Nach bayerischen Volksentscheid

Initiator kämpft nun für bundesweites Rauchverbot

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Sophia Seiderer

Foto: dpa

Sebastian Frankenberger hat den Volksentscheid zum totalen Rauchverbot in Bayern initiiert. Nun will er das Aus für alle deutschen Raucherlokale. Morgenpost Online sprach mit ihm über ein bundesweites Verbot.

Morgenpost Online: Sie sind ebenso engagierter Politiker wie Fußballfan. Welcher Sieg war am vergangenen Wochenende wichtiger? Das 4:0 der deutschen Elf gegen Argentinien oder der bayerische Volksentscheid zum Nichtraucherschutz?

Sebastian Frankenberger: Wenn man nur das Ergebnis betrachtet: Fußball. Wir sind im Halbfinale. Aber was die Nachhaltigkeit betrifft, war der Volksentscheid natürlich wichtiger, weil wir für die nachfolgenden Generationen etwas Wichtiges erreicht haben.

Morgenpost Online: Künftig auch auf Bundesebene?

Frankenberger: Auf jeden Fall. Das Ergebnis hat der Bundesregierung den Willen des Volks gezeigt. Der sollte jetzt auch deutschlandweit übernommen werden. Bayern ist der Katalysator der Bundesrepublik. Ich stehe bereits mit der ÖDP in Hamburg deswegen in Kontakt, auch mit Berlin. Es sieht gut aus.

Morgenpost Online: Sie werden auch bundesweit der Kopf der Nichtraucherkampagne?

Frankenberger: Ich bin in Bayern bekannt. Nicht in ganz Deutschland. Deswegen werde ich Informationen weitergeben, aber die nötigen Ansprechpartner werden wir vor Ort finden. Im Moment denke ich an eine Verfassungsklage oder einen bundesweiten Volksentscheid.

Morgenpost Online: Immerhin sind Sie jetzt der Held der Nichtraucher geworden.

Frankenberger: Ich hätte anfangs nie gedacht, dass das Thema so eine Resonanz erhalten würde. Mir war klar, dass Nichtraucherschutz stark polarisiert. Aber dass ich diese Rolle übernehmen würde, hat sich erst mit der Zeit entwickelt. Bis ich schließlich der Hauptorganisator des Volksbegehrens wurde.

Morgenpost Online: Es gibt einige Mitbürger, die Sie deswegen nicht mögen.

Frankenberger: Mit ist es absolut egal, was die Leute von mir denken. Viele meinen, ich sei ein Querulant, ein Paradiesvogel. Ich bekomme Mails mit dem Betreff „Adolf Frankenberger“, manche schreiben mir, dass sie mir die „Fresse polieren“ wollen, nennen mich „Öko-Faschisten-Schwein“. Ich gebe allen eine Antwort. Nett und erklärend. Ich sage ihnen, dass ich mit meinem Einsatz Demokratie ermögliche. Nur die Nazi-Mails, die leite ich dann weiter an den Staatsanwalt. Ungefähr 14 bis 15 Klagen sind es mittlerweile.

Morgenpost Online: Gab es einen Auslöser dafür, dass Sie sich für Nichtraucherschutz engagieren?

Frankenberger: Wenn ich nicht politisch aktiv bin, arbeite ich als Stadtführer in Passau. Wenn ich meine Gruppen zum Essen in die Wirtschaft begleite, dann riechen nicht nur meine mittelalterlichen Kostüme schrecklich nach Rauch, sondern auch meine langen Haare. Eigentlich hatte der bayerische Landtag ja schon 2007 ein striktes Rauchverbot beschlossen. Aber das Verbot wurde stark aufgeweicht, und ich fand es schade, dass überall Raucherklubs eingeführt wurden – man also noch dafür zahlen durfte, um bequalmt zu werden. In Passau gab es fast nur noch solche Raucherklubs.

Morgenpost Online: Das würde noch nicht jeden dazu bringen, einen Volksentscheid zu initiieren.

Frankenberger: Ich bin ein ganz normal engagierter Mensch, der sich in mehreren Bereichen einsetzt. Mit 13 Jahren wurde ich Oberministrant, später Schülersprecher. Ich will etwas bewegen. An der Basis und dort, wo ich Einfluss nehmen kann. Wie in der Politik. Auch wenn ich nie komplett Politiker sein möchte. Dieses Geschäft hat viel mit Marketing und Verkaufen zu tun. Ich will aber authentisch bleiben, so wie jetzt.

Morgenpost Online: Sie haben Theologie studiert, waren stellvertretender Dekanatsvorsitzender. Da hätte sich doch auch eine Karriere in der Kirche angeboten …

Frankenberger: Pfarrer ist immer noch mein Traumberuf. Aber nicht in diesem Verein.

Morgenpost Online: Der Verein macht also etwas falsch?

Frankenberger: Ich denke, dass die Kirche nicht mehr wirklich weiß, was die Menschen brauchen. Ich habe für mich einen eigenen Glauben gefunden. Mir sind Reflexion und Eigenverantwortung wichtig, die ich in der Kirche nicht finde. Sie scheint sich ihrer Verantwortung nicht bewusst zu sein. Oft geht es dort nur darum, die eigene Macht zu erhalten.

Morgenpost Online: Sie streben nicht nach Macht?

Frankenberger: Ich tue Dinge aus Spaß und Überzeugung. Aber ich würde schon gerne in eine Führungsposition. Ich sehe mich als Vordenker, der Verantwortung übernimmt.

Morgenpost Online: Zum Beispiel als Oberbürgermeister von Passau?

Frankenberger: Auch da könnte man viel bewegen. Ich habe auch nichts dagegen, Bundespräsident zu werden (lacht). Aber erst würde ich mich für die Direktwahl des Bundespräsidenten einsetzen.

Morgenpost Online: Vor der Wahl des Bundespräsidenten hat sich das Volk sehr stark organisiert, Demonstrationen und Gegenbewegungen organisiert. Das war auch bei der Nichtraucherkampagne in Bayern so. Mischen die Bürger plötzlich mehr mit?

Frankenberger: Ich finde, die jetzige Regierung ist eine Katastrophe. Es geht nur um Machterhaltung. Das Volk zeigt, dass es die Nase voll hat von Lobbyisten und Politikern, die gekauft sind. Jetzt sind die Leute vernetzter, auch durch das Internet, Skandale werden schneller verbreitet. Auch die Bürger wissen schneller Bescheid. Bei meinen 30000 Anhängern auf Facebook kannten manche schon Informationen, bevor ich sie erfahren hatte.

Morgenpost Online: Sie haben die vergangenen Wochen meistens nicht mehr als drei Stunden pro Nacht geschlafen. Trotz der Vorbereitungen auf den Volksentscheid waren Sie noch bei Einsätzen als Notfallseelsorger. Woher nehmen Sie diese Energie?

Frankenberger: Ich habe in mir eine gute Energiequelle. Die fließt gut, weil ich mich nicht nach außen orientiere. Geld ist mir beispielsweise egal. Ich habe im vergangenen Jahr fast mein ganzes Rentenkonto aufgebraucht. Solange es zum Leben reicht, ist es in Ordnung. Ich gebe sehr viel – das gibt auch mir viel. Aus der Notfallseelsorge weiß ich, wie schnell es anders kommen kann. Ich versuche, mein Leben zu genießen.

Morgenpost Online: Ohne Pause?

Frankenberger: Stillstand ist das Schlimmste für mich. Ich will weiter auf der Suche nach dem wahren Ich bleiben. Dabei nicht abheben, sondern bodenständig bleiben.