Nahost-Reise des Papstes

Benedikt XVI. fordert ein Ende des Blutvergießens

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Paul Badde

Papst Benedikt XVI. hat seine Reise in den Nahen Osten beendet. Bei seiner Abschiedsrede findet er deutliche Worte zum Nahost-Konflikt. "Kein Blutvergießen mehr! Schluss mit den Kämpfen! Schluss mit dem Terrorismus! Schluss mit dem Krieg! Lasst uns die Spirale der Gewalt durchbrechen!"

"Schalom" war das letzte Wort Benedikts XVI. auf dem Boden des Heiligen Landes. Danach war die Operation "Weißer Talar" beendet – so lautete das Codewort der israelischen Sicherheitsdienste für das Großunternehmen des Papstbesuchs in Israel, der am Montag nach einem Abstecher nach Jordanien begonnen hatte.


Seine Abschiedsansprache hielt der Heilige Vater auf dem Ben-Gurion-Flughafen bei Lod, dem ehemaligen Lydda, wo es einmal die erste Christengemeinde außerhalb Jerusalems gab – und wo sich der Nachfolger Petri nun bei Israels Präsident Schimon Peres mit der politischsten Rede seiner Reise verabschiedete. Es war kein "J’accuse", aber doch ein flammendes Plädoyer für den Frieden: "Kein Blutvergießen mehr! Schluss mit den Kämpfen! Schluss mit dem Terrorismus! Schluss mit dem Krieg! Lasst uns die Spirale der Gewalt durchbrechen!"


Am Abend zuvor hatte Benedikt XVI. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu getroffen. Dieser hatte ihn nachdrücklich aufgefordert, die iranische Drohung einer Vernichtung Israels zu verurteilen. Netanjahu sagte vor Journalisten, er sei mit der Reaktion des Papstes zufrieden gewesen. Dieser habe Antisemitismus und Hass gegen Israel deutlich verurteilt.


Am Flughafen zeigte sich das Kirchenoberhaupt besorgt über die Zukunft beider Völker im Nahostkonflikt. „Kein Freund der Israelis und Palästinenser kann die Trauer über die anhaltende Spannung zwischen euren Völkern verbergen. Kein Freund kann die Tränen zurückhalten vor dem Leid und dem Verlust an Leben, das beide Völker in den letzten sechs Jahrzehnten erlitten haben.“


Deshalb rufe er noch einmal zu einem Friedensschluss auf, der auf Gerechtigkeit gegründet sei. Wahrhaftige Versöhnung und ein Heilen der Wunden seien dringend vonnöten.


Das Existenzrecht Israels müsse weltweit anerkannt werden und das Anrecht, sich des Friedens in Sicherheit in international anerkannten Grenzen zu erfreuen.


Gleichzeitig müsse das Recht des palästinensischen Volkes auf eine souveräne und unabhängige Heimat anerkannt und verbrieft werden, für ein Leben in Würde und ungehinderter Bewegungs- und Reisefreiheit.


"Die Zweistaatenlösung muss eine Realität werden! Sie darf nicht länger nur ein Traum bleiben!" Der Friede möge sich von diesen Ländern weltweit ausbreiten. Beide Länder gemeinsam müssten ein „Licht für die Völker“ werden, wie der Prophet Jesaja es schon prophezeit habe, um ein Modell der Hoffnung für all jene Regionen der Erde zu werden, die ebenfalls von hoffnungslosen Konflikten heimgesucht würden.


Einer der „feierlichsten Momente“ seines Aufenthalts in Israel, so resümierte der Papst seine Reise, sei der Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gewesen, wo er in „tief bewegenden Begegnungen“ mit Überlebenden der Schoah habe sprechen können, die den Horror selbst erlitten hatten, im dem so viele Juden von einem gottlosen Regime brutal ausgelöscht wurden.


Die Nationalsozialisten hätten eine „Ideologie des Antisemitismus und Hasses“ zum Kult erhoben. Einer der „traurigsten Anblicke seiner Reise“ durch das Heilige Land sei „die Mauer“ gewesen, also die Sperranlage zwischen Israel und dem besetzten Westjordanland. Benedikt XVI. sagte nicht „Zaun“ oder „Sicherheitswall“ und nahm auch keinen anderen sprachgeregelten Begriff in deen Mund.


Er bete für die Völker des Landes, dass sie nicht zu solchen „Instrumenten der Sicherheit und Absperrung“ ihre Zuflucht nehmen müssten. Am Morgen vor seiner Abreise hatte der Papst noch allein vor dem Heiligen Grab in Jerusalem und dem Felsen von Golgatha gebetet. Benedikts XVI. Besuch, der dritte eines Papstes nach 1945, war tatsächlich eine spirituelle Pilgerreise, wie es der Vatikan vor der Abreise angekündigt hatte. Und dennoch: So klar haben die Völker hier kaum je einen Politiker reden gehört.

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