durch die Theokratie, also einen Gottesstaat, ersetzen.

Auf die Kritik des Europarats reagierte Lengagne entsetzt. "Wir erleben hier, wie die Weichen für eine Rückkehr ins Mittelalter gestellt werden, und zu viele Mitglieder dieser Menschenrechts-Versammlung bemerken es nicht", sagte er.

Den kompletten Bericht Guy Lengagnes im Wortlaut (englisch) können Sie hier auf der Website des Europarats lesen.

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