Finanzkrise

Bischof Huber attackiert Banker und verlangt Reue

Der evangelische Bischof Wolfgang Huber hat Banker dazu aufgerufen, sich zu ihrer Verantwortung für die Weltwirtschaftskrise zu bekennen. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, kritisierte die Manager, warnte aber auch vor Resignation und Fatalismus.

Foto: AP

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hat Manager dazu aufgerufen, sich in der Finanzkrise deutlicher zu ihrer Verantwortung zu bekennen.


Es sei eine Umorientierung notwendig, die "auch das Eingeständnis von Schuld und Versagen einschließt", sagte Huber dem Bremer "Weser-Kurier". Das Zusammenspiel von ehrlicher Selbsterkenntnis und der Bereitschaft zum Umsteuern verstehe die Kirche als Buße.


Trotz der internationalen Übereinkünfte in den vergangenen Wochen sei der Durchbruch zu einer nachhaltigen Wirtschaftsordnung noch nicht vollzogen. "Die programmatischen Absichten müssen nun in konkrete Politik und in international wirksame Vereinbarungen umgesetzt werden", verlangte Huber. Derzeit werde die „Formel von der Krise als Chance“ aus seiner Sicht zu oft und auch ein bisschen zu leichtfertig geäußert. Es verstehe sich nicht von selbst, dass diese Chance genutzt wird.


Die Bewältigung der Wirtschaftskrise wird nach den Worten Hubers auch ein zentrales Thema beim 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 20. bis 24. Mai in Bremen sein. Fröhlichkeit und Tatkraft des Kirchentages würden helfen, mit der Krise nüchtern umzugehen und genau zu fragen, was Christen in dieser Situation tun können.


Konkret mahnte Huber, angesichts der Wirtschaftskrise die Gefahren des Klimawandels nicht aus dem Blick zu verlieren. „Wir haben eine große Verantwortung dafür, alles zu tun, um das globale Klima zu stabilisieren“, sagte er. „Es geht darum, auf allen Ebenen sparsamer mit Energie umzugehen.“


Nach Einschätzung Hubers gibt es in der Krise eine große Nachfrage nach Hilfe und Rat der Kirchen. Zum einen werde Orientierung gesucht, nachdem klar geworden sei, dass nicht „alles Vertrauen nur auf Geld, Wachstum und Steigerung des eigenen Profits“ gelenkt werden dürfe. Darüber hinaus bleibe es die große Herausforderung der Kirchen, sich den hilfsbedürftigen Nächsten zuzuwenden.

Erzbischof Zollitsch kritisiert gierige Manager scharf

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, äußerte scharfe Kritik am Verhalten von Managern und Unternehmenslenkern geäußert.


"Von einer Gier nach immer mehr infiziert, lassen sie keinerlei Solidarität mehr erkennen mit den vielen Menschen, die tagtäglich ihre Arbeit verlässlich und verantwortungsvoll tun", sagte der Freiburger Erzbischof in seiner Osterpredigt am Sonntag im Freiburger Münster.


Selbst die Sprache zerbreche, erklärte Zollitsch und verwies auf die ursprüngliche Bedeutung des lateinischen Wortes „bonus“, nämlich „gut“ und „gerecht“. Es sei der Grundbegriff jeder ethischen Orientierung gewesen. „Eine Bonus-Zahlung für jene, die das, wofür sie einmal Verantwortung übernommen hatten, heruntergewirtschaftet und sogar an die Wand gefahren haben, ist aber eindeutig schlecht und ungerecht“, sagte Zollitsch. Wenn Verantwortungsträger sogar die Sprache korrumpierten, dann sei man in der Realität des Jahres 2009 angekommen.


Als Gegenmodell dazu und zur Überwindung der Krise warb der Erzbischof für Aufrichtigkeit und Wahrheit als gestaltende Kraft einer ganzen Gesellschaft. „Wir alle haben Grund nachdenklich zu werden, umzukehren und nach dem zu fragen, was wirklich trägt und in die Zukunft führt, statt zu resignieren“, meinte er.


Hoffnung und Vertrauen seien die entscheidenden Haltungen zur Überwindung der gegenwärtigen Krise. Sie seien auch die Schlüssel der Kirche auf dem Weg durch die Zeit: „Sie geben uns Kraft, aktiv zu handeln, und dies gemeinsam im Vertrauen auf Gottes Hilfe und im Vertrauen aufeinander“, erklärte er.


Gegen die große Versuchung der Gegenwart, die Grundstimmung der Enttäuschung über alles dominieren zu lassen, gelte es, die Gesellschaft mit dem Zeugnis der Aufrichtigkeit und Wahrheit zu durchwirken. Die Auferstehung Jesu Christi bringe den Durchbruch durch die Mauer von Resignation, Misstrauen und Verzweiflung.

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