Trauerfeier

Hunderttausende erweisen Kaczynski letzte Ehre

In Warschau hat die Trauerfeier für die Opfer des Flugzeugabsturzes vor einer Woche begonnen. Hunderttausende Polen waren zuvor in die polnische Hauptstadt gepilgert, um von Präsident Lech Kaczynski und dessen Frau Maria Abschied zu nehmen. Noch immer gibt es Kritik am Ort der Beisetzung des Staatsoberhaupts.

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Polen nimmt Abschied von Präsident Lech Kaczynski und den anderen 95 Opfern des Flugzeugabsturzes in Russland. Wohl Hunderttausende versammeln sich im Zentrum Warschaus rund um den Pilsudski-Platz am Samstag zu einem Gottesdienst.

Die Menschen strömten seit dem frühen Morgen ruhig und nachdenklich durch die Straßen Warschaus. Viele der Trauernden tragen Blumen und die rot-weiße Nationalflagge, halten Plakate mit einem Foto von Präsident Lech Kaczynski in die Höhe.

Das gesamte Wochenende steht im Zeichen der Trauer. Die Feierlichkeiten auf dem Pilsudski-Platz begannen mit einem Gottesdienst. Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw und Marta, die Tochter des verunglückten Präsidentenpaares standen gefasst vor der Bühne, auf der ein Altar aufgebaut war.

Kaczynski und seine Frau werden am Sonntag in einer Gruft der Wawel-Kathedrale in Krakau beigesetzt. Zu dem Staatsakt haben sich etwa 80 Staatsoberhäupter und Regierungschefs aus aller Welt angekündigt, darunter auch US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Doch wegen der Aschewolke aus Island kann ein Teil der ausländischen Gäste nicht kommen. Abgesagt hätten bislang Vertreter von acht Staaten, teilte das polnische Außenministerium am Samstag in Warschau mit. Darunter seien der Präsident von Mazedonien, Djordje Ivanov und der südkoreanische Regierungschef Chung Unchan. Der Luftraum über Polen ist seit Freitag vollständig gesperrt.

Zu Beginn des Gottesdienstes wurden die Namen aller 96 Opfer der Katastrophe verlesen. Polen hatte bei dem Absturz Spitzenpolitiker, hohe Offiziere und führende Geistliche verloren.

Bereits am Morgen, 8.56 Uhr, ertönten zwei Minuten lang die Glocken und Alarmsirenen in Polen – genau zu der Zeit, als vor einer Woche die Maschine bei Smolensk westlich von Moskau abgestürzt war.

Hinter dem Altar auf dem Pilsudski-Platz hängen Fotos der Toten - die Verunglückten waren Politiker, Geistliche, Militärs und Staatsbeamte. Die Trauernden reichen sich solidarisch die Hände. Der Gottesdienst findet bei strahlendem Sonnenschein unter freiem Himmel statt.

Am Nachmittag können die Polen dem Präsidentenpaar in der Johannes-Kathedrale in der Warschauer Altstadt die letzte Ehre erweisen. Beerdigt aber werden beide auf dem Burgberg Wawel in Krakau. Es ist eines der bedeutendsten nationalen Symbole Polens. Wie der Athener Hügel der Akropolis für Griechenland war der Wawel einst politisches und religiöses Zentrum des polnischen Reiches.

Der Ort ist als letzte Ruhestätte für Kaczynski umstritten. Kritiker finden, dass der Präsident nicht neben Königen und Nationalhelden beerdigt werden sollte.

Noch immer sind nicht alle Todesopfer identifiziert. Die Untersuchungen am Unglücksort sind hingegen nahezu abgeschlossen. Das Flugzeug war beim ersten Landeversuch auf dem Boden zerschellt und in Flammen aufgegangen.

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