Kriminalstatistik

Gewalt auf den Straßen und gegen Polizei nimmt zu

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Foto: Infografik Morgenpost Online

Im vergangenen Jahr sind weniger Straftaten verübt worden als 2007. Doch die polizeiliche Kriminalstatistik zeigt auch: Polizisten, Gerichtsvollzieher und andere Vollstreckungsbeamte sind öfter Opfer von Gewalttaten. Außerdem nimmt die Brutalität auf öffentlichen Straßen und Plätzen zu.

Zuerst die positiven Nachrichten: Die registrierte Kriminalität ist im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent auf 6,12 Millionen Straftaten erneut gesunken. Es gab 163.486 Straftaten weniger als noch 2007. Auch die Gewaltkriminalität, zu der Mord, Totschlag, Raub und gravierende Körperverletzungen zählen, ging insgesamt zum ersten Mal seit 1998 um 3,2 Prozent auf 210.880 Fälle zurück. Das sind rund 7000 Straftaten weniger.

Diese neuesten Zahlen stehen in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2008, die Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Bremens Innensenator, Ulrich Mäurer (SPD), am kommenden Montag in Berlin vorstellen werden. Danach blieb die Aufklärungsrate der Polizei 2008 relativ hoch, sie nahm von 55 auf 54,8 Prozent nicht nennenswert ab.

Trotz dieser positiven Trends gibt es auch schlechte Nachrichten: So haben die Übergriffe auf Deutschlands Straßen zugenommen. Die PKS weist 72.904 Fälle gefährlicher und schwerer Körperverletzungen im öffentlichen Raum aus. Das ist ein Zuwachs von 9,1 Prozent im Vergleich zu 2007. Bei jeder dritten aufgeklärten Straftat im Bereich Gewaltkriminalität stellten die Polizeibehörden im vergangenen Jahr Alkoholeinfluss fest. Im Jahr zuvor habe die Quote mit 27 Prozent noch deutlich darunter gelegen.


"Gewachsene Gewaltbereitschaft"

Sorgen bereitet Schäuble und Mäurer, dass der Widerstand gegen „Vollstreckungsbeamte“ wie Polizisten oder Gerichtsvollzieher in vielen Bundesländern erheblich zugenommen hat. In Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl um 1094 auf 6414 Fälle (plus 20,6 Prozent). Auch in Bremen (plus 18,5 Prozent), Hamburg (plus 7,7 Prozent), Berlin (plus vier Prozent) und Niedersachsen (plus 3,4 Prozent) gab es deutlich mehr Fälle als 2007.

„Die generell gewachsene Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft schlägt sich auch in Angriffen gegen Polizeibeamte nieder“, sagte der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann Morgenpost Online. Das Gewaltpotential von Links- und Rechtsextremisten habe deutlich zugenommen. „Linksautonome versuchen durch Gewalt gezielt unser Versammlungsrecht zu demontieren. Zunehmende Gewalttaten gegenüber Polizeibeamten sind auch bei den so genannten Hooligans und Ultra-Bewegungen festzustellen, die immer öfter auf Konfrontation aus sind“, sagte Schünemann weiter.

Bei der Anzahl der Straftaten sind das Saarland und Rheinland-Pfalz die Schlusslichter im Länder-Ranking. Entgegen dem Bundestrend gab es in den beiden Ländern mehr Straftaten als 2007. Im Saarland nahmen die Straftaten um 5,9 Prozent auf 78.161 zu, in Rheinland-Pfalz um 1,8 Prozent auf 293.701. Den höchsten Rückgang verzeichnete Brandenburg mit 7,7 Prozent auf 209.087 Straftaten, die geringste Abnahme hatte Hamburg mit 0,3 Prozent auf 236.444 Straftaten.

Schlechteste Aufklärungsquote in Bremen

Die meisten Straftaten (1,45 Millionen) wurden nach wie vor im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen erfasst. Der Rückgang lag hier mit 2,8 Prozent aber über dem Bundesdurchschnitt, es gab 42.130 Straftaten weniger als im Vorjahr. Bezogen auf die Kriminalitätsbelastung pro 100.000 Einwohner führen Berlin und Hamburg erneut die Städteliste an.

Die beste Aufklärungsquote der Bundesländer hatte laut der Kriminalstatistik im vergangenen Jahr die Polizei in Bayern mit 64,7 Prozent, gefolgt von Thüringen mit 64,5 Prozent und Rheinland-Pfalz mit 62,3 Prozent. Die schlechteste Aufklärungsquote hatte Bremen mit 43,7 Prozent, gefolgt von Hamburg mit 45,5 Prozent und Schleswig-Holstein mit 47,7 Prozent.

Die Zahlen in den Bundesländern sind teilweise also sehr unterschiedlich. In einzelnen Kriminalitätsbereichen ist die Entwicklung insgesamt aber positiv. So waren Mord und Totschlag in den Ländern rückläufig. Im vergangenen Jahr nahmen diese Gewalttaten von 2347 auf 2266 Delikte ab, ein Minus von 3,5 Prozent. Die Zahl der registrierten Diebstähle sank sogar auf ein Rekordtief. Sie ging von 2,56 Millionen auf 2,44 Millionen Fälle zurück. Das ist die niedrigste Fallzahl seit dem Bestehen der gesamtdeutschen Kriminalitätsstatistik.

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